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Überraschung: Bürgermeister Adolf Hornsteiner (l.) überreicht Max Schmidt die Silberne Bürgerplakette.

Silber für Mittenwalder Alpenvereinschef

Sie sind nicht nur Schwiegersohn und Schwiegervater. Max Schmidt und Ludwig Hornsteiner verbindet noch mehr: ihre langjährige Treue zum Alpenverein. Jetzt wurden die zwei Männer geehrt.

Mittenwald – Das Trio Hornsteiner-Lösl-Schöttl sitzt schon am Tisch. Max Schmidt wundert sich. Ihm ist nicht klar, dass die Musiker bei der Jahresversammlung der Mittenwalder Alpenvereins-Sektion aufspielen. Er ahnt nicht, dass einer der drei, Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU), an diesem Abend noch etwas mit ihm plant. Nichts lässt sich der Rathauschef anmerken. Denn neben seiner Zither hat er auch eine kleine, besondere Schatulle mitgebracht. Eine mit besonderem Inhalt.

Später tritt Hornsteiner ans Mikrofon und lässt die Katze aus dem Sack. Wenngleich erst kryptisch. Der Gemeindechef nennt vier Zahlen: 150, 145, 70 und 25. Deren Bedeutung erklärt er prompt. Sie stehen für 150 Jahre Deutscher Alpenverein, 145 Jahre Sektion Mittenwald, 70 Jahre Max Schmidt und für 25 Jahre, in denen dieser unermüdlich an der Spitze der Sektion steht. In dieser Zeit habe der ehemalige Berufschullehrer viel für Ort und Gäste geleistet und bewegt. Hornsteiner vergleicht Schmidts Arbeit mit einer Gratwanderung. „Einen großen Verein mit 3246 Mitgliedern und einer Bilanzsumme von über 900 000 Euro zu führen, bei der es dich schnell rechts und links runterhauen kann, wenn man nicht aufpasst“, sagte er, „verdient Anerkennung.“ Der Rathauschef zückt die Schatulle, drin liegt die Silberne Bürgerplakette des Marktes. Der Gemeinderat hatte sich einstimmig dafür ausgesprochen, diese an Max Schmidt zu verleihen.

Der Preisträger hat mit dieser Auszeichnung nicht gerechnet. „Die Medaille kam überraschend“, sagt er ein paar Tage später. „Das hat mich schon auch gefreut.“

Angestrebt hatte er den Posten nicht. Wie die Jungfrau zum Kinde sei er dazugekommen. Kaum war er vor 33 Jahren der Sektion beigetreten, fragte ihn der damalige Chef Rudolf Sonnenbichler, ob er sich künftig nicht um die Materialbahn kümmern wolle. Kurz darauf hatte Schmidt auch noch das Amt des Schriftführers inne. Der Weg Richtung Spitze war geebnet.

Vor seiner Wahl zum Vorsitzenden hat sein Vorgänger zu ihm gesagt: „Zwei Perioden – das geht schon.“ Aus sechs Jahren wurden 25. Ein Ende nicht in Sicht. Ans Aufhören hat er zwar schon gedacht, sagt Schmidt. Aber die Arbeit macht ihm Spaß, Zeit hat er seit der Rente auch mehr. Nur die Verantwortung über die Materialbahn gab er vor sechs Jahren ab. „Ich wollt’ nicht mehr in den Masten rumkraxeln“, sagt der 70-Jährige, der bereits den Mont Blanc bestiegen hat und heute gerne Touren mit den Senioren unternimmt.

Die Treue zu der Sektion scheint in der Familie zu liegen. Sein Schwiegervater Ludwig Hornsteiner gehört ihr seit unglaublichen 75 Jahren an. Eine Hausnummer, das stellt Schmidt klar. Für seine Verbundenheit wurde der „Zejgl Luggi“ bei der Versammlung geehrt.

Die Berg-Leidenschaft hat der 91-Jährige mit der Muttermilch aufgesogen. Als Sohn des Pächter-Ehepaares der Mittenwalder Hütte musste er als 13-Jähriger bereits mithelfen. Seine Aufgaben – klar definiert. Täglich, außer sonntags, marschierte er zweimal ins Tal, um einzukaufen. Er musste 20-Liter-Kanister voller Wasser schleppen, Brennholz besorgen und den Steig richten. An eine Berufsausbildung war nicht zu denken, solange der Bruder und später der Vater im Krieg kämpften. Nach dem frühen Tod seiner Mutter führte er im Alter von 22 Jahren mit seiner Ehefrau Elly selbst die Hütte, bis er 1967 zur Karwendelbahn wechselte.

Auch zum Bergführer ließ sich Hornsteiner ausbilden. „Schön war es, wenn man helfen konnte“, sagt er über sein Erlebtes bei Unfällen. Ansonsten konnte „es schon belastend sein“. Bereichert haben das Hüttenleben die vier Kinder, die während des Betriebes mit Hund Dux eingezäunt auf sich selber aufpassen mussten. „Ein Massla, dass nia ebbas passiert ist.“ Mit Tochter Anneliese ist Schmidt verheiratet. Doch es sind nicht nur die Familienbande, die die beiden vereint. Es ist auch die Liebe zu den Bergen – und zur Sektion.

Leonhard Habersetzer & Manuela Schauer

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