Phillip ZoepfSport im Verein hat einen hohen Integrationseffekt. F.:Ko/A.

"Mehr bewegen" fordert: "Sport im Verein für alle"

Murnau - Viele würden sich ja gerne mehr bewegen, können sich aber eine Mitgliedschaft in einem Sportverein schlicht und ergreifend nicht leisten. Sportreferent Phillip Zoepf hat nun die zündende Idee: Die Gemeinde soll diesen Menschen aus dem Ortsarmen-Fond eine Mitgliedschaft ermöglichen - egal ob Einheimischen oder Flüchtlingen.

Die Idee war Phillip Zoepf („Mehr bewegen“) gekommen, als er vor kurzem die Schirmherrschaft für eine VfL-Leichtathletik-Veranstaltung in Murnau übernommen hatte, zu der auch Flüchtlingskinder aus Bad Kohlgrub und Bad Bayersoien eingeladen waren. Wenige Tage zuvor hatte es im Murnauer Gemeinderat ein Update über die Situation in der Flüchtlingsunterkunft in Westried/Moosrain gegeben - so auch für Zoepf. Und was er bis dahin nicht wusste, dass es dort ebenfalls Kinder gibt. Kurz entschlossen hatte er Kontakt mit der Heimleitung aufgenommen und zwei Kinder am Tag der VfL-Veranstaltung dort abgeholt und mitgenommen. „Sie bekamen gleich zu Beginn T-Shirts und waren einfach total glücklich, dass sie da überhaupt mitmachen konnten“, schildert Zoepf. Angespornt von diesem Erlebnis kontaktierte er Team 7 von Murnau Miteinander, das ihm von weiteren Kindern berichtete, die gerne Tischtennis oder Fußball spielen würden, es sich aber nicht leisten könnten.

„Ein Slogan besagt, Sport ist im Verein am schönsten. Ob dem tatsächlich so ist, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Dass Sport im Verein aber einen enorm hohen Sozialisierungs- und Integrationseffekt hat, steht außer Frage. Unsere Sportvereine in Murnau leisten hervorragende Arbeit. Dabei übernehmen sie soziale Verantwortung und dienen dem Allgemeinwohl“, erklärt Sportreferent und Gemeinderat Zoepf. „Ich weiß zum Beispiel, dass der TSV Murnau bereits Flüchtlinge in Fußballmannschaften hat und dass der Förderverein deren Mitgliedsbeiträge übernimmt. Auch vom Alpenverein meine ich zu wissen, dass dieser in besonderen Fällen kostenlose Mitgliedschaften anbietet. Aber es gibt sicherlich viele andere Sportvereine, die sich noch nicht klar darüber sind, dass es da draußen viele Menschen gibt, die gerne dabei sein würden, aber finanziell nicht können.“

Und die werden in Zukunft nicht weniger, sondern mehr, ist sich Zoepf sicher. Deshalb hat er folgende Idee entwickelt und diese in einem Antrag an den Gemeinderat formuliert. „Hiermit beantrage ich, allen Bürgern die Möglichkeit zu geben Sport im Verein treiben zu können, auch wenn sie nicht über die finanziellen Mittel verfügen. Dabei sollen die Beiträge für die Vereine aus dem Spendentopf für Ortsarme verwendet werden. Auch andere Finanzierungsmöglichkeiten können geprüft werden“ - so der Wortlaut.

Angesprochen sollen damit Bürger werden, die Sozialleistungen beziehen wie Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Wohngeld oder Kinderzuschlag. Darüber hinaus könnten auch Flüchtlinge, vor allem Kinder, die noch kein Bleiberecht nach dem Asylverfahren haben, die Möglichkeit erhalten, sich in einem der Murnauer Sportverein anmelden zu können.

Denn die Realität zeigt, dass solche Beiträge nicht unbedingt billig sind. Wer beispielsweise sein Kind beim TSV-Murnau Fußball spielen lassen will, muss mit über 130 Euro pro Jahr rechnen, als Erwachsener hat er den selben Betrag zu bezahlen.

Die Idee ist den Murnauer Vereinen bereits am Dienstag bei einer Sitzung des Sportbeirats vorgestellt worden. Voraussichtlich im April geht der Antrag in den Hauptverwaltungsausschuss. (sp)

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