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In der Heimat: Norbert Sauer zelebriert in der Kapelle der Mittenwalder Karwendelkaserne die Messe. Ihn begrüßt Albert Zettler von der Familienbetreuungsstelle.

Zurück vom neunten Auslandseinsatz

3000 Hostien zum Abschied - und das gönnt sich der Militärpfarrer daheim 

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Norbert Sauer ist zurück in seiner Mittenwalder Heimatgarnison. Nach knapp viereinhalb Monaten im Glutofen Afrikas berichtet er in der Heimat von seinen Erlebnissen.

Mittenwald – Wenn Norbert Sauer vom Auslandseinsatz nach Hause kommt, dann ploppt und zischt es. Nicht anders vor einigen Tagen, als der Militärpfarrer frühmorgens die Wallgauer Wohnung betritt, sich ein kühles, alkoholfreies Weißbier einschenkt und einen kräftigen Schluck nimmt. „Mein Ankommens-Ritual“, verrät der 60-Jährige. „Jetzt bin ich wieder daheim.“

Viereinhalb Monate im Glutofen Afrikas liegen hinter dem gebürtigen Franken. Im krisengeschüttelten Mali kümmerte sich der katholische Priester ums Seelenheil der Soldaten im Camp Castor. Dieses internationale Militärlager liegt nahe der 30 000-Einwohner-Stadt Gao im Norden des Landes. Dort, wo militante Islamisten immer wieder einfallen, um „Ungläubige“ auf ihre Art zu bekehren. Sauer hat bei seinen wenigen Besuchen außerhalb des Camps die Sorgen und Nöte der Bevölkerung miterlebt. „Es herrscht unbeschreibliche Armut.“ Menschen vegetieren in erbärmlichen Hütten. „So etwas habe ich nicht einmal in Afghanistan gesehen“, sagt der krisenerprobte Geistliche nach seiner neunten Auslandsmission. „Ein guter Einsatz“, urteilt Sauer, „und sehr viele gute Gespräche.“ Nicht selten offenbarten die Soldaten dabei ihr tiefstes Inneres. Der Mittenwalder Militärpfarrer spricht von einer „Art Lebensbeichte“.

Der unerschütterliche Glaube der christlichen Minderheit beeindruckt

Beeindruckt hat den Mann Gottes auch der unerschütterliche Glaube der christlichen Minderheit in einer muslimischen Welt. „Die Situation ist schwierig“, räumt Sauer ohne Umschweife ein. Doch die Christen lassen sich nicht entmutigen. „Die wollen dort bleiben.“

Im Glutofen: An Ostern weiht der Mittenwalder Militärpfarrer Norbert Sauer bei sengender Hitze im Camp Castor bei Gao mit den angetretenen Soldaten noch ein Militärfahrzeug ein.

Zum letzten Mal traf Sauer die kleine Kirchengemeinde an Pfingsten. Ihr überließ er für den Gottesdienst zwei Lautsprecher-Boxen. Die Heilige Messe in Gao wie auch in vielen anderen Orten Afrikas wird übrigens nicht von einer Orgel, sondern von Trommeln begleitet. Doch ein anderes Geschenk war den Einheimischen viel wichtiger: Sauer deponierte rund 3000 Hostien im Tabernakel. „Die reichen sicher über zig Monate.“ Umso besser, denn die Eucharistiefeier spielt bei afrikanischen Katholiken eine außerordentliche Rolle.

Beim letzten Besuch Sauers vor gut zwei Wochen flossen bei dem einen oder anderen ein paar Tränen. „Ich konnte das tun, was ich tun konnte.“ Die Zeit, sichtbare Spuren zu hinterlassen, war einfach zu knapp. „Ich kann nicht die Welt verbessern.“ Vielmehr sollte ein Seelsorger mehr wie alle anderen in Momenten des Abschieds einfach nur loslassen können.

Selbstdisziplin ist das eine bei Sauer, seine eiserne Konstitution das andere. Nicht einmal während der knapp viereinhalb Monate war er krank. Sauers Vorteil: Seine Mali-Mission begann im Februar bei verhältnismäßig angenehmen Temperaturen um die 35 Grad. „So konnte ich in die Hitze reinwachsen.“ Sein tägliches Pensum meisterte der Krisen-Priester im Tarnanzug beinahe spielend. Um 5 Uhr begann der Dienst. „Ich bin Frühaufsteher.“ Nach einem ersten Happen in der Truppenküche bezog er sein Container-Büro. „Klare Strukturen“ seien gerade in einem solchen Außenposten immens wichtig. Dann kann ein Priester auch nah am Menschen sein. „So gewinnt man das Vertrauen der Soldaten.“

Nach der Rückkehr zelebriert Norbert Sauer eine Messe in der Karwendelkaserne

Mit einem französischen Airbus ging’s zurück nach Deutschland. Am Flughafen Köln-Bonn wartete Pfarrhelfer Hieronymus Stankmann mit dem Auto auf seinen Chef. Abwechselnd am Steuer fuhren sie zurück in die Heimatgarnison. Dort zelebrierte Sauer am Sonntag in der Kapelle der Karwendelkaserne auch wieder die Heilige Messe. Was Oberstabsfeldwebel Albert Zettler natürlich positiv findet. „Ich habe sie vor über vier Monaten verabschiedet, jetzt freue ich mich, dass sie unversehrt wieder da sind“, meinte der Leiter der sogenannten Familienbetreuungsstelle, die sich in der benachbarten Edelweißkaserne um die Einsatzsoldaten und deren Angehörige kümmert.

Ausspannen kann der Militärpfarrer noch nicht. Anfang der Woche sprach er in Würzburg mit jungen Glaubensbrüdern über seine einschlägigen Erfahrungen. Gestern feierte er mit Soldatenfamilien auf dem Standortübungsplatz in Spatzenhausen Sommersonnwend.

Doch Ende Juli geht’s bis 2. September in den Urlaub. Fünf erholsame Wochen, in denen Norbert Sauer viel Zeit zum Nachdenken hat. Er hat sie sich verdient.

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