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Karwendelkristall nimmt Fahrt auf: Seit Dezember 2011 bringen die neuen Gondeln die Besucher auf die Bergstation auf über 2200 Meter Höhe.

Kluft zwischen Gemeinde und Aktionären

50 Jahre Karwendelbahn: Dauerstreit zum Jubiläum

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Die Karwendelbahn feiert heute 50-jähriges Jubiläum – und der Mittenwalder Bürgermeister wird hierzu nicht eingeladen. Die Kluft zwischen der Marktgemeinde und den Hauptaktionären aus Heidenheim könnte nicht größer sein. Viele im Tourismusort fragen sich: Führt der Weg des Unternehmens nun nach oben oder nach unten?

Mittenwald – Früher hätte an einem solch bedeutenden Tag Adolf Hornsteiner seine Zither eingepackt und wäre hinauf aufs Karwendel gefahren, um mit seinem Spiel die Festgäste zu erfreuen. Aber seit bald zwei Jahren ist bei der Karwendelbahn, die heute ihr 50-jähriges Bestehen feiert, alles anders. Der Krieg zwischen den beiden Hauptaktionären – der Konsortium AG auf der einen und der Marktgemeinde Mittenwald auf der anderen Seite – hält unvermindert an. Das bekamen nun auch Bürgermeister Hornsteiner und sein Stellvertreter Gerhard Schöner mit voller Wucht zu spüren.

Die beiden Repräsentanten der Kommune, die immerhin knapp ein Drittel der Karwendelbahn-Anteile hält, stehen nicht auf der Gästeliste. „Aufgrund des Verhaltens von Herrn Bürgermeister Hornsteiner und Herrn Schöner haben wir diese selbstverständlich zum Betriebsjubiläum nicht eingeladen“, heißt es in einer Presse-Mitteilung der Karwendelbahn. Der Adressat findet das „mehr als schade“. Trotzdem wird der Bürgermeister heute in den „Karwendelkristall“ steigen, um wenigstens an der Bergmesse teilzunehmen.

Hausverbot gegen Hornsteiner aufgehoben

Das wird Aufsichtsratsvorsitzendem Wolfgang W. Reich aus Heidenheim und seinem Zuarbeiter, De-facto-Vorstand Patrick Kenntner (seine Bestellung wurde im Mai vom Landgericht München II für nichtig erklärt), gar nicht schmecken. Zumal sie gleich zweimal gegen Hornsteiner ein Hausverbot verhängt haben – doch auch das hatte vor Justitia nicht Bestand.

2012 hatten sich die Heidenheimer über die Konsortium AG in die Mittenwalder Bergbahn eingekauft, mehr als 40 Prozent der Aktien gehören ihnen. Seitdem ist der Wind rauer geworden auf dem Karwendel: Vorstände kommen und gehen, Geschäftszahlen werden nicht mehr vorgelegt, Aktionärsversammlungen, sofern sie überhaupt noch einberufen werden, enden meist kontrovers, ein bestellter Sonderprüfer erhält keinen Einblick in die Bücher und vieles mehr.

„Als Bürgermeister ist es meine Pflicht, auf Dinge hinzuweisen und Antworten einzufordern“, verdeutlicht Hornsteiner. Das Tischtuch ist nicht zuletzt deshalb mit Reich und Co. zerschnitten. Eine Aussöhnung scheint nicht in Sicht. Im Gegenteil: „Der Totengräber der Karwendelbahn heißt Adolf Hornsteiner“, wird per Verlautbarung aus Heidenheim gemeldet. Mehr noch: Wolfgang W. Reich, der vorbestrafte Aufsichtsratschef (wegen unrichtiger Darstellungen, falscher Angaben in sieben Fällen und verbotener Marktmanipulation in 22 Fällen), sei „noch nicht einmal gewillt“, sich mit den Verantwortlichen im Rathaus an einen Tisch zu setzen.

Zerwürfnis hat weitere Folgen

Das Zerwürfnis unter den Großaktionären hat noch eine weitere gravierende Folge: „Aus diesem Grund sind sämtliche Investitionen in die Karwendelbahn AG derzeit gestoppt und werden auf absehbare Zeit auch nicht mehr aufgenommen.“ Nicht einmal das undichte Dach der Bergstation soll demnach repariert werden. Die Zukunft der heute 50 Jahre alten Bahn ist also mehr denn je ungewiss.

Ein Umstand, der dem ehemaligen Vorstand Alois Fichtl gar nicht behagt. „Die Bahn als solche ist in einem guten Zustand, aber es wird zu viel verschleiert und versteckt.“ Ihm zufolge hatten „Bürger der zweiten Generation“, die ihre Wertpapiere veräußert haben und nicht mehr den Pioniergeist der Gründerväter teilten, maßgeblichen Anteil an der Entwicklung. Nur so kamen überhaupt auswärtige Investoren, die möglicherweise ganz andere Ziele verfolgen, bei der Karwendelbahn zum Zug. Doch der reibungslose Betrieb ist eminent wichtig für den Mittenwalder Tourismus. Das wissen sowohl die Heidenheimer als auch die Marktgemeinde, die sich seit Monaten auch vor Gericht einen Prozess nach dem anderen liefern. Eine Aussöhnung der beiden kommt der Quadratur des Kreises gleich.

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