Mehr Mitsprache bei Mobilfunk

Murnau - Sie sprießen wie Pilze aus dem Boden - die Mobilfunk-Antennen. Das gefällt einigen Murnauern nicht. Sie fordern im Rahmen einer neuen Interessengemeinschaft mehr Mitspracherecht.

Endgültiger Auslöser war die Installation einer Mobilfunkantenne auf einem Gebäude am Murnauer Burggraben. „Wir sind aus den Sommerferien heimgekommen und hatten die Antenne vor der Tür. Und das, ohne zuvor informiert worden zu sein“, moniert Inge Kunz. Sie ist eine der Mitbegründer der neuen Interessengemeinschaft, die nun in Murnau gegen einen „Wildwuchs von Funkmasten“ mobil machen will. „Die Antenne ist rund 200 Meter von unserem Haus entfernt. Jetzt können wir auf unsere Kosten das Gebäude strahlensicher machen. Das kann doch nicht sein. Auch interessiert es keinen, dass wir alle hier aufgrund der Antenne Wertverluste bei Grundstücken und Häusern hinnehmen müssen. Außerdem ist der Masten wahrlich kein Blickfang, vor allem nicht für Touristen.“

Am Schlimmsten aber findet sie es, dass alle einem gesundheitlichen „Feldversuch unbekannten Ausmaßes“ ausgesetzt werden. „Immer wieder hört man von Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder Erbgutschädigungen.“ In allen anderen Ländern seien die gesetzlichen Grenzwerte wesentlich niedriger als in Deutschland. „Hier geht es scheinbar nur ums Geld“, meint sie. Ärztegemeinschaften in Österreich würden sogar via Plakate zum richtigen Umgang mit Handys aufrufen. „Da heißt es: Nicht im Zug, nicht im Auto, beim SMS-Versenden Handy weg vom Körper“, weiß Kunz. Die neu gegründete Interessengemeinschaft möchte nun auch in Murnau wachrütteln - vor allem die Gemeindeverwaltung und Gemeinderäte. „Wir wissen, dass man Sendemasten nicht verhindern kann, aber man kann ein Mitspracherecht bei den Standorten haben, dass diese möglichst außerhalb von Wohngebieten errichtet werden. Und nicht nur die unmittelbaren Nachbarn sollten über neue Antennen informiert werden.“ Die Gruppe lädt alle interessierten Bürger am Dienstag, 26. Oktober, zu einem Informationsabend ab 19.30 Uhr in das Restaurant Auszeit im Kultur- und Tagungszentrum ein. Dieter Kugler vom Geobiologischen Beratungsdienst in Heilbrunn spricht über Gefahren von Mobilfunk, aber auch über Möglichkeiten für Kommunen in punkto Standortsuche.

„In vielen anderen Orten tut sich was, nur in Murnau nicht“, sagt Kunz. „Da werden Veränderungssperren erlassen, da wird nach Konzentrationsflächen gesucht.“ Dies kann Bürgermeister Rupert Wintermeier (WGU) aus Uffing bestätigen. Derzeit laufe ein Verfahren in Sachen Standortausweisung vor dem Verwaltungsgericht. Auch habe es eine Hauseigentümerin geschafft, die vor ihrer Zeit auf dem Dach installierte Antenne wegen eines Fehlers im Vertrag wegzuklagen. In Eschenlohe wurde für das Gewerbegebiet In der Enz eine Veränderungssperre erlassen. Jetzt ist man mit dem Betreiber auf der Suche nach einen anderen Standort für den zuerst dort geplanten Masten. „Wir wollen, dass sich alles auf einen Punkt konzentriert“, meint Bürgermeister Anton Kölbl (CSU).

Und in Murnau? „Wir sind offen für Anregungen“, erklärt Ingo Presuhn vom Bauamt. In Murnau sei es von der Größe und der Topographie her aber sehr schwer, eine geeignete Fläche zu finden. Da müssten vermutlich mehrere Vorranggebiete ausgewiesen werden. Etwas Konkretes habe sich bisher - trotz einiger Vorstöße - allerdings noch nicht getan.

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