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Alle packen an - auch Andreas Reiser (l.) aus Mittenwald.

Entwicklungshilfe in Ecuador 

Mittenwalder baut für die Zukunft

Schwerstarbeit in treibhaus-ähnlichem Klima: Andreas Reiser (24) hat bei der Errichtung eines Kinder-Kulturzentrums im südamerikanischen Urwald mitgewirkt. „Da haben wir Großes geleistet“, findet der Isartaler Architektur-Student.

Chamanga/MittenwaldEs ist das eine, aus wenig viel zu machen und ein ganzes Haus mit bescheidensten Mitteln zu errichten. Es ist allerdings was ganz anderes, diese Herausforderung auch noch bei fast 40 Grad im Schatten und einer sauna-ähnlichen Luftfeuchtigkeit von über 95 Prozent zu meistern. Andreas Reiser (24) aus Mittenwald kann ein Lied davon singen.

Er hat dieses Kunststück geschafft. Vor kurzem ist der Architektur-Student aus Ecuador in seine Heimatgemeinde zurückgekehrt. In dem fernen Land in Südamerika baute und leitete er im Rahmen eines Studienprojekts einen Sozialbau am anderen Ende der Welt. Vier Wochen blieben ihm und seinen 21 Kommilitonen für das Projekt in dem Fischerdorf Chamanga. Haarscharf konnte der Zeitplan eingehalten werden. Denn nicht wenige Schwierigkeiten tun sich auf, wenn 22 junge Menschen rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, 31 Tage am Stück in einem glühend heißen und fremden Land unentwegt zusammen auskommen müssen.

Der typische Morgen beginnt bei Reiser wie bei den meisten seiner Landsleute in Deutschland auch. Um sechs Uhr klingelt der Wecker, um 6.30 Uhr wird gefrühstückt und eine halbe Stunde später mit dem Bus in die Arbeit gefahren. Doch schon beim Verlassen der klimatisierten Unterkunft in Ecuador schlägt einem eine feucht-schwüle Luft wie eine Wand entgegen. Willkommen in Südamerika.

An die täglich eineinhalb Stunden Busfahrt hat sich Reiser schnell gewöhnt. Nicht jedoch an die immer währende, brütende Hitze. „Da wird das Arbeiten schon schwer“, gesteht er. Zumal die Burschen und Mädels für ihr Kinder-Kultur-Zentrum über sieben Tonnen Stahl und mehr als 71 Tonnen Beton verarbeiten. Für Letzteres musste jedes Gramm mit der Hand angerührt werden. „Eine bescheidene Arbeit“, meint der Mittenwalder mit einem Augenzwinkern.

Die ersten zwei Wochen verlaufen tadellos. „Motiviert und engagiert gingen wir ans Werk.“ Reiser wird von seinen Studienkollegen zum Bauleiter ernannt. Im obliegt somit auf einen Schlag die komplette Verantwortung. Jeden Abend nach getaner Arbeit brütet er an seinem „Lieblingsplatz“ – einem Schreibtisch aus Bambus – über den Plänen für den nächsten Tag. Eine für sein späteres Berufsleben unglaublich wichtige Erfahrung. „Da fängt man bei jeder nicht angekommenen Material-Lieferung zu schwitzen an“, berichtet der angehende Architekt. Wie in der letzten der angesetzten vier Wochen. „Da kamen spezielle Schrauben aus Italien nicht rechtzeitig.“ Der Zeitplan, der bis dahin noch voll im Soll ist, droht zu kippen. In letzter Sekunde dann die rettende Lieferung, es kommt zu einer „knappen Punktlandung“. Erst am allerletzten Tag vor der Abschlussfeier „wurde der letzte Nagel geschlagen“.

Die Erleichterung bei Reiser ist so groß, dass er nach seiner Abschluss-Rede gleich den „Werdenfelser“ plattelte. Die passende CD hatte er bereits bei seinem ersten Auslandsprojekt in Afrika dabei. Mit der Miss Chamanga legte er dann noch einen zünftigen Tanz aufs neu gelegte Parkett hin.

Sogar der deutsche Botschafter Joachim Freiherr Marschall von Bieberstein ist extra aus der Hauptstadt Quito eingeflogen. „Die Einheimischen dort waren baff“, berichtet Reiser. Noch nie hat sie eine solch hochrangige Persönlichkeit hier an der Küste besucht. „Sie waren sehr stolz.“ Genau wie der Mittenwalder. „Da haben wir wirklich Großes geleistet.“

Das Dorf Chamanga wurde im Frühjahr 2016 von einem Erdbeben der Stärke 7,8 fast gänzlich zerstört. Zudem herrscht in Ecuador ein massives Drogen-Problem. Sinnvolle Angebote jenseits der Schule gibt es für den Nachwuchs nicht. Umso wichtiger war es also für die 22 angehenden Architekten und Bau-Ingenieure, den einheimischen Kindern mit einem Kulturzentrum zu helfen und damit Zukunft zu schenken.

Josef Hornsteiner

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