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Fragen nach der Vergangenheit: Aus dem Jahr 2005 datiert ein Verdacht des sexuellen Missbrauchs am Benediktinerkloster Ettal, der nun neue Rätsel aufgibt.

Missbrauchsskandal am Kloster Ettal: Ist Pater G. unschuldig?

Ettal - Der Fall eines angeblichen sexuellen Missbrauchs am Kloster Ettal aus dem Jahr 2005 gibt neue Rätsel auf. Ein Geständnis ist widerrufen worden.

Wie der Düsseldorfer Rechtsanwalt Rüdiger Deckers, der den beschuldigten Pater G. (39) verteidigt, jetzt erklärte, habe sein Mandant das zu Jahresbeginn abgelegte Geständnis widerrufen. Der Hauptbelastungszeuge in diesem Fall, ein ehemaliger Ettaler Internatsschüler (20), dementierte zugleich seine frühere Aussage, er sei „hundertfach missbraucht worden“. Er sei weder sexuell missbraucht worden, noch habe er je die Zahl 100 genannt. Dies berichtet die Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins Focus.

Deckers vermutet, dass manche Aussagen womöglich im Zuge einer „hypothesengeleiteten Art der Vernehmung“ entstanden seien. Wurde also etwas als gültig angenommen, was aber weder bewiesen noch verifiziert war?

Die Vorkommnisse im Kloster Ettal, wo über Jahrzehnte hinweg erwiesenermaßen Kinder und Heranwachsende von Patres und weltlichen Präfekten brutal misshandelt, gequält und missbraucht wurden, beziehen sich nach den Angaben des Sonderermittlers Thomas Pfister auf den Zeitraum bis etwa 1990. Der jüngste „Fall“ datiert aus dem Jahr 2005: Damals soll Pater G., Präfekt im Internat, Schüler an Armen, Oberkörper und Beinen berührt und am Kopf gestreichelt haben. Zudem seien sie auf seinem Schoß gesessen.

Sofort nach Bekanntwerden dieser Vorgänge wurde G. von der damaligen Kloster- und Internatsleitung aus der Schülerbetreuung genommen; außerdem wurden alle Eltern informiert. Ein Gutachten erbrachte jedoch keinerlei Anhaltspunkte für einen sexuellen Missbrauch.

Dennoch warf offenbar ein ehemaliger Internatsschüler dem Pater vor, Mitschüler im Genitalbereich berührt zu haben. Laut Aktenlage habe der Hauptbelastungszeuge in diesem Fall ausgesagt, „hundertfach missbraucht worden zu sein“. Diesen Satz widerrief jetzt der 20-Jährige gegenüber dem Focus.

Pater G.’s Anwalt, Rüdiger Deckers, möchte sich „grundsätzlich nicht an Spekulationen beteiligen“, erklärt aber, „gesellschaftlicher Kontext“ habe die ermittelnden Polizeibeamten unter Druck gesetzt. Zudem versichert er: „Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe. Es war von ihm zu den Schülern wohl eine gewisse Nähe gegeben. Das war zwar ein pädagogischer Fehler, aber kein strafrechtlicher Bestandteil. Es kam nie zu sexuellen Übergriffen.“

Andrea Titz, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, legte gegenüber dem Tagblatt dar, dass gegen den Pater wegen des Tatbestandes des sexuellen Missbrauchs ermittelt werde, es aber keine neue Sachlage gebe.

Das Benedikinterkloster Ettal lehnte eine offizielle Stellungnahme zu den offenbar neuen Entwicklungen ab - mit Verweis auf ein laufendes Verfahren. (Ludwig Hutter)

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