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Das Gericht kennt keine Gnade.

„Besonders abscheuliche“ Motive

Gefängnisstrafe! Mittenwalder hat 45.000 Kinderporno-Fotos auf USB-Stick

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Ein Mann aus Mittenwald sammelt wie verrückt Kinderporno-Material. Geschnappt wird er, weil er einen USB-Stick an einem Flussufer verliert. Nun muss der 55-Jährige ins Gefängnis.

München/Mittenwald – Es gibt diese Momente, da sind sogar erfahrene Anklagevertreterinnen einfach nur geschockt. Sie beschäftige sich schon längere Zeit mit Kinderpornografie, aber eine solch „gigantische Menge“ an Bildern mit pädophilem Inhalt habe sie noch nie gesehen, führt die Staatsanwältin am Münchner Landgericht am Donnerstag in ihrem Schluss-Plädoyer aus. „Das sind einfach wahnsinnig viele Bilder.“ Dann listet sie die Taten von Florian M. (Name geändert) auf. Der 55-jährige Mann aus Mittenwald hatte gestanden, zwischen 2014 und 2017 rund 55.000 kinderpornografische Bilder sowie eine Vielzahl einschlägiger Videos aus dem Darknet heruntergeladen zu haben. „Es tut mir leid“, sagt der zitternde Arbeitslose, bevor ihn das Gericht zu drei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Der Angeklagte lädt die Bilder auf einen Stick - und verliert ihn

Die Staatsanwältin hatte zuvor vier Jahre und zwei Monate für den Mittenwalder gefordert. Schließlich war dieser einschlägig vorbestraft – zudem zeigten die Fotos, wie auch die Verteidigung einräumte, „besonders abscheuliche“ Motive. Sogar die Vergewaltigung einer Fünfjährigen ist zu sehen.

Mit dem Konsum solcher Mengen an Kinderpornos habe er „die Missbrauchsindustrie angekurbelt“, warf ihm die Staatsanwältin vor. Irgendwann wollte Florian M. seine Fotos und Videos offenbar immer in seiner Nähe haben. Und so kam es, dass er einen USB-Stick mit gut 45.000 kinderpornografischen Fotos sogar auf einen Ausflug nach Wasserburg am Inn mitnahm. Dummerweise verlor er diesen jedoch am Flussufer. Jemand fand den Speicher-Stick im Februar 2016 und übergab ihn schließlich der Polizei – für die Ermittler war es ein Leichtes, den Besitzer des Sticks ausfindig zu machen.

Nach Ansicht des Gerichts bereut der Oberbayer seine Taten. „Er schämt sich“, sagte der Vorsitzende Richter. Der Täter habe „den Eindruck eines gebrochenen Menschen hinterlassen“. Zuvor hatte ihm eine psychiatrische Gutachterin schwere Persönlichkeitsstörungen attestiert. Sie sprach von einer „seelischen Abartigkeit“. Zum Tatzeitpunkt war der Alkoholiker nach Expertenansicht vermindert schuldfähig – M. hatte die Bilder nach eigener Aussagen stets im Suff heruntergeladen.

Seine letzte Chance: eine Therapie

Klar ist: Der Deutsche, der viele wechselnde Jobs etwa in der Gastronomie hatte, hatte eine schwierige Kindheit. Der Vater verprügelte ihn brutal, bereits in der Grundschule mobbten ihn die Mitschüler wegen seiner Sprachprobleme. Bereits als kleiner Bub fing er das Trinken an, nahm rasch starke Medikamente. Mit zwölf Jahren musste er den ersten Entzug machen.

Damals versuchte er sich sogar umzubringen, indem er sich auf die Gleise legte. Das Gericht ordnete die Einweisung in die Psychiatrie an. Dort soll der Mann unter strengen Sicherheitsvorkehrungen therapiert werden. „Das ist Ihre letzte Chance“, sagte der Richter. Staatsanwalt und Verteidigung wollen auf Rechtsmittel verzichten. Der Mittenwalder kann nun seine Therapie beginnen.

Lesen Sie auch: Peggy Knobloch - Polizei bestätigt Teilgeständnis des Verdächtigen: Details zum Tathergang

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