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Schrecken ohne Ende: Die Karwendelbahn ist zum Spielball vielschichtigster Interessen geworden.

Wieder Tohuwabohu bei der Karwendelbahn

Kein Betrieb mehr nach der Revision?

Nächster trauriger Höhepunkt in der unendlichen Geschichte um die Mittenwalder Karwendelbahn. Es verdichten sich die Anzeichen, dass die Bergbahn nach der Revision nicht mehr eröffnet wird. Die Geschäftsführung will sich nicht äußern. Bürgermeister Hornsteiner zeigte sich von der Entwicklung überrascht.

Die Gerüchte verhärten sich, dass die Mittenwalder Karwendelbahn nach der Revision, die momentan läuft, zunächst nicht mehr in Betrieb genommen wird. Mehrere aufmerksame Beobachter wollen gestern am frühen Vormittag einen Aushang an der Tür der Bergbahn gesehen haben, auf dem zu lesen stand, dass selbst nach erfolgter Frühjahrs-Revision die Bahn still stehen wird. Anscheinend hing die Mitteilung schon seit Dienstagabend aus.

Als der Tagblatt-Reporter sich vor Ort überzeugen wollte, fehlte der Aushang. Ob gerade abgenommen oder nie dagewesen, lässt Patrick K., Aufsichtsrat-Mitglied der Karwendelbahn AG, offen. K., der Mann, den in Mittenwald niemand kennt, gilt als Statthalter von Vorstand Wolfgang Wilhelm R. aus Heidenheim. Er war gestern persönlich in Mittenwald und stattete dem Betrieb einen Besuch ab. Und er gab sich sehr zugeknöpft – wie immer, wenn er es mit den Medien zu tun bekommt. Auf die Frage, ob denn was dran wäre, dass die Karwendelbahn nach der Revision die Schotten dicht macht, blockte er ab und verstieg sich in Worthülsen und Floskeln – wie so oft: „Ich werde nichts sagen, was in der Sitzung passiert ist. Ich kenne das Aktiengesetz.“ Wird es vielleicht bald den großen Paukenschlag geben? Antwort K.: Der Presse gegenüber sage er sowieso nichts mehr. Sie habe seiner Ansicht nach in den Artikeln rund um die Karwendelbahn „nicht neutral berichtet“.

Ebenso wortkarg wie K., aber auch etwas geschockt, gab sich Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). Für ihn war die Nachricht über die mögliche Schließung der Karwendelbahn „eine Überraschung“. Er hat die Meldung „im Radio gehört“, als er im Auto unterwegs war. „Offiziell hat die Gemeinde keine Mitteilung seitens der Karwendelbahn AG bekommen“, stellt der Rathaus-Chef resigniert fest. „Es ist nicht das erste Mal, dass wir etwas aus der Presse erfahren mussten im Bezug auf die Aktiengesellschaft.“

Das Verhältnis zwischen der Gemeinde, die knapp über 30 Prozent der Karwendelbahn-Aktien hält, und der Konsortium AG, die mit rund 40 Prozent der Wertpapiere Hauptaktionärin ist, gilt ohnehin seit Monaten als zerrüttet. Der Kommunikationsstrang ist gekappt. Ähnlich lief es nämlich auch bei der Kündigung des Betriebsleiters, was Hornsteiner „ebenfalls aus der Zeitung“ erfuhr. Mehr will er zu dem Thema Stillstand nach der Revision noch nicht sagen, da er „erst recherchieren“ müsse.

Sauer ist auch Vize-Bürgermeister und Aufsichtsrat-Mitglied Gerhard Schöner. Auch er habe von der neuesten Entwicklung um die Karwendelbahn erst durch die Medien erfahren. „Ich habe rein gar nichts gewusst.“

Der nächste Akt im Schmierentheater um die Karwendelbahn geht heute um 15.30 Uhr im Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen über die Bühne. Dort müssen die führenden Köpfe der Aktiengesellschaft eine Abmahnung für Betriebsrat Stefan Sellmaier begründen.

Josef Hornsteiner

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