Bewegung und Sport im Lockdown: ein Paar spaziert mit Hund am Lautersee.
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Bewegung und Sport im Lockdown: ein Paar spaziert mit Hund am Lautersee.

Umfrage soll Aufschluss geben

Mittenwalderin erforscht Auswirkungen des Lockdowns: Alarmierender Bewegungsmangel

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Sportwissenschaftlerin Stefanie Schöttl aus Mittenwald erforscht Auswirkungen während des Lockdowns auf den Körper. Für die Studie benötigt sie noch dringend Bürger, die an einer Umfrage teilnehmen.

Mittenwald/Innsbruck – Mehrmals liest Stefanie Schöttl die gleiche Aussage – nur von verschiedenen Menschen. „Wir haben erst während des Lockdowns angefangen, Sport zu treiben.“ Aus Couchpotatoes sind Sportler geworden. „Wir wissen noch nicht genau, warum das so ist“, sagt die Mittenwalderin. Einige scheinen den Stillstand für Bewegung zu nutzen. Das liest die Sportwissenschaftlerin aus den ersten Ergebnissen einer repräsentativen Online-Umfrage heraus, die sie als Projektleiterin ausgearbeitet hat.

Das sind zwar kleine Lichtblicke. Doch die Tendenz ist alarmierend, weiß sie. Der Corona-Lockdown sorgt zunehmend für Bewegungsmangel – die bleibenden gesundheitlichen Schäden sind noch nicht absehbar. Deshalb will die Isartalerin jetzt weiter forschen – und braucht hierzu die aktive Mithilfe aus der Bevölkerung.

Die 29-Jährige arbeitet am Institut für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck. Sie leitet ein Projekt mit einem Team aus Wissenschaftlern. Sie will ermitteln, welche Faktoren und Lebensumstände, verändert durch die Covid-19-Pandemie, Einfluss auf das Sporttreiben nehmen. Die Ergebnisse der Studie sollen dann an die Regierungen weitergeleitet werden. Nicht zuletzt, um im kommenden Jahr politische Entscheidungen positiv beeinflussen zu können – wie Lockerungen im Bereich Sport. „Bewegung ist momentan wichtiger denn je“, sagt Schöttl.

Wie wirkt sich der Lockdown aus: Online-Umfrage soll Erkenntnisse bringen

Zu den Erkenntnissen will sie durch eine groß angelegte Online-Umfrage kommen, die in dieser Woche in Oberbayern gestartet ist und parallel auch in Tirol, Vorarlberg, Südtirol und in Trentino läuft. Unterstützt wird sie vom Förderkreis der Universität Innsbruck „1669 – Wissenschafft Gesellschaft“ und der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. „Gerade in diesen Regionen hat körperliche Aktivität einen hohen Stellenwert“, sagt Schöttl. Die perfekte Zielgruppe. In den Alpen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich in der freien Natur zu bewegen. Viele Vereine und kommerzielle Sportanbieter ermöglichen es Personengruppen jeglichen Alters, sich auf verschiedenste Art und Weisen aktiv zu betätigen. Schöttl will so viele Antworten wie möglich sammeln. Befragt werden alle – von jungen Erwachsene bis hin zu Senioren. Auch die Aussagen von jenen, die überhaupt keinen Sport treiben, benötigt Schöttl, um ihre Forschungen abzurunden. „Weil wir wissen wollen, warum sie keinen machen.“

40 Fragen müssen beantwortet werden. Schöttl bittet um etwa 15 bis 20 Minuten Zeit. Abgefragt werden ein kurzes Profil, die Lebensumstände und natürlich das Sport- sowie Bewegungsverhalten vor und während des Lockdowns. Eine kleine Umfrage zu dieser Thematik wurde in Tirol bereits im Frühjahr gemacht.“ Nun braucht sie oberbayerische Teilnehmer in der jetzigen Lockdown-Zeit. Im Frühjahr 2021 wird es nochmals eine Erhebung geben, sollte es zu Lockerungen kommen. Dann wird Schöttl endlich wissen, wie sich der Sport wegen Corona verändert hat.

Stefanie Schöttl will der Politik belastende Zahlen an die Hand geben

Die ersten Werte aus der Frühjahrsumfrage in Tirol liegen bereits vor. Von 500 Teilnehmern hat Schöttl die Gewissheit erhalten, dass die sportliche Aktivität während der strengen Ausgangsbeschränkungen rapide gesunken ist. Die einschränkenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie haben also nachweislich Auswirkungen auf das Bewegungsverhalten der Bevölkerung gehabt. Diese Erkenntnis hat das Institut für Sportwissenschaft bereits an den Tiroler Krisenstab weitergeleitet.

Mit den zusätzlichen Ergebnissen aus Oberbayern will sie auch der bayerischen Staatsregierung belastenende Zahlen liefern. Damit kann sie erste Umfragen untermauern, die bislang in nicht repräsentativer Form veröffentlicht wurden. So gaben etwa bei einer Befragung über Spiegel-Online rund 40 Prozent der Teilnehmer an, während des Lockdowns dicker geworden zu sein. Die Gründe sind vielfältig. Es fehlt die Bewegung im beruflichen Alltag. Es fehlt natürlich die sportliche Aktivität, da Fitnessstudios und Sportvereine geschlossen haben. Selbst jene, die nicht zugenommen haben, bauen bei Inaktivität Muskeln ab. Was wird Corona also mit unserem Körper anstellen? Schöttls Arbeit soll langfristig diese Frage klären und dafür sorgen, dass im kommenden Jahr der Sport wieder mehr in den Fokus gerückt wird, sollten weiterhin Beschränkungen nötig sein.

ONLINE-UMFRAGE

An der Online-Umfrage können Teilnehmer ab 18 Jahren unter www.soscisurvey.de/CovidSport teilnehmen. Sie nimmt etwa 15 bis 20 Minuten Zeit in Anspruch. Als kleinen Anreiz gibt es für die Teilnehmer ein Gewinnspiel.

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