Auf dem großen Sprung? Monica Hübner hofft, dass sie in diesem Winter verletzungsfrei bleibt und sich im Weltcup unter den Top-30 etabliert. foto: cf

Mitten in der halbheißen Phase

Garmisch-Partenkirchen - Ski-Rennläuferin Monica Hübner (SC Garmisch) hat Auftakt in Levi schon „auf dem Radar“

Sie ist heiß auf Schnee. Und das mitten im Altweiber-Sommer. „Das einzige, was mir jetzt noch fehlt, ist ein bisschen Kälte.“ Monica Hübner spricht’s ganz offen aus und erntet dafür sicher einiges an Kopfschütteln. Doch freilich will sie nicht im Tal unten die Winterjacken aus dem Schrank holen, oben, in den Gletschergebieten, da wäre in ihren Augen endlich ein wenig mehr Weiß angesagt. „Dann müssten wir nicht immer in die Schweiz fahren, um trainieren zu können“, betont sie. Die Kurverei durch die Alpen stresst die 21-Jährige Skifahrerin schon ein wenig. „Eigentlich ist es ja nicht so weit, aber bist du dann dort bist, dauert schon immer.“

Am Sonntag ist das achtköpfige Slalomteam wieder zum Trainingslager aufgebrochen. In Saas Fee sollen die Damen Schneetage sammeln. Pause gibt es für die Rennläuferinnen in den nächsten Wochen sowieso kaum noch, bis es im November dann zur Sache geht und in Levi der erste Weltcup-Slalom ansteht. „Wir sind schon in der halbheißen Phase“, urteilt Hübner.

Den Sommer hat das alpine Aushängeschild des Skiclubs Garmisch gut überstanden. „Verletzungsfrei vor allem“, betont sie gleich. Unters Messer kam sie dennoch einmal: Ihr wurden zersplitterte Plattenteile aus der Hand entfernt. Im Oktober 2010 hatte sie sich die Mittelhand gebrochen, war beim Auftakt in Levi aber trotzdem auf Platz 23 gefahren. Vor dem zweiten Rennen in Aspen fiel Hübner erneut auf die Hand, die mit einer Titanplatte stabilisiert worden war. Das Teil zerbrach. „Jetzt liegt nur noch eine Schraube in einem Knochen.“

Die behindert Hübner nicht. Sie fühlt sich ganz gut, vor allem nach ihrem Urlaub in Schottland. Zu ihrer Ski-Form kann sie aber noch nicht viel sagen. „Viele Läufe auf Zeit sind wir noch nicht gefahren.“ Daher fällt ihr auch ein Urteil schwer, wie es um ihre Chancen steht, eines der Tickets für den Weltcup-Auftakt in Finnland zu ergattern. „Ich hab’ daran auch ehrlich noch nicht so viel gedacht.“ Die Qualifikation wird in den Wochen zuvor beim Trainingslager in Gällivare/Schweden ausgefahren. Dass durch die schwerwiegende Verletzung von Susanne Riesch nun ein Platz mehr im Slalomteam frei ist, macht Hübner nicht wirklich glücklich. „Das ist schon sehr bitter.“ Denn vom Leid einer Kollegin will sie nur ungern profitieren.

Die Teilnahme in Levi ist aber in jedem Fall das große Ziel. „Das Rennen hab’ ich schon auf meinem Radar“, stellt sie klar. Und Hübner strahlt Zuversicht aus. „Die Quali sollte schon drin sein“, meint sie. Über die Saison gesehen, peilt sie die Top-30 im Slalom-Weltcup an. „Es wär nämlich schön, wenn ich mir im nächsten Jahr über einen Startplatz mal keine Gedanken machen müsste.“ Hübner sieht ihre Vorgabe durchaus realistisch. „Ich denk schon, dass ich das drauf hab’.“ Als Gradmesser zieht sie Levi 2010 heran.

Recht wäre es ihr, wenn sie auch im Riesenslalom weiter Fortschritte machen würde. „Ich will ihn schon wieder vermehrt ins Programm aufnehmen. Trainiert habe ich in der Vorbereitung so 50:50.“ Ihren Fokus wird sie in dieser Disziplin jedoch auf den Europacup legen müssen. Dort braucht sie gute Ergebnisse.

Neben dem Sport geht es aber auch beruflich weiter bei Hübner. „Im Oktober fange ich zu studieren an.“ In München hat sie sich an der Ludwig-Maximilians-Universität für Politikwissenschaften mit Nebenfach Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben. „Da besteht keine Anwesenheitspflicht. Und im Sommersemester, das erst im Mai beginnt, bin ich ja sowieso da.“ Ob sie der Belastung eines quasi Fernstudiums im Winter neben den sportlichen Strapazen standhält, kann Hübner nicht abschätzen. „Ich muss das einfach mal ausprobieren.“ Grundsätzlich ist sie positiv: „Lesen und Lernen sind die perfekte Ablenkung zum Skifahren.“

Derzeit kann sie die aber noch nicht brauchen. Denn jetzt geht es erst einmal darum, so viele Schneetage wie möglich zu sammeln. Auch wenn Hübner dazu derzeit noch in die Schweiz fahren muss. (cf)

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