Alles im Griff: Hildegard Bernhard (l.) und Susanne Binder managen künftig den Kramerladen an der Dorfstraße 32. Zahlreiche junge und ältere Kunden freuen sich mit ihnen. Foto: Herpen

Der Mittelpunkt des Dorflebens

Riegsee - „Beim Kramer" steht auf dem nagelneuen, hölzernen Türschild über dem Schaufenster. Das Lebensmittelgeschäft an der Riegseer Dorfstraße Nummer 32 kann auf eine 100-jährige Tradition zurückblicken. Und diese wird künftig nahtlos weitergeführt.

Dies ist zwei tatkräftigen Frauen zu verdanken: Hildegard Bernhard, gelernte Konditorin, und Susanne Binder, die aus der Finanzbranche kommt (beide 41), haben sich entschlossen, den Laden zu übernehmen.

Nachdem sich Annemarie Hanner (71) nach einem halben Jahrhundert aus dem Geschäft zurückziehen wollte, hatten die Riegseer Bürger zunächst erwogen, eine Genossenschaft für dessen Weiterführung zu gründen. Dies scheiterte jedoch an rechtlichen Formalitäten. Dafür unterstützte die Dorfgemeinschaft die beiden Frauen beim Umbau ihres 45 Quadratmeter großen Verkaufsraums nach Kräften.

„Sie haben uns einen neuen Boden gelegt, eine neue Theke und Regale gebaut, Lampen montiert und alles frisch gestrichen“, freuen sich Bernhard und Binder, die den Laden nicht mehr wie bisher als Edeka-Partner, sondern frei führen werden. Ihr Sortiment umfasst neben den üblichen Grundnahrungsmitteln jetzt auch diverse Bio- und Regional-Erzeugnisse, wie etwa von der Off-Mühle in Sindelsdorf, Unser-Land-Produkte und Käse aus der Ettaler Schaukäserei. Selbst aus den umliegenden Dörfern kommen bereits Kundinnen zum „Kramer“, wie etwa Daniela Eibl aus Murnau: „Ich bin vor allem wegen der Bio-Produkte hier“, sagt die 46-jährige, „ich finde, dass man diese kleinen Dorfläden unterstützen muss“.

Im gleichen Sinne äußert sich Susanne Kolloechter (48) aus Aidling: „Diese kleinen Läden sollten unbedingt erhalten bleiben, denn dort trifft man die Leute aus dem Dorf und kann miteinander reden.“ Und Binder resümiert: „Für mich ist die große Hilfe, die uns von den Riegseer Bürgern zuteil wurde, der Beweis, dass sich das Denken in der Gesellschaft umdreht - hin zu einem neuen Wir-Gefühl. Das Dorf steht hinter uns - und das ist das Entscheidende.“ Dies wurde auch bei dem gut besuchten Gartenfest deutlich, zu dem die Hausbesitzer Robert und Annemarie Hanner anlässlich der Übergabe geladen hatten.

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