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Ausgelassene Stimmung: die Kinder zusammen mit (h. v. l.) Riegsees Bürgermeister Rudi Kühn (ÖDP), den Initiatoren Jörg Steinleitner und Johannes Volkmann sowie weiteren Helfern. Im Hintergrund die ausrangierte Telefonzelle.

Ungewöhnliches Ferienprojekt in Riegsee

Mini-Dorfbücherei in Telefonzelle: Lesefreuden auf einem Quadratmeter

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Riegsee - An Angeboten in der Ferienzeit mangelt es im Landkreis nicht. Doch ein Kreativprojekt in Riegsee sticht heraus. Kinder bauen dort eine Mini-Dorfbücherei – in einer ausrangierten Telefonzelle. Die Ausleihstelle für Literatur soll das Ortszentrum bereichern. 

Jörg Steinleitner, Autor, Journalist und Rechtsanwalt aus Riegsee, ist Überzeugungstäter: Er möchte die Lesekultur fördern. Der Gedanke faszinierte ihn, in seiner Heimatgemeinde einen öffentlichen Bücherschrank aufzustellen, aus dem sich jeder gratis bedienen kann. „Der Spaß am Lesen wird größer, wenn die Bücher nichts kosten“ – davon ist der Schriftsteller überzeugt.

In dem gelernten Holzbildhauer Johannes Volkmann, der ebenfalls in Riegsee lebt und schon mehrmals die vielbeachteten Papiertheatertage auf die Beine stellte, fand er einen Mitstreiter, der von der Sache sofort begeistert war. Schnell war klar, das Vorhaben im Zuge einer Schnitzwerkstatt für Kinder zu realisieren. Doch ein Bücherschrank wäre aufgrund des hohen Materialbedarfs richtig teuer geworden.

Bei einem Gespräch im Rathaus – der entscheidende Hinweis kam dem Vernehmen nach von Bürgermeister Rudi Kühns (ÖDP) Sekretärin – wurde eine Alternative gefunden: Das alte Telefonhäuschen, das ohnehin der Gemeinde gehört und nur funktionslos rumstand, bot sich als praktisches Domizil der Mini-Dorfbücherei an. „Das passt fantastisch. Das hat eine gewisse Atmosphäre“, freut sich Steinleitner. Damit bleibe sogar ein Stück Ortsgeschichte erhalten. Ganz neu ist die Idee übrigens nicht, eine Fernsprechkabine in eine derartige Bildungseinrichtung zu verwandeln. Ähnliche Aktionen gab es bereits in anderen Kommunen.

Gestern startete nun in Riegsee das von Sponsoren und Helfern unterstützte Projekt, an dem sich unter der fachmännischen Leitung Volkmanns rund 15 Ferienkinder beteiligen. In der alten Tenne im Kistlerhof der Familie Schmid wird diese Woche fleißig gearbeitet. Das Motto: „Wir schnitzen uns eine Dorfbücherei.“ Die besagte Telefonzelle soll mit Holzelementen so umgestaltet werden, dass sie optisch in den Ort passt. Volkmann hofft, die Regale im Inneren so anzuordnen, dass einige hundert Bücher sowie ein kleiner Tisch mit Hocker Platz finden – das alles auf einer Grundfläche, die gerade mal einen Quadratmeter umfasst. Die Kinder sind beispielsweise für Verzierungen und Beschriftungen zuständig. Am Samstag, 27. August (Beginn: 19 Uhr), soll das fertige Meisterstück in der Tenne im Rahmen einer kleinen Feier präsentiert werden. Die Mädchen und Buben bereiten dafür eine künstlerische Einlage vor, eine Art „Holz-Theater-Konzert“, wie Volkmann verrät.

Und woher kommen die Bücher? Die Initiatoren setzen auf Spenden – und auf die Kooperation der Besucher. Denn geplant ist, dass jeder, der sich ein Buch ausleiht, dafür ein eigenes mitbringt. So soll ein Austausch entstehen. Das kostet keinen Cent, setzt aber Ehrlichkeit voraus. Steinleitner, der sich um einen Grundstock an Lesestoff bemühen will, legt Wert darauf, dass Qualität wie aktuelle Bestseller in die Dorfbücherei kommt – und kein Schrott. „Das soll kein Altpapierlager werden“, betont er.

Rathauschef Kühn ist jedenfalls beeindruckt: „Das ist ein spannendes Projekt.“ Er plädiert dafür, die Bücherei möglichst zentral aufzustellen, etwa im Bereich des Rathauses. Und was halten die beteiligten Kinder von dem ungewöhnlichen Ferienprogramm? „Ich finde es gut, dass wir hier die Technik zum Schnitzen lernen“, sagt etwa Quirin (12) aus Riegsee. Und Alexander (12), ebenfalls aus Riegsee, meint: „Ich lese recht viel. Das ist eine gute Idee.“

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