Analysieren das Gemälde bis ins kleinste Detail. Anton Sprenger (l.) und Rainer W. Leonhardt nehmen das 30. Bild von Fritz Prölß im Geigenbaumuseum genau unter die Lupe.  Foto: Josef Hornsteiner
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Analysieren das Gemälde bis ins kleinste Detail. Anton Sprenger (l.) und Rainer W. Leonhardt nehmen das 30. Bild von Fritz Prölß im Geigenbaumuseum genau unter die Lupe.

Neues Fritz-Prölß-Gemälde aufgetaucht

Mittenwalder Geigenbaumuseum hat neuen Schatz - 120 Jahre und noch immer eine Schönheit

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Mittenwalder Museumsverein ergattert neues Kunstwerk. 30. Fritz-Prölß-Gemälde findet unterm Karwendel seinen Platz.

Mittenwald – Etwa 120 Jahre alt und eine wahre Schönheit – der neueste Schatz des Mittenwalder Geigenbaumuseums ist ein makelloses Ölgemälde. Es weist deutlich den typisch feinen Pinselstrich des Künstlers Fritz Prölß auf. Er hat auf Leinwand eine fesche Bedienung in Tracht verewigt, die einem einheimischen Jäger oder Wilderer in einer zünftigen Wirtshausstub’n einen Steinkrug mit Bier reicht. Eine Szene, wie sie der deutsche Porträt- und Genremaler vermutlich selbst um das Jahr 1900 beobachtet haben dürfte. Bekanntlich verbrachte der gebürtige Dresdner, der 1879 nach München zog, über 50 Jahre hinweg jeden Sommer im Geigenbauort. Er liebte es, in Wirtshäusern das gesellige Treiben zu beobachten. Holte sich Inspiration. Schuf dort auch den Großteil seiner Werke.

Eines davon hat Rainer W. Leonhardt, Stellvertretender Vorsitzender des Mittenwalder Museumsvereins, nun ergattern können. Er erhielt vor wenigen Tagen einen Anruf aus München. Ein privater Sammler war am Apparat. Der Städter „ist ein großer Mittenwald-Fan“, erzählt Leonhardt. Hat im Oberen Isartal schon öfters Urlaub gemacht. Kennt natürlich die Geschichte von Prölß und seiner innigen Liebe zum Geigenbauort. Für den Münchner war es deshalb ein Herzenswunsch, dass sein Bild in Mittenwald einer breiten Öffentlichkeit präsentiert wird. Er bot es dem Museumsverein für gerade einmal 2500 Euro an – mit der Bedingung, dass die klassische Wirtshausszene im Museum ausgestellt wird.

Dem kommen Leonhardt und Anton Sprenger, beide Geigenbauer, letzterer Vorsitzender des Museumsvereins, natürlich gerne nach. „Wir überlegten keine Minute. Es ist selten, dass ein Prölß-Gemälde in so einem ausgezeichneten Zustand erhalten ist“, sagt Leonhardt. Die Farben sind kräftig, die Leinwand unbeschädigt und der prunkvolle Rahmen original – das Gemälde von 1900 ist so gut wie perfekt. „Es passt stilistisch in die Zeit des Malers“, sagt Sprenger. Auch wenn es für ihn nicht seine „Lieblingsdarstellung des Malers“ ist, verblüfft ihn doch das makellose Kunstwerk.

Leonhardt, der mehrmals beruflich in München zu tun hat, holte das 60 auf 45 Zentimeter große Gemälde persönlich ab. Sprenger und er nahmen es genau unter die Lupe. Sofort war klar, dass es sich um ein Original handelt. Das 25. Bild von Prölß, das Leonhardt und Sprenger in ihren 15 Jahren als Vorsitzende ergattert haben. Das insgesamt 30. Bild, das das Geigenbaumuseum beherbergt und öffentlich ausstellen darf.

Doch zuerst musste es „hergerichtet“ werden, wie Leonhardt sagt. Ein ganz normales Prozedere bei einem 120 Jahre alten Werk. Staub und vor allem Nikotin lagern sich stetig auf der Leinwand ab. Doch mit speziellen weißen Tüchern sind die Kunstwerke nach mehreren Stunden der Überarbeitung so gut wie neu. Zudem restaurierten die beiden die Klammern und reinigten den Rahmen. Das Prölß-Gemälde können Gäste in Kürze im Geigenbaumuseum bestaunen.

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