Ein Projekt, das aus Mitteln der Leifheit-Stiftung realisiert werden könnte: der Umbau des alten Finanzamts. foto: Sehr-Archiv

50 Millionen Euro suchen eine Verwendung

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Garmisch-Partenkirchen - 50 Millionen Euro für Senioren - das ist das Vermächtnis von Günter und Ingeborg Leifheit. Die Gemeinde steht nun vor der Frage, wie sie dem Willen des Ehepaars am besten entspricht. Ziel ist es, eine dazu passende Stiftung zu gründen.

Im Werdenfelser Land fühlten sie sich wohl, in Garmisch-Partenkirchen fanden sie eine neue Heimat. Deshalb haben Günter und Ingeborg Leifheit ihr Vermögen auch dem Markt hinterlassen. Freilich nicht zur freien Verfügung und ganz sicher nicht dafür, die klamme Gemeindekasse aufzufüllen. Vielmehr haben sie in ihrem Vermächtnis sehr deutlich gemacht, wofür das Geld verwendet werden soll. Den Leifheits ging’s insbesondere darum, Senioren ein besseres Leben zu ermöglichen.

Das kann durch die Errichtung und Unterstützung von Alten- und Pflegeheimen, die Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Probleme alter Menschen und die Unterstützung anderer Einrichtungen, die zugunsten von Senioren tätig sind, geschehen. So ist es in der Satzung der Stiftung verankert, die zunächst in der Schweiz, dem letzten Wohnort der Leifheits, angesiedelt war. Um deren Willen zu entsprechen, galt es, etliche juristische Hindernisse zu überwinden und die Vorschriften in beiden Ländern zu berücksichtigen, schließlich soll das Vermögen gemäß den Vorgaben des Ehepaars eingesetzt werden. Diese Hürden sind nun weitgehend genommen. Die Stiftung im Kanton Tessin ist inzwischen aufgelöst und der Großteil des Geldes - insgesamt beläuft sich das Vermächtnis auf circa 50 Millionen Euro - nach Garmisch-Partenkirchen transferiert. Vom verbleibenden Geld steht ein gewisser Prozentsatz den Schweizern zu, der Rest fließt ebenfalls ins Werdenfelser Land.

Als sich diese Einigung, auf die der Markt seit Jahren wartet, abgezeichnet hatte, hat Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) bereits Ende 2014 den Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband ins Boot geholt. Mit dessen Experten will die Gemeinde herausfinden, wie sie dem Willen der Leifheits am besten entsprechen kann. Nachdem das Vermächtnis der Leifheits bereits seit Jahren durch die Köpfe der Garmisch-Partenkirchner geistert, „wurden schon viele Begehrlichkeiten geweckt“, sagt Meierhofer. „Wir dürfen aber nicht in einen Geldrausch verfallen. Das Ganze muss den Bürgern etwas bringen.“ Deshalb seien jetzt die Gremien am Zug - zunächst beschäftigt dieses Thema den Finanzausschuss nicht-öffentlich in seiner April-Sitzung -, um sich auf das Procedere und vor allem auf Projekte zu einigen.

Eines, das bereits unter ihrem Vorgänger Thomas Schmid (CSB) abgesegnet wurde, ist der Bau eines Altenhilfe- und Servicezentrums auf dem Areal des St.-Vinzenz-Altbaus an der Münchner Straße. Sieben Millionen Euro standen dafür im Raum. Etwa die gleiche Summe würde die Caritas als Betreiber noch einmal in die Hand nehmen. Ein anderes Vorhaben, die Gründung eines Bildungszentrums für Alten- und Krankenpflege sowie Erzieher, könnte wie ein Mehrgenerationen-Konzept im alten Finanzamt ebenfalls passen.

Für die CSU-Fraktion im Gemeinderat ist daher klar, „dass das Stiftungsvermögen nicht kleckerlesweise ausgeschüttet werden darf, sondern einem großen Ganzen zugeführt werden sollte“. Um das zu erreichen, fordert Vorsitzende Elisabeth Koch in einem Antrag an den Gemeinderat, eine Stiftung zu gründen und dazu einen Beirat aus der Mitte des Gremiums zu installieren. Dieses Vorgehen kann sich auch Meierhofer vorstellen, für die entscheidend ist, „dass wir uns auf gute Projekte einigen“ - gemäß dem Willen der Leifheits.

Tanja Brinkmann

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