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Ein Mann der Kirche: Wohl nicht mehr allzu lange wird Dr. Gerald Njoku noch Heilige Messen in St. Peter und Paul zelebrieren.

Mittenwalder Pfarrvikar Njoku feiert 50. Geburtstag 

Ruf des Erzbischofs rückt immer näher

Die Zeit in Mittenwald geht für Dr. Gerald Njoku langsam aber sicher zu Ende. Der katholische Priester, der seit 2012 im Oberen Isartal wirkt,bereitet sich auf die Rückkehr in sein Heimatland Nigeria vor. Am Samstag allerdings will er mit den Gläubigen erst einmal seinen 50. Geburtstag nachfeiern.

Mittenwald – Als Gerald Njoku am 23. Oktober 1967 in der Stadt Aba im Südosten Nigerias zur Welt kommt, ist sein Land alles andere als ein heiles Fleckchen Erde. Fünf Monate vorher erklärt seine Heimatregion Biafra die Unabhängigkeit. Es bricht ein blutiger Bürgerkrieg aus, der erst 1970 mit dem Fall der christlichen Igbo endet. In diesen chaotischen Verhältnissen wächst der kleine Gerald gemeinsam mit sieben Geschwistern auf. Die Bilder von Hunger und Elend vergisst der Sohn eines Soldaten und einer Kauffrau nie.

Im Vergleich dazu ist die hartnäckige Entzündung im Ohr, mit der er sich momentan herumplagt, geradezu lächerlich. Seine Schmerzen lässt sich Njoku nicht anmerken, als er in seinem geräumigen Büro im Mittenwalder Pfarramt sitzt. Der Pfarrvikar aus Nigeria, der 2012 seine Stelle unterm Karwendel angetreten hat, hofft, bis zum kommenden Samstag fit zu sein. Schließlich soll dann sein 50. Geburtstag im Pfarrsaal von St. Peter und Paul nachgefeiert werden.

Das hätte sich der Bub aus Biafra nicht träumen lassen, einmal im Herzen Europas zu landen. Im Gegensatz zu vielen anderen Landsleuten hatte Njoku jedoch einen Startvorteil. Da sein Großvater während der britischen Kolonialzeit eine Art Stammeskönig war, darf die Familie als durchaus betucht bezeichnet werden. Demnach genossen alle Enkel eine solide Schulbildung und konnten studieren. Njokus Oma war übrigens die jüngste Gattin der insgesamt 24 Ehefrauen des Monarchen. Njokus Eltern wurden schließlich Christen.

Dieser Glaube fasziniert den jungen Gerald von Anfang an. Er wird Ministrant und besucht regelmäßig Gottesdienste.

Sein erstes Studium in Nigeria schließt er in Philosophie ab, ehe er sich der Theologie verschreibt. 1995 erfolgt die Weihe zum katholischen Priester. „Mein Geschenk von meinen Eltern war ein Auto“, erinnert sich der 50-Jährige. „Ein Toyota.“ Mit Schrecken muss der frisch berufene Kaplan verfolgen, wie 1999 der radikale Islam in Nigeria Einzug hält. Im selben Jahr führt die Terrormiliz Boko Haram im Norden des Landes die Scharia ein. Christen und gemäßigte Moslems werden seither verfolgt und zu tausenden getötet.

Nach seiner Ausbildung zum Kurat geht Njoku nach Deutschland und studiert ab 2004 an der Akademie Klausenhof bei Münster. 2005 verfasst er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München seine Doktorarbeit zum Thema Kulturen und ihre Kirchen. Keine leichte Aufgabe für ihn. Er darf die Arbeit zwar in Englisch schreiben, „zusammenfassen musste ich allerdings auf Deutsch“. Dennoch wird seine Promotion mit summa cum laude (mit höchstem Lob) bewertet.

Nach Zwischenstationen in Obermenzing und Eching verschlägt es den Afrikaner schließlich im September 2012 nach Mittenwald. Dort verliebt sich der einstige Bub aus Biafra in das dort gelebte Brauchtum. „Auch ich bin mit viel Tradition aufgewachsen, das gefällt mir sehr gut.“ Nicht selten versprühen auch seine Messen mit Gesangseinlagen und warmen Worten etwas rustikal-bodenständiges. Doch für Njoku geht der Dienst für Gott tiefer: „Ich öffne mein Herz, zeige meine Freude, meinen Glauben und meine Liebe.“

Allzu lange wird er allerdings nicht mehr in Mittenwald bleiben. Das Erzbistum Owerri und der dortige Erzbischof Anthony Obinna haben andere Pläne mit Dr. Njoku. „Ich werde in meiner Heimat Entwicklungshilfe betreiben“, verkündet er stolz. Schon vor Jahrzehnten schob er zahlreiche Brunnenprojekte in Nigeria an, um das von den Erdölkonzernen verseuchte Wasser wieder aufzubereiten. Zudem soll Njoku in Nigeria die dortige Caritas mit aufbauen und für eine Friedenskommission sorgen. Denn schließlich durchdringen Islamisten immer tiefer das Land.

Wann es für ihn genau zurückgeht, weiß Njoku noch nicht. „Mein Bischof meinte nur, es ist Zeit, sich langsam darauf vorzubereiten.“

Josef Hornsteiner

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