Die beiden verstehen sich: Kimberley Scherer und Tobias Kriner grüßen auf dem Foto von der Wettersteinspitze und ab Mai 2022 als Wirtsleute von der Mittenwalder Hütte.
+
Die beiden verstehen sich: Kimberley Scherer und Tobias Kriner grüßen auf dem Foto von der Wettersteinspitze und ab Mai 2022 als Wirtsleute von der Mittenwalder Hütte.

Ab Mai 2022 packen sie an

Neue Pächter der Mittenwalder Hütte: Alpenverein setzt auf die Jugend

  • VonChristof Schnürer
    schließen

Die Mittenwalder Hütte bekommt ein neues Pächterpaar: Kimberley Scherer (29) und Tobias Kriner (23) werden ab Mai 2022 die beliebte Bergsteiger-Unterkunft im Karwendel übernehmen. Die beiden Mittenwalder setzen vor allem auf Einheimische.

Mittenwald – Kimberley Scherer und ihr Freund Tobias Kriner („Guff“) sind Kinder der Berge. Erst vor kurzem haben die beiden auf der Wettersteinspitze den Sonnenaufgang gemeinsam erlebt. Ab dem kommenden Jahr werden die zwei zumindest in den warmen Monaten auf der anderen Seite des Oberen Isartals anzutreffen sein. Denn die Industrie-Kauffrau und der Installateur übernehmen ab 15. Mai 2022 die Mittenwalder Hütte (1518 Höhenmeter) im Karwendel.

Die Entscheidung ist an diesem Mittwoch gefallen. An diesem Tag diskutierte das Führungsgremium der Mittenwalder Alpenvereinssektion unter der Leitung des Vorsitzenden Max Schmidt über diese wichtige Personalie. „Jetzt lassen wir die Jungen ran“, verkündet Schmidt.

Spätsommer-Betrieb: So sah es am Freitagvormittag an der Mittenwalder Hütte aus.

Insgesamt hatten sich sieben Interessenten um die AV-Unterkunft beworben, vier kamen in die engere Auswahl, am Ende machten die einzigen Mittenwalder das Rennen. Einheimische mit Familienanschluss, was in den Stoßzeiten durchaus von Vorteil sein kann. Denn bei Personalnot stehen möglicherweise Geschwister oder Eltern parat.

Kimberley Scherer betritt in der Mittenwalder Hütte übrigens kein Neuland. „Ich war die vergangenen zwei Jahre jede Woche dort oben und habe ausgeholfen.“ Und zwar der bisherigen Wirtin Jeannette Lorenz, die nach zwei Bergsommern aus gesundheitlichen am 31. Oktober aufhören muss. Im Juni hatte sie schweren Herzens ihren Entschluss mitgeteilt. Seitdem trudelten bei der Alpenvereinssektion die Bewerbungen ein.

Lichtblick im Karwendel: Die Mittenwalder Hütte bei Nacht aus der Lautersee-Perspektive.

Die Mittenwalder Hütte ist dank zahlreicher Investitionen in einem Top-Zustand. Zuletzt erneuerte der Alpenverein für einen sechsstelligen Betrag die Sonnenterrasse samt Stützmauer. Zudem wurde der Versorgungslift modernisiert und ein zweiter Fluchtweg geschaffen. „Die Sektion hat alle Voraussetzungen geschaffen“, betont AV-Chef Schmidt. „Jetzt braucht man da droben nur warten, bis die Gäste kommen.“ Jetzt also sind mit Scherer und Kriner zwei ganz blutjunge Mittenwalder an der Reihe. „Wenn mir das jemand vor vier Jahren angeboten hätte, dann hätte ich gesagt: nie und nimmer!“, meint die künftige Pächterin. Doch mit der Zeit ändert sich vieles – auch die Sichtweise. „Ich habe es schätzen und lieben gelernt.“ Kimberley Scherer könnte sich durchaus ein mehrjähriges Engagement vorstellen. „Plan auf länger“ lautet die Devise. Bei ihrer Kundschaft hofft sie auf „viele Einheimische und Junge“.

Zuletzt gab es in der AV-Unterkunft eine ziemliche Fluktuation. Denn während Hans-Peter Gallenberger heuer seine 40. Saison in Folge auf der benachbarten Brunnstein-Hütte vollmacht, herrscht in der Mittenwalder Hütte ein Kommen und Gehen: So führten dort zunächst Edith Haberl und Michael Puntigam (2004 bis 2009) Regie, dann kümmert sich die hiesigen „Oasl“-Geschwister Elisabeth und Hannes Wörnle (2010 bis 2012) sowie Luise Schelhas und Bernhard Kriner (2013 bis 2019) um die Bergwanderer. Die vergangenen zwei – Corona belasteten – Sommer sah „Schanni“ Lorenz nach dem Rechten. Nicht zuletzt deshalb hoffen alle beim Mittenwalder Alpenverein, dass nun eine längere Ära eingeläutet wird.

Daten & Fakten:

Die Mittenwalder Hütte (1518 Höhenmeter) im Karwendelgebirge ist seit 1921 bewirtschaftet. 1946 fällt sie Brandstiftern zum Opfer. Bereits im Folgejahr wird sie wieder aufgebaut. Der starke Besucherandrang über den Karwendelsteig führt dazu, dass die Hütte mehrmals erweitert werden muss. Seit 1967 erleichtert eine Materialseilbahn die Versorgung.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare