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Wohin geht die Reise bei der Karwendelbahn?

Aktionäre weiter im Clinch

Stillstand bei der Karwendelbahn?

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Die Fronten bleiben verhärtet: Bei einer weiteren denkwürdigen Hauptversammlung der Karwendelbahn AG in München wurde eine Kapitalerhöhung mit den Stimmen der Konsortium AG beschlossen. Der Markt Mittenwald, seit Jahren mit diesem Aktionär im Clinch, legte umgehend Widerspruch ein.

München/Mittenwald – Das Drehbuch – immer das gleiche: Eine stundenlange Sitzung bis kurz vor Mitternacht, viele Fragen, wenige Antworten, dafür jede Menge Kritik und Anschuldigungen im Nachgang. Die Rede ist von einer weiteren außerordentlichen Hauptversammlung der Karwendelbahn AG im Haus der Wirtschaft in München. Dabei beschloss die Versammlung mit den Stimmen der Konsortium AG, die knapp 50 Prozent der Aktien hält, eine Kapitalerhöhung. Die Marktgemeinde Mittenwald – in Besitz von rund 30 Prozent der Wertpapiere und im Dauerstreit mit der Konsortium AG – votierte, wie nicht anders zu erwarten war, dagegen und legte umgehend Widerspruch ein.

„Damit wurde die Voraussetzung für die nächste Anfechtungsklage gelegt“, schlussfolgern die Hauptaktionäre aus Heidenheim in einer Presse-Mitteilung. Im Vorfeld hatte deren starker Mann, Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang W. Reich, mehrfach betont, wie wichtig frisches Geld sei, um dringend notwendige Investionen in Höhe von etwa 2,6 Millionen Euro zu tätigen.

Säbelrasseln aus Heidenheim

Der Chef des Kontrollorgans kündigt deshalb – wieder einmal – weitreichende Folgen für das Unternehmen an. So wird Reich in der Presse-Erklärung der Karwendelbahn wie folgt zitiert: „Die Konsortium AG wird ihre angekündigte Bereitschaft, 500 000 Euro in die Karwendelbahn AG zu investieren, nunmehr überdenken und ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bereit, die Karwendelbahn AG weiter finanziell zu unterstützen.“ Natürlich wird es in dem Schreiben im gewohnten Stil noch ein Stück dramatischer bei Reich: „Der Markt Mittenwald hat am 4. Oktober 2018 die Karwendelbahn AG nach derzeitigem Stand vernichtet. Nachdem nun das Schwimmbad passé ist, ist es die Karwendelbahn AG bald ebenfalls.“ Ferner heißt es in dem Schreiben aus Heidenheim: „Ob die Karwendelbahn AG ihren Betrieb am 4. November aufgrund der Blockadehaltung des Bürgermeisters Hornsteiner einstellen muss, ist noch nicht abschließend entschieden.“

Das übliche Säbelrasseln aus Baden-Württemberg nimmt der Hauptadressat im Rathaus gelassen zur Kenntnis. Auch Adolf Hornsteiner legte gegenüber dem Tagblatt seine Gedanken schriftlich dar. Der Titel seiner Denkschrift: „Die Karwendelbahn AG will das Geld ihrer Aktionäre – ist aber nicht bereit, Transparenz zu schaffen“. Im Hinblick auf die Hauptversammlung in München spricht der Rathauschef von „vielen Fragen der Aktionäre“ und „keinen zufriedenstellenden Antworten“.

„Wieso will man rund eine Million Euro über eine Kapitalerhöhung von den Aktionären beschaffen, wenn der angeblich unumgängliche Liquiditätsbedarf bei rund 2,6 Millionen Euro liegt?“ Wie solle der Restbetrag finanziert werden? Ferner fragt sich Hornsteiner: „Wieso bekommt die Konsortium AG offensichtlich seit Jahren Informationen über die Karwendelbahn AG, die den anderen Aktionären nicht zugänglich gemacht werden?“

Viele Fragen, keine Antworten

Auf „die hartnäckigen Fragen der Vertreter des Marktes Mittenwald“ soll aber auch „Erstaunliches“ zu Tage getreten sein: „Die Vertreter der Reich-Gruppe mussten einräumen, dass die Karwendelbahn AG selbst Aktien an mehreren anderen Gesellschaften der Reich-Gruppe erworben hat, obwohl die nach der Satzung für den Erwerb von Beteiligungen erforderliche Zustimmung des Aufsichtsrats nicht vorlag.“ So habe die Karwendelbahn AG dem Vernehmen nach auch Wertpapiere an der Konsortium AG gekauft, ihrem eigenen Hauptgesellschafter. Die Frage, ob die Karwendelbahn einen Teil ihres Geldes als Darlehen an Personen beziehungsweise Unternehmen der Reich-Gruppe ausgereicht habe, soll laut Hornsteiner mit „Bestimmt“ beantwortet worden sein. „Weiteres war dazu dann aber nicht zu erfahren.“

Auf die Frage, welche Beanstandungen von behördlicher Seite es mit Blick auf den Bahnbetrieb und die Gebäude der Karwendelbahn AG gebe, erhielten die Aktionäre laut Bürgermeister die Antwort, „dass es den Abend sprengen würde, wenn man die alle aufzählen müsste“. Die Karwendelbahn AG habe aber gegen alle entsprechenden Bescheide Klage erhoben. „Auch das eine Aussage, die für sich selbst spricht. Ebenso wie die Einschätzung von Herrn Reich junior, er mache nur, was er wolle.“

Abschließend bekräftigt der Rathauschef: „Für den Markt Mittenwald ist die Sicherung und der Fortbestand der Karwendelbahn nach wie vor sehr wichtig.“ Aber Steuermittel werden Hornsteiner zufolge nicht in ein Unternehmen investiert, „bei dem wir keinen belastbaren Überblick über Geschäftsverlauf und wirtschaftliche Lage haben und bei dem die Führung der Geschäfte nicht ordnungsgemäß ist“.

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