+
Kein Wasser, keine Zukunft: Die leblose Schwimmhalle versprüht Endzeitstimmung.

Eine halbe Million Euro für Entsorgung 

Karwendelbad: Die Ruhe vor dem Abriss

Die Uhr tickt, doch noch werden viele Wochen verstreichen, bis das stillgelegte Mittenwalder Karwendelbad von Abbruch-Spezialisten plattgemacht wird. Im Rathaus peilt man als Start den Oktober an. Drei arbeitsreiche Monate sollen folgen, bis die Anlage endgültig Geschichte ist. Die geschätzten Kosten für den Steuerzahler: rund 500 000 Euro.

Mittenwald – Gespenstisch, einfach nur gespenstisch. Das verwaiste Karwendelbad taugt aktuell eher zur Kulisse eines Gruselfilms. Schwer vorstellbar, dass in dieser tristen Anlage vor fünf Monaten noch Menschen geplanscht haben. Stattdessen: Totenstille – und das Warten auf Stunde Null. Einen genauen Abriss-Termin gibt es noch nicht. Im Rathaus peilt man den Oktober an. „Dann wird’s schneller gehen, als man meint“, verdeutlicht Marktbaumeister Ralf Bues.

„Wenn in drei Monaten alles weg ist, ist’s gut gegangen“, nennt Gemeindewerkschef Matthias Pöll einen vagen Zeitplan. So oft kommt es schließlich nicht vor, dass eine Kommune ein Hallenbad abreißen muss. Ein zugegebenermaßen marodes. Doch die baulichen Defizite alleine sind’s nicht, warum Pöll hinter der Schließung (7. November 2016) und dem Abbruch steht. „Wenn ich 15 Euro pro Besucher bezuschussen muss, dann stimmt was nicht mit der Attraktivität.“ Zuletzt hatte die Marktgemeinde 2005 mit dem Bau der Außensauna versucht, mehr Besucher anzulocken – auch schon zwölf Jahre her. Doch die Gästezahl im Karwendelbad nahm kontinuierlich ab – von 100 000 zu Spitzenzeiten auf zuletzt 44 000.

„Schätzkosten“ von einer halben Million Euro

Nun also bereiten die Verantwortlichen im Rathaus alles für den Tag X vor. Die geschätzten Kosten für Abbruch und Entsorgung: zirka 500 000 Euro. Diese Summe steht in den derzeit laufenden Haushaltsberatungen zur Disposition. „Schätzkosten“, wie der Marktbaumeister diesen erklecklichen Betrag nennt. Wird dieser Batzen Geld vom Gemeinderat bei der Etat-Verabschiedung voraussichtlich im April genehmigt, ist ein Spezialist, ein beauftragter Fach-Ingenieur, am Zug. Erste Interessenten für diesen Auftrag soll’s dem Vernehmen nach schon geben.

Dieser Experte für Abbruchfragen wird dann mit den Ausschreibungen für die Operation Karwendelbad beginnen – bis zu zwei Monate wird das dauern. Dann ist Sommer – Bozner Markt.

Keine gefährlichen Materialien

Nach Ende der Saison könnten alle notwendigen Firmen gefunden sein. Bis aber das Abriss-Kommando anrückt, muss das komplette Gebäude (Haupttrakt- Saunabereich, Nichtschwimmerbecken und angegliedertes Wohnhaus) entkernt sein. Eine Mammutaufgabe, denn letztlich geht es um das Inventar von 21 000 Kubikmeter umbauten Raumes – Glas, Beton, Metall, Kunststoff ohne Ende. Das darf fachgerecht abgebaut und entsorgt werden. Doch schlummern in der 45 Jahre alten Anlage auch gesundheitsgefährdende Materialen wie krebserregendes Asbest? „Noch ist nichts aufgetreten, was uns Sorgen macht“, teilt Bues mit.

Jedenfalls wird die Hauptarbeit darin bestehen, den riesigen Komplex auf dem 6700-Quadratmeter-Grundstück bis auf die Betonhülle abrisstauglich zu machen. Wer das unendlich scheinende, labyrinth-artige Rohrnetz in der Karwendelbad-Unterwelt, der Heiz- und Technikzentrale, schon mal genauer inspiziert hat, weiß, welche Monsterarbeit das ist.

Bei all der (veralteten) Technik die im Karwendelbad steckt, kann man sich gut vorstellen, warum es so viel Miese – zuletzt waren es 600 000 Euro – eingefahren hat. Dass der Betrieb im Karwendelbad überhaupt laufen konnte, dafür waren pro Jahr 600 000 Kilowattstunden Strom und drei Millionen Kilowattstunden Gas notwendig. Zum Vergleich: Ein Einfamilienhaus verbraucht laut Gemeindewerkschef Pöll 4000 (Strom) beziehungsweise 15 000 Kilowattstunden (Gas). Interessante Zahlen, die spätestens bei der Planung des künftigen Schwimmbads bestimmt wieder auf den Tisch kommen.

Christof Schnürer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach Schmalenseehöhe: Pkw überschlägt sich
Schwer verletzt hat eine 30-jährige Farchanterin einen Unfall auf der Staatsstraße 2542 zwischen Mittenwald und Klais. Ihr Wagen überschlug sich mehrfach.
Nach Schmalenseehöhe: Pkw überschlägt sich
Zitzmann und (k)ein Ende?
Wie geht es weiter in Sachen Zitzmann? Nachdem der Gemeinderat das Bürgerbegehren abschmetterte, hält sich Initiatorin Amanda Stork über die nächsten Schritte bedeckt. …
Zitzmann und (k)ein Ende?
Kohlgruber Kindergarten zieht in die Wandelhalle
Eine einfache, kostengünstige Lösung für die Zeit der Bauarbeiten im Bad Kohlgruber Kindergarten ist gefunden.
Kohlgruber Kindergarten zieht in die Wandelhalle
Eibsee-Rundweg verkommt im Sommer immer mehr zur Müllkippe
Kein schöner Anblick: Am Rundweb um den Eibsee häuft sich in den Sommermonaten der Müll. Und die Gemeinde stößt an ihre Grenzen. 
Eibsee-Rundweg verkommt im Sommer immer mehr zur Müllkippe

Kommentare