Meldemuffeln geht's an den Kragen

Oberes Isartal - Die Meldemoral bei Teilen der Isartaler Vermieter könnte besser sein. Dagegen wollen die Gemeinden nun vorgehen.

Das Problem ist nicht neu: Immer wieder gibt es Hotel- und Pensionsbetreiber, die nicht alle Gäste bei den Gemeinden melden. Doch jetzt langt’s den Isartaler Rathauschefs. „Wir können das so auf Dauer nicht akzeptieren“, stellt Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) unmissverständlich klar. Zusammen mit seinen Amtskollegen aus Mittenwald und Wallgau will der derzeit amtierende Vorsitzende der Alpenwelt Karwendel gegen die „schwarzen Schafe“ und teilweise schlechte Meldemoral vorgehen.

Denn letztlich sind diejenigen Gastgeber, die alle Urlauber angeben, „die Gelackmeierten“, wie Schwarzenberger sie nennt. Nur sie zahlen Kurbeitrag. Die Einnahmen fließen wieder in den Tourismus - sei es zur Ausbesserung von Wanderwegen oder in neue Attraktionen. Von denen wiederum profitieren aber auch Touristen, die in den Statistiken nirgendwo offiziell auftauchen.

Außerdem bedeutet jeder nicht registrierte Gast einen finanziellen Schaden für die Kommunen. „Zwischen fünf und zehn Prozent der Meldungen fehlen den Gemeinden“, schätzt Schwarzenberger. Das bedeutet ihm zufolge allein für Krün einen Fehlbetrag von 50 000 bis 100 000 Euro pro Jahr.

Wenn diese Zahlen überhaupt reichen. Auch Wallgaus Rathauschef Hanjörg Zahler (CSU) hat sich die Tourismuszahlen seines Dorfes von 2011 genauer angeschaut. Anfang Oktober betrug die Auslastung laut Statistik 67,11 Prozent. Er weiß aber: „Faktisch war zu dieser Zeit kein Bett mehr in der gesamten Alpenwelt Karwendel zu bekommen.“ Der ehemalige Verkehrsamtschef Zahler wurde stutzig. Ein komisches Gefühl beschleicht ihn auch beim Blick auf die August-Daten. In der zweiten Woche des Monats waren 70,9 Prozent der Betten belegt. Er ist sich aber sicher, dass es eigentlich „weit mehr sein müssten“. Wenn 20 Prozent der Urlauber im Jahr nicht gemeldet werden, fehlen 30 000 Euro in Wallgaus Gemeindekasse.

Deshalb wollen die drei Orte nun etwas unternehmen. Es gibt bereits erste Ideen, um die Meldemoral der Vermieter in der Alpenwelt Karwendel zu verbessern - und zwar nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche. Auf der einen Seite sollen Anreize geschaffen werden: Ein Gewinnspiel, bei dem Urlauber mit Gästekarte unter anderem einen kostenlosen Aufenthalt in der Alpenwelt Karwendel gewinnen können, soll die Attraktivität der Karte weiter steigern. Denn bereits die kostenlose Nutzung des Ski- und Wanderbusses für Gästekarten-Inhaber war ein Mittel, um die Meldebereitschaft zu erhöhen. „Es geht um die Sensibilisierung der Vermieter, und nicht um Schuldzuweisungen“, betont Zahler.

Aber auf der anderen Seite gibt es auch Überlegungen zur Wiedereinführung eines Kontrolleurs, der unter anderem in den Wanderbussen unterwegs sein soll. Wallgau und Krün versuchten vor wenigen Jahren bereits, mit Hilfe von Spezialisten die Meldungen anzukurbeln. „Der Erfolg war allerdings mäßig“, räumt Schwarzenberger für Krün ein. Deshalb blieb es bei dem einjährigen Versuch. Wie die Überprüfungen nun effektiver gestaltet werden sollen, wird noch geklärt. Während sich die Gemeinderäte in Mittenwald und Wallgau bereits nicht-öffentlich mit dem Thema befasst haben, steht eine Diskussion in Krün noch aus.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zugspitzbahn fährt wieder: Medienrummel vor dem Ansturm
Klebeband und Desinfektionsspray im Fokus: Die letzten Vorbereitungen für die Inbetriebnahme der Bayerischen Zugspitzbahn sind am Freitag von einem Medienrummel …
Zugspitzbahn fährt wieder: Medienrummel vor dem Ansturm
Kindertagesstätte: Platzproblem gelöst, alle Kinder bleiben im Gebäude
Einige Varianten wurden geprüft. Jetzt steht fest: Alle Kinder finden im neuen Kindergartenjahr Platz in der Kita St. Martin. Ein kleinerer Umbau ist dafür nötig. Die …
Kindertagesstätte: Platzproblem gelöst, alle Kinder bleiben im Gebäude
Alles vorbereitet im Oberen Isartal für den großen Berg-Ansturm
Die Wege sind geräumt, die Gondeln und Wirtsstuben herausgeputzt. Jetzt können die Bergwanderer zu den Unterkünften im Karwendel kommen.
Alles vorbereitet im Oberen Isartal für den großen Berg-Ansturm
Rechtsstreit um Corona-Leserbrief
Murnau hat sich zu einer Hochburg der Corona-Demos entwickelt. Auf diesen hält Dr. Uwe Erfurth, einer der Veranstalter, die Fahne hoch für den Schutz der Grundrechte. …
Rechtsstreit um Corona-Leserbrief

Kommentare