Mädchen will Messdienerin werden

Ministranten erpressen Altenauer Pfarrer

Altenau - Von 23 Burschen drohen in Altenau 14 mit Rücktritt - weil sie keine Mädchen in ihren Reihen wollen. Begründen können sie das nicht wirklich - und haben trotzdem Erfolg.

Als Hans Hautmann den aktuellen Kirchenanzeiger des Pfarrverbands Bad Kohlgrub aufgeschlagen hatte, traute er seinen Augen nicht. Eine Meldung, die der Kirchenvorstand in Wurmansau zu lesen bekam, trieb ihm regelrecht die Zornesröte ins Gesicht. „Das ist nichts anderes als Erpressung“, sagt der Ammertaler erbost. Damit meint er das, was in Altenau passiert: Dort haben die Ministranten verhindert, dass ein Mädchen in ihre Runde aufgenommen wird. Ganz nach dem Motto: Entweder sie oder wir.

„Das alles macht mich sehr, sehr traurig“, sagt Pfarrer Rudolf Scherer. Gern hätte er das Mädchen in Altenau ministrieren lassen, doch das hat die Mehrzahl der 23 Burschen, die dort das kirchliche Ehrenamt ausfüllen, nicht gewollt. 14 von ihnen hätten erklärt, ihren Dienst aufzugeben, wenn das Mädchen aufgenommen wird. „Was soll ich dann machen?“, fragt der Geistliche ratlos und veranschaulicht damit das ganze Dilemma. „Ich bin wirklich nicht glücklich.“ Was passiert ist, haben der Pfarrer, Pastoralreferent Andreas Häring und Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Christian Staltmeir in den Pfarrnachrichten öffentlich gemacht. In dem Text wird betont, dass alles „entgegen ihrer eigenen Überzeugung“ geschehe. Sich alle drei also dem Druck der Ministranten beugen.

Auf Tagblatt-Anfrage wollen die Jugendlichen keine Stellung zu ihrem Verhalten nehmen. Ihnen bescheinigt aber die Mutter des betroffenen Mädchens, eigentlich ganz nette Burschen zu sein. „Ich kenne die meisten ja“, sagt die Frau, die ihren Namen zum Schutz der Tochter nicht öffentlich machen will. Wie die Altenauerin erklärt, habe sie schon im Vorfeld gewusst, dass ihr Ansinnen für Ärger sorgen wird. Denn die Ministranten sperren sich seit Jahren gegen weibliche Kolleginnen. Trotzdem war das Mädchen enttäuscht, als es auch bei ihr nicht geklappt hat. „Sie weiß aber, dass es nicht um sie persönlich geht“, sagt ihre Mutter.

Über das Ergebnis der wochenlangen Verhandlungen haben die Vertreter der Pfarrei die Familie selbst unterrichtet. Und auch die drei Oberministranten sollten sich selbst erklären. „Sie standen vor mir und haben rumgeeiert“, erzählt die Mutter. Die Altenauerin betont aber, dass sie keinen Groll gegen sie hegt. Auch wenn sie nicht nachvollziehen kann, warum sie ein Mädchen beim Ministranten-Dienst stören sollte. Für alles andere gebe es doch Burschenvereine.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Kommentare