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Ein ungemütlicher Geselle: der Teufel der Jung-Jaggl.

Unsinniger Donnerstag in Mittenwald

Maschkera-Umzug: Ein Ort steht Kopf

Der Unsinnige Donnerstag in Mittenwald hätte nicht schöner sein können: Maschkera und tausende Schaulustige bevölkerten bei Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen das Ortszentrum.

Mittenwald – Mama Kathrin Fütterer platzt fast vor Stolz, als sie ihren kleinen Sohnemann im Maschkera-Gewand über den Mittenwalder Obermarkt marschieren sieht – vorbei an tausenden Zuschauern. „Vor zwei Tagen hatten sie ihre letzte Generalprobe“, erzählt sie. 16 Buben von sechs bis elf Jahren eifern ihren erwachsenen Vorbildern nach.

Und sie stehen ihnen in Nichts nach: Der Nachwuchs absolviert das lustige Treiben mit Bravour. Wie bei den Großen sind Bären samt Treiber und Trommler unterwegs – und ein kleiner Teufel erschreckt die gleichaltrigen Zuschauer. „Sie sind unsere Zukunft“, sagt Fütterer.

Eine werbeträchtige Zukunft, von der auch die Alpenwelt Karwendel profitiert. Denn der touristische Wert der Fastnachtszeit mit dem langersehnten Höhepunkt am Unsinnigen Donnerstag kann nicht hoch genug eingestuft werden. Internationale Fernsehteams säumen die abgesperrte Strecke, bahnen sich einen Weg durchs Publikum. Die Besucher kommen von überall her, um die traditionelle Mittenwalder Fasnacht zu sehen. Bereits den ganzen Vormittag über waren die ankommenden Züge brechend voll. „Sogar die erste Klasse war besetzt“, beschreibt eine Schülerin.

Das Erfolgsrezept ist simpel: Die Mittenwalder Fasnacht ist unverfälscht, nicht gestellt, sondern echt und uralt. Wenn um Schlag zwölf die Schellenrührer ihre ersten Schritte in den Obermarkt setzen, laufen die Uhren anders. Dann ist die fünfte Jahreszeit in vollem Gange – und das merken die Gäste auch. „Erstaunlich“, meint ein Zuseher, als er mit offenem Mund die Goaßlschnalzer betrachtet, denen er zuvor Platz gemacht hat. Dass nichts passiert, dafür sind die „Beserer“ verantwortlich, die Hexen.

„Ui, da bist ja du“, sagt eine Kölnerin, als sie auf die teuflische „Hobergoaß“ der großen Jaggl-Gruppe unter der Leitung von Stephan Pfeffer zeigt. Dieser versucht verzweifelt, sich in die feiernde Menge zu stürzen. Sein Treiber hält ihn aber am kurzen Strick, was vor allem die Kinder in der ersten Reihe aufatmen lässt.

Gemütlicher geht es bei den Wiesmahd-Leuten zu, die das Schlusslicht des Umzugs bilden. Mit der echten Kuh Szenzi und einem offenen Feuer machen es sich die lustigen Gesellen am Obermarkt gemütlich. Gekocht wird Kaiserschmarrn. Und natürlich darf der Schnaps nicht fehlen.

Dirk und Linde Bernsee aus der Nähe von Duisburg haben ihren Spaß: „Das ist alles so echt“, freut sich die 50-Jährige, als ihr eine Hexe mit dem Besen über die Schuhe fährt. „Wir waren schon im letzten Jahr hier – und das hat uns so gut gefallen, dass wir wieder her wollten.“ Einziger Wermutstropfen für die beiden: „In den Gasthäusern im Ort haben wir leider keinen Platz mehr“, berichten sie. Das sei schon letztes Jahr so gewesen. Doch die beiden Urlauber zeigen sich verständnisvoll: „Heute ist der Tag der Maskierten, die haben sich das schon verdient.“

So schön war der Maschkera-Umzug

Josef Hornsteiner

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