Die Mittelschule ist am Zug

Murnau - Die Murnauer Mittelschule soll selbst die Initiative ergreifen, wenn sie einen Patron oder einen individuellen Namen wünscht. Diese Ansicht vertritt die Mehrheit des Gemeinderats.

Die Murnauer Mittelschule wird vorerst ihren neutralen Namen behalten. Der Antrag der vier Gemeinderäte Rolf Beuting, Guntram Gattner, Holger Poczka (alle ÖDP/Bürgerforum) und Michael Manlik (SPD), die Bildungsstätte nach Christoph Probst (1919 bis 1943) zu benennen, wurde in der Sitzung des Gremiums mit großer Mehrheit abgelehnt. Probst, ein gebürtiger Murnauer, war Mitglied der Weißen Rose, einer Widerstandsgruppe im Dritten Reich.

Die Volksvertreter scheinen generell von einem individuellen Schulnamen nicht viel zu halten. Dagegen sprachen sie sich mehrheitlich in einer weiteren Abstimmung aus, zu der die SPD-Schulreferentin Elisabeth Hoechner den Anstoß gegeben hatte. Allerdings wurde im Verlauf der mitunter hitzig geführten Debatte klar, dass in dieser Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Es sei der falsche Weg, der Mittelschule einfach einen Namen überzustülpen, lautete der Tenor. Diese müsse selbst die Initiative ergreifen.

Zur Erinnerung: Die Diskussion angestoßen hatte der Kaufbeurer Publizist und Lehrer Jakob Knab. Er hatte Probst als Schulpatron ins Spiel gebracht. Der frühere Namensgeber Max Dingler (1883 bis 1961) wurde aufgrund seiner Verstrickungen mit dem Nationalsozialismus per Eilverfahren gestrichen.

Der jetzige Name sei „nichtssagend“, meinte Manlik. Mit der Erinnerung an den mutigen Widerstandskämpfer, der von den Nazis ermordert wurde, sei die Aufforderung verknüpft, sich für die Demokratie einzusetzen - in seinen Augen ein ideales Profil für eine Einrichtung, in der junge Menschen unterrichtet werden. „Gerade Murnau mit seiner sehr braunen Vergangenheit würde es gut anstehen, die Schule nach Probst zu benennen“, sagte Manlik, der dort selbst als Lehrer tätig ist.

Es gehe darum, sich zu den „grundlegenden Werten unserer Gesellschaft“ zu bekennen, betonte Poczka. Probst sei für die Würde des Menschen, für Toleranz, Freiheit und Gerechtigkeit gestorben. Poczka weiter: „Mit dem Bekenntnis zu Christoph Probst als Namenspatron zeigen wir Gemeinderäte, dass wir uns diesen Werten verpflichtet fühlen.“

Doch der Vorschlag stieß auf wenig Gegenliebe. Für eine Umbenennung sei es zu früh, sagte CSU-Sprecher Wolfgang Köglmayr. „Die Schule sollte den Anstoß geben.“ Er verwies auf das Staffelsee-Gymnasium. Dort sei der Wunsch entstanden, den Zusatz im Titel zu tragen. So sollte es auch bei der Mittelschule laufen.

Diese Position vertritt auch die Sozialdemokratin Hoechner. „Die Vorgehensweise ist nicht richtig“, meinte sie. Entscheidend sei, was die Schulfamilie will. „Mir missfällt es, wie hier Druck ausgeübt wird“, kritisierte sie. Dies ließ sich ihr Parteikollege Manlik nicht gefallen. Der Vorwurf sei unsachlich. Natürlich müsse die Schulfamilie miteinbezogen werden, das stehe auch in dem Antrag. Probst als Patron einzusetzen, sei „eine Anregung, mehr nicht“.

Enttäuscht über die Entscheidung des Gemeinderats ist des Werdenfelser Bündnis gegen Rechtsextremismus, das sich für das Weiße-Rose-Mitglied als Namensgeber eingesetzt hatte. Zweite Sprecherin Inga Grüttner bedauert, dass nicht einmal eine Empfehlung ausgesprochen wurde. „Es kam nichts raus. Das ist eine Blamage.“ (as)

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