Lebenslänglich wegen Polizistenmords für Reichsbürger

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Dem Herrgott ein gutes Stück näher: An der Bergstation auf 2244 Metern Höhe wird ein Dankgottesdienst gefeiert. Mit dabei sind auch (vorne l.) Michael Bader und Sepp Wurmer, die beim Bau der Karwendelbahn vor über 50 Jahren ihr Leben riskiert haben. Auch Bürgermeister Adolf Hornsteiner (am Schuppen 2. v. r.) nimmt an der ökumenischen Feier mit Pfarrer Wolfgang Scheel (r.) und Dr. Gerald Njoku teil.

Feierlicher Tag mit Ehrengästen

50 Jahre Karwendelbahn - und “es geht gut weiter“

Seit einem halben Jahrhundert werden im Isartal Menschen bequem per Gondel den Karwendel hinaufchauffiert. Am Mittwoch wurden alle ehemaligen Bauarbeiter von 1967 sowie die bisherigen Geschäftsführer als Ehrengäste zur Jubiläumsfeier auf 2244 Meter Höhe geladen.

Mittenwald – In ihren Stöckelschuhen stand sie an der Kasse. Ärgerte sich. Über die vielen Steine im Dammkar. Patrick Kenntner hielt die Beschwerde für einen Scherz. Bis die Dame ihren Mann holte. Er trug Flip Flops und meinte, „dass doch im Dammkar mal die Steine aufgeräumt werden sollen“. Kenntner amüsiert sich heute noch über diese Begebenheit. Er wollte diese nette Anekdote aus seinem Bahn-Alltag seinen Gäste am Mittwoch nicht vorenthalten. Weil der Anlass passte: 50 Jahre Karwendelbahn – ein guter Grund für ausgelassene Stimmung.

Kenntner, der De-facto-Vorstand (seine Bestellung wurde im Mai vom Landgericht München II für nichtig erklärt), ist gut gelaunt. Dafür sorgen auch zwei besondere Festgäste: Michael Bader und Sepp Wurmer. Die beiden Männer haben vor über 50 Jahren ihr Leben riskiert, als die Bahn unter schwierigsten Bedingungen errichtet wurde. Ihre Leistung und die der anderen kernigen Bauarbeiter würdigte Kenntner in seiner Ansprache. Denn ohne sie gäbe es nicht, was seit nunmehr einem halben Jahrhundert möglich ist: dass die Bahn Wanderer, Kletterer und Naturbegeisterte direkt ins Herz des Karwendelgebirges befördert.

Zahllose Presseanfragen hatte der Heidenheimer nun vor den Jubiläumsfeierlichkeiten erhalten. Fast alle wollten eines wissen: „Wie geht’s weiter?“ Kenntners Antwort am Mittwoch war umso deutlicher: „Es geht gut weiter.“ Er sei „mit Herzblut dabei“, lobte sein Team und hofft nun, noch „viele Jahre als Vorstand“ tätig zu sein. Worte, die Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU), der zwar nicht geladen wurde, aber trotzdem an der Bergmesse teilnahm, sicher mit Interesse verfolgte. Ebenso wie das Ziel des Redners, „die Karwendelbahn, so wie sie ist, zu erhalten“.

Zahl der Hochzeiten steigt

Seine von ihm präsentierten Zahlen klingen zumindest positiv: So stiegen die Trauungen auf der Bergstation in den vergangenen Jahren um satte 30 Prozent an, zwischen „50 und 60 Hochzeiten jährlich“ werden auf dem Karwendel gefeiert. Auch die Tagungen seien „deutlich mehr“ geworden. Zudem würden mehr Bergsportler die Karwendelbahn nutzen. Allein am kommenden Jubiläumswochenende rechnet er „je nach Wetterlage“ mit rund 1000 Besuchern.

Doch jetzt stand erst einmal die Geburtstagsfeier im Mittelpunkt. Zum Programm gehörte unter anderem eine Führung der technischen Leiterin Birgit Bohne, die den Besuchern den Maschinenraum zeigte, sowie die Bergmesse. Der evangelische Pfarrer Wolfgang Scheel las den recht unbekannten aber passenden Bibelvers über Elia auf der Flucht und am Berg Horeb. Scheel selbst würde zwar „den Aufstieg zu Fuß der Bahn vorziehen“, allerdings aus gesundheitspräventiven Gründen Letztere „für die Talfahrt sehr schätzen“. Für Dr. Gerald Njoku war die Auffahrt alles andere als leicht. Der katholische Pfarrvikar leidet an Höhenangst. Doch er kennt mittlerweile einen Trick, um diese zu überwinden: „Ich mache einfach die Augen zu in der Gondel“, verriet er lachend.

Eines Botschaft lag Scheel an diesem Tag am Ende seiner Messe aber noch besonders am Herzen: „Wir sollten darum bitten, Probleme und Meinungsverschiedenheiten durch Gottes Sanftheit letztlich lösen zu können.“

Josef Hornsteiner

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