Strafe ohne Bewährung

Minderjährige mit Joints versorgt - 15 Monate Knast

Garmisch-Partenkirchen - Ein einschlägig vorbestrafter Garmisch-Partenkirchner (27) muss ins Gefängnis. Er hat "weiche" Drogen an Jugendliche verschenkt. 

Auch wenn Marihuana als angeblich „weiche“ Droge gilt, die Gerichte sehen sie nach wie vor als Einstieg zu gefährlicherem Rauschgift und urteilen darum recht hart. Insbesondere, wenn diese an Minderjährige verabreicht wurde. Darum schickte das Schöffengericht jetzt einen 27-jährigen Garmisch-Partenkirchner für 15 Monate ohne Bewährung ins Gefängnis. Der Mann hatte zwei 14- und 17-jährigen Mädchen Joints geschenkt. Erschwerend hinzu kam, dass er bereits zwölf Vorstrafen, auch schon mit Gefängnisaufenthalt, hinter sich gebracht hat.

Staatsanwältin Dr. Martina Reiser warf dem Angeklagten gleich zwei dieser Drogendelikte vor: Beim ersten Mal seien irgendwann im Sommer 2014 beide Mädchen in seiner Wohnung zu Gast gewesen und er habe nichts Besseres zu tun gehabt, als fünf Joints zu drehen und sie gemeinsam mit ihnen zu rauchen. Einige Zeit später sei dann nur noch die 14-Jährige bei ihm gewesen, er habe erneut Joints gedreht und sie zusammen mit der Minderjährigen konsumiert. Nachdem dann seitens deren Mutter Anzeige erfolgt sei und die Polizei eine Hausdurchsuchung vornahm, hätten die Beamten immerhin noch 7,6 Gramm Marihuana und 0,5 Gramm Haschisch in seiner Wohnung entdeckt. Bei der anschließenden Vernehmung stellte sich heraus, dass er die Mädchen kostenlos mit den Drogen versorgt hatte. Hätte er Geld verlangt, wäre dies immerhin als Verbrechen des Rauschgifthandels gewertet worden.

Namens des Angeklagten erklärte dessen Verteidiger Bernd Gutowski (München), „dass die Vorwürfe richtig sind, mein Mandant hat allerdings erst später vom Alter der 14-Jährigen erfahren“. Im übrigen sei die Initiative zum Joint-Rauchen nicht von ihm ausgegangen. „Er hat selbst auch keinerlei Vorteil davon gehabt.“ Offen gab der ansonsten schweigsame Angeklagte zu, dass er immer mal wieder selbst Marihuana genieße. Der Konsum allein sei ja nicht strafbar, sondern lediglich Erwerb und Handel.

Sehr belastend wirkten sich hingegen seine insgesamt zwölf Vorstrafen aus, denn darunter finden sich schon ein paar Drogendelikte und ein längerer Aufenthalt im Jugend-Gefängnis. Die Staatsanwältin beantragte darum 30 Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung, während der Verteidiger, empört über diese seines Erachtens unverhältnismäßig hohe Forderung, allenfalls 10 Monate für angebracht hielt.

Das Schöffengericht verhängte 15 Monate ohne Bewährung. „Marihuana gilt zwar als weiches Rauschgift, ist jedoch eine Einstiegsdroge“, sagte Vorsitzender Richter Stefan Lindig. „Darum ist es für Minderjährige besonders gefährlich.“ Deshalb handelt es sich auch keineswegs um einen minder schweren Fall. Angesichts der Vorstrafen sei „die jetzige Ahndung als sehr milde anzusehen“.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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