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In voller Montur auf dem Mittenwalder Gjaidsteig ist Konstantin Braun.

190 Kilometer über die Alpen

Gewaltmarsch in Einsatzkluft: Mit 25 Kilogramm über den Gjaidsteig

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  • Wolfgang Kunz
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Drei Feuerwehrmänner, zehn Liter Wasser täglich, 25 Kilogramm Ausrüstung, und 190 Kilometer hochalpines Gelände: Für den guten Zweck marschieren drei Mannheimer von Mittenwald aus über die Alpen – in voller Einsatzkluft.

Mittenwald – Sie werden wandern und wandern. 190 Kilometer lagen vor den drei Mannheimer Feuerwehrmännern Pascal Dieffenbach (27), Konstantin Braun (28) und Manuel Schmidt (39), als sie sich am Freitag an der Feuerwehrwache in Mittenwald auf den Weg machten. Ihr Ziel: zu Fuß über die Alpen von Mittenwald aus bis nach Meran in Südtirol. Elf Tage haben sie dafür eingeplant. Soweit eigentlich nichts besonderes.

Interessant wird die Geschichte allerdings beim Anblick ihrer Ausrüstung. Die drei Berufsfeuerbekämpfer bestreiten die Strecke in kompletter Einsatzmontur. Sie tragen Helm und Sauerstoffflasche, insgesamt 25 Kilogramm schwer. An den elf Tagesetappen gilt es fast 20 000 Höhenmeter zu überwinden: alles im hochalpinen Gelände.

Mannheimer plagen sich nicht zum Spaß über die Alpen

In Mittenwald trafen die drei Kameraden ihre letzten Vorbereitungen mit ihren Wegbegleitern. Denn die Strecke müssen sie nicht allein bewältigen. Zehn Frauen und Männer werden die wagemutigen Brandbekämpfer in den nächsten Tagen bei ihrem tollkühnen Marsch über die Alpen unterstützen. Doch nicht zum Spaß plagen sich die Mannheimer bei heißen Temperaturen in warmer Kleidung durch teils schwierige Felspassagen. Zweck ist die Spenden-Sammlung für das Sterntaler-Hospiz in Mannheim.

Begleitet werden sie von Stefan Eckert, Bergführer des Deutschen Alpenvereins. Fit sind die Burschen, stellt er fest. „Wir haben seit anderthalb Jahren Kraft und Ausdauer trainiert“, sagt Brandmeister Konstantin Braun. Er war der Impulsgeber dieses Gewaltmarsches. „Die Idee kam mir im April 2018 beim Wandern.“ Schon einen Tag später hatte er seine Kameraden, die beiden Oberbrandmeister Dieffenbach und Schmidt, überredet, mit ihm auf diese Tour zu gehen. „Ich war skeptisch, habe wegen dem guten Zweck aber gerne mitgemacht“, sagt Dieffenbach. „Wir sind nicht nur Kollegen, sondern Freunde“, versichert Schmidt.

Schon die erste Etappe am Freitag hatte es in sich. Ihre Tour begann mit dem Aufstieg zur Hochlandhütte, wo sie die erste Nacht verbrachten. In drei Stunden haben sie 7,27 Kilometer und 750 Höhenmeter bewältigt. „Da geht es steil hoch“, sagt Braun, der am ersten Tag am meisten zu kämpfen hatte. Er fiel deshalb am Abend regelrecht ins Bett. „Ich habe die ganze Woche nicht geschlafen vor Aufregung.“ Schlechte Voraussetzungen eigentlich. Am zweiten Tag kam er erst in seinen Rhythmus.

Plötzlich wird am Gjaidsteig das Wasser knapp

Ehrung vor dem Abmarsch (v.l.): Linnford Nnoli, Anja Hermmann, Pascal Dieffenbach, Konstantin Braun, Manuel Schmidt, Adolf Hornsteiner, Christian Specht und Hubert Klotz.

Das war auch wichtig. Schließlich mussten sie da den anspruchsvollen Gjaidsteig bis zum Karwendelhaus packen. Die Sonne brannte auf die Kameraden in Einsatzkluft herunter. Zwischen acht und zehn Liter Wasser trank jeder täglich. „Die Hitze steht hier förmlich“, sagte Braun auf dem nicht einmal einen Meter breiten Steig. Links von ihnen ging es hunderte Meter in die Tiefe. Besonders schlimm war die hohe Temperatur zwischen den Kiefernlatschen. Sie tranken mehr als eingeplant war. Das Wasser wurde knapp. Zudem mussten sie einen Umweg durch freies Gelände gehen. Aus den geplanten 1000 Höhenmetern wurden plötzlich 2000. „Ein furchtbares Gefühl, wenn das Karwendelhaus die ganze Zeit in Sichtweite ist, aber einfach nicht näher kommen will“, sagte Braun am Abend bei der Tagesbesprechung. Auch das Warten auf die Teammitglieder kostete Zeit. Teils 20 Minuten vergingen, bis Nachzügler wieder anschließen konnten. „Das machen wir bei der dritten Etappe anders.“ Ab da stieg jeder sein eigenes Tempo.

Fast elfeinhalb Stunden brauchten sie trotzdem für die Strecke zwischen dem Karwendelhaus (1771 Meter) zur Hallerangeralm (1768 Meter) – eineinhalb Stunden mehr als vorgesehen für die 15,6 Kilometer. 1430 Höhenmeter überwanden die drei dabei. Ein kleiner Sturz trübte die Stimmung. Zudem waren die Knie gereizt. „Die Einsatzhose reibt beim Gehen“, sagte Braun.

Elf Tage sind für den Gewaltmarsch geplant

Ein Sanitäter begleitete den Tross, musste aber bis auf ein paar Blasen an den Fersen nichts Schlimmeres verarzten. Am heutigen Montag sind die Mannheimer in Hall in Tirol und greifen den Aufstieg zur Litzumer Hütte an. Was folgt, sind die Stationen Tuxerjochhaus (sechster Tag), Friesenberghaus (siebter Tag), Pfitscherjochhaus (achter Tag) weiter nach Sterzing (neunter Tag), über den Jaufenpass nach Leonhard im Passeier Tal (zehnter Tag) bis zum Zielort Meran bei der elften und letzten Etappe.

Die gesamte Strapaze wird gefilmt. Reporter und Kameramann Lui Knoll (ehemals Radio Oberland) vom Bayerischen Rundfunk (BR) war Teil der Wandergruppe. Bis heute ist auch Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht (CDU) dabei. „Die Idee der Wehrmänner zur Unterstützung des Hospizes für unsere Stadt ist enorm wichtig.“ Die Aktion seiner Wehrmänner zeige, dass diese sich auch „in ihrer Freizeit für ihre Mitmenschen einsetzen“.

Von Bürgermeister Hornsteiner und Kommandant Klotz gibt‘s eine Brotzeit und einen dicken Scheck

Ein dickes Lob hat Specht für seinen Mittenwalder Amtskollegen Adolf Hornsteiner (CSU) in petto. Er und Feuerwehr-Kommandant Hubert Klotz versorgten die Wanderer mit Brotzeit an der Mittenwalder Feuerwache. „Herr Hornsteiner hat uns bei einer Ortsführung und einem Abendessen gezeigt, was hier in Mittenwald alles geleistet wurde“, sagte Specht. „Es ist uns eine Ehre, Startort zu sein und Euch zu unterstützen“, versicherte Klotz. Der Kommandant weiß aber auch: „Es werden so manche Schweißtropfen fließen.“

Klotz und Hornsteiner überreichten jeweils einen Scheck für das Kinderhospiz, ein Mittenwald-Wappen in Wachs sowie ein Miniatur-Löschfahrzeug als Erinnerung. Rathauschef Hornsteiner sprach seine Hochachtung gegenüber dieses vorbildlichen Freizeit-Unterfangens der Mannheimer aus. „Ich wünsche Euch Durchhaltevermögen und hoffe, dass Ihr alle gesund wieder kommt.“

Die Mannheimer Hospiz-Einrichtung hat ihren Leiter für Öffentlichkeitsarbeit Linnford Nnoli und Geschäftsführerin Anja Herrmann mit einer besonderen Aufgabe nach Mittenwald beordert. „Wir ernennen die drei Wehrmänner Braun, Dieffenbach und Schmidt hiermit zu offiziellen Botschaftern unseres Kinderhospitals“, gibt Nnoli bekannt. „Sie machen mit ihrer Aktion auf unsere Hospiz aufmerksam. Somit dürfen wir uns über viele Spendeneingänge zugunsten unserer Einrichtung freuen.“

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