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Letzte Ruhestätte: Die bestehende Urnenwand reicht angesichts gestiegener Nachfrage nicht mehr aus.

90 neue Ruhestätten 

Urnengräber: Mittenwaldgehorcht dem Trend

Urnenbestattungen nehmen bundesweit zu – so auch im Oberen Isartal. Der Bau- und Umweltausschuss des Mittenwalder Marktgemeinderats hat einer neuen Anlage auf dem Friedhof für 90 Gräber zugestimmt.

MittenwaldEs hat verschiedene Gründe, warum die Nachfrage nach Urnenplätzen bundesweit enorm steigt und auch künftig wohl nicht nachlassen wird. Meist haben berufliche oder familiäre Situationen die Familien verändert. Kinder und Enkelkinder leben nicht selten weit weg. Verständlich, dass dann schnell Fragen aufkommen, wer das Grab denn künftig im Heimatort pflegen soll? Wie hoch sind die Kosten? Landesweit entscheiden sich deshalb immer mehr Menschen für eine Urnenbestattung. So auch in Mittenwald.

„Bei der Belegung des Friedhofs wird seit einiger Zeit deutlich, dass die Nachfrage nach Urnenplätzen immer stärker steigt und auch in Zukunft wohl nicht nachlassen wird“, verdeutlichtete Marktbaumeister Ralf Bues in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses des Marktgemeinderats.

Deshalb hatte man die Landschaftsarchitektin Doris Zerhoch aus Garmisch-Partenkirchen beauftragt, ein grundsätzliches Flächenkonzept für die zukünftige Gestaltung des Friedhofs auszuarbeiten. Darin wurden nicht nur die möglichen Standorte für die Urnenanlage ermittelt, sondern auch „Vorschläge für die Ausgestaltung der Wege, der Ruhebereiche sowie der infrastrukturellen Einrichtung gemacht“, erläuterte Bues dem Gremium weiter.

Der ursprünglich gedachte Platz für die neue Urnenanlage östlich der Posthalter-Grabstelle soll „wegen seiner Lage innerhalb des historischen Friedhofs vorerst unverändert bleiben“. Gebraucht wird die Urnenwand dennoch – und zwar dringend. Denn inzwischen sind alle Plätze in der bestehenden Ruhestätte vergeben. Deshalb hat das Bauamt bereits „seit einiger Zeit Bereiche des Friedhofs von Neuausweisungen freigehalten“, um Alternativstandorte anbieten zu können.

Kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember, wurde gemeinsam mit Friedhofsreferenten Kurt Stransky (CSU), dem Friedhofswart sowie der Verwaltung ein passender Standort gefunden: Nördlich des Gräberfeldes E soll nun eine Urnenanlage für etwa 90 Gräber entstehen. Sie wird eine Gesamtlänge von etwa 12,60 Meter mit zehn Anlagen mit jeweils neun Nischen haben.

Stransky regte dabei an, „eine Ablageplatte für Blumen- und Grabschmuck“ anzubringen. Als Beispiel nannte er die Stätte auf dem Waldfriedhof im benachbarten Seefeld in Tirol. Dadurch könnte für ein Urnengrab „auch eine höhere Gebühr verlangt“ und somit „die Attraktivität eines Erdgrabes gesteigert“ werden. Allerdings würde sich die Wand dadurch „um 30 bis 40 Zentimeter erhöhen“, oder es müsste auf eine vollständige Reihe Urnen verzichtet werden. „Das wären 30 Plätze weniger“, führte Bues aus. Außerdem hätte der Mittenwalder Friedhof dann zwei verschiedene Systeme, „einmal mit und einmal ohne Ablageplatte“.

Zudem soll laut dem Marktbaumeister berücksichtigt werden, dass die Beisetzung in einer Urnenwand als Bestattungsform deshalb gewählt wird, „um die notwendige Pflege der Grabstätte zu minimieren“. Denn für all jene, die die letzte Ruhestätte ihrer Verstorbenen „intensiver pflegen wollen“, stehe nach wie vor die alternative Bestattungsform, das Urnengrab, zur Verfügung.

Auch der Bau- und Umweltausschuss, der die neue Urnenwand befürwortete, sah das so und stimmte gegen die Ablage für Blumen- und Grabschmuck.

Josef Hornsteiner

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