Ein Hubschrauber bringt mit Hilfe der Bergwacht Mittenwald einen Verletzten vom Kranzberg ins Klinikum.
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Am Kranzberg zur Stelle: Nach der Erstversorgung wird der verletzte Bub mit dem Hubschrauber ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen geflogen.

Von vermisstem Wanderer fehlt immer noch jede Spur

Neun Einsätze in sechs Tagen: Bergwacht zur Urlaubszeit im Dauereinsatz

Neun Einsätze in sechs Tagen – es war eine anstrengende und zeitintensive Woche für die Bereitschaft Mittenwald. Für den in Urlaub befindlichen Chef Heinz Pfeffer sprangen Gruppenführer Benni Wollesen, Florian Klotz und Enrico Schirmer als Einsatzleiter ein.

Mittenwald – Im Sommer passiert in den Bergen einfach ziemlich viel. Dies hat sich in der vergangenen Woche wieder einmal bestätigt. Die Bergwacht Mittenwald hatte diverse Einsätze zu bestreiten. Los ging es am Montag, 31. Mai, um 19 Uhr im Laintal. Unterhalb der „Madonna“ musste eine Frau aus Mittenwald mit einer Sprunggelenksfraktur versorgt werden. „Eine Stunde waren acht Mann und Bereitschaftsarzt Jochen Jansen im Einsatz“, sagt Gruppenführer Benni Wollesen. Die Verletzte wurde ins Klinikum gebracht.

Mittenwald: Wanderer bei Arnspitze vermisst - Suchaktion muss wegen starkem Regen abgebrochen werden

Zwei Tage später alarmierte die Polizei mittags die örtliche Bergwacht, weil eine Person im Bereich der Arnspitze vermisst wurde. „Wir sind mit 17 Mann ausgerückt“, erzählt Wollesen. „An der Suche haben sich ein Hubschrauber sowie die Kollegen aus Scharnitz und Leutasch beteiligt.“ Wegen starken Regens musste die Aktion gegen 18 Uhr abgebrochen werden. Bis heute fehlt jede Spur von dem Mann aus Bautzen.

Kurz danach stand der dritte Auftrag an. Der Wirt der Dammkarhütte hatte über die Leitstelle gemeldet, dass sich ein Einheimischer unterhalb der Unterkunft bei einem Unfall Schien- und Wadenbein gebrochen hatte. Mit dem ADAC-Hubschrauber wurde der Mann erstversorgt, per Winde und Bergesack geborgen und in die Unfallklinik Murnau geflogen. Nach dem zweistündigen Einsatz waren die Bergwachtler um 20 Uhr wieder daheim.

Mittenwald: Bergwacht sucht weiter nach Vermisstem an Arnspitze - Bub verletzt sich schwer bei Unfall im Kranzberg-Gebiet

Tags drauf setzte man die Suche nach dem Vermissten an der Arnspitze fort. Damit nicht genug: Wenig später folgte die fünfte Mission. Diese startete um 11 Uhr. Im Kranzberg-Gebiet unterhalb von St. Anton hatte sich ein elfjähriger Bub bei einem schweren Unfall eine Lungenverletzung zugezogen. Die drei Einsatzleiter rückten mit fünf Kollegen aus. „Die Unfallursache ist uns nicht bekannt“, sagt Wollesen. Nach der Erstversorgung wurde der Bub mit dem Hubschrauber RK II aus Reutte ins Klinikum geflogen.

Kurios wurde es am Donnerstag gegen 22 Uhr beim inzwischen sechsten Einsatz der abgelaufenen Woche. Eine aufmerksame Touristin hatte Lichtsignale an der Arnspitze bemerkt und die Leitstelle informiert. Sechs Kameraden stiegen über die Porta Claudia durch die Hasellaine-Rinne auf. Oben fanden sie ein Zelt, das mit UV-Licht blau ausgeleuchtet war. „Darin saß ein Schmetterlingsbeobachter, der berufsbedingte Nachforschungen anstellte“, erzählt Wollesen und kann sich dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Er zeigte sich aber nach unserer Ermahnung einsichtig. Er hatte einfach nur vergessen, seine Aktion bei der Polizei anzumelden.“

Garmisch-Partenkirchen: Bergwacht im Dauereinsatz - Verunglückter Bergsteiger kann nur noch tot geborgen werden

Traurig endete dagegen der am Freitag, 5. Juni, begonnene siebte und am Samstag beendete achte Einsatz im Bereich der östlichen Karwendelspitze. Wie berichtet, konnte der 65-jährige Bergsteiger aus Bonn nur noch tot geborgen werden. „Wir haben uns an beiden Tagen mit 15 Mann an der Suche beteiligt“, erklärt Florian Klotz. Er fuhr dabei die Kollegen mit einem Pinzgauer Krankentransportfahrzeug bis zur Schlaghütte.

Spektakulärer Einsatz bei Schneegestöber: Die Bergwacht arbeitet auf dem Karwendel mit einer Seilwinde.

Am Samstag, 5. Juni, wartete schließlich noch ein zweiter und der insgesamt neunte Einsatz auf die Bergwachtmänner. Um 16 Uhr kam über Diensttelefon die Meldung herein, dass sich zwei Wanderer auf dem Karwendelsteig an der „Roten Gams“ unterhalb des Tunnelfensters der Karwendelbahn verstiegen haben. Die Rettung gestaltete sich allerdings kompliziert, da starker Nebel herrschte. Von der Bergstation mussten sich Markus Heinrich und Wollesen per Flaschenzug mit einem Rettungsseil zu den zwei Bergsteigern abseilen. Wollesen: „Per Rettungsgurt haben wir sie bei uns eingehängt und uns dann mit dem Flaschenzug ins Tunnelfenster hinauf gezogen.“

Bergwacht-Chef rät: Wanderer sollen zu zweit ins Gebirge gehen - Schnellere Rettung und höhere Überlebenschancen

Der Tote im Karwendel war alleine unterwegs und konnte nicht geortet werden. Enrico Schirmer betont: „Besser sind Touren zu zweit und dann mit aufgeladenem Handy, denn auch ein ausgeschaltetes Gerät kann in einem Gebiet ohne Netz durch den Hubschrauber lokalisiert werden.“

Nach der Rückkehr aus dem Urlaub zeigt sich Bergwacht-Chef Heinz Pfeffer stolz auf seine Kollegen. „Ein Lob an die eingespielte Mannschaft und an die Arbeitgeber für ihr Verständnis, ihre Angestellten während der Arbeitszeit immer wieder für unsere Einsätze abzustellen.“

Eins will Pfeffer aber noch besonders anmerken: „Auch die zwei im April und Mai von uns geborgenen Toten waren alleine unterwegs. Die Suche in großen Gebieten wird zusätzlich erschwert, wenn kein Begleiter einen Notruf absetzen kann.“ Deshalb auch sein Rat: Immer zu zweit ins Gebirge gehen und so die Chance auf schnellere Rettung und erhöhte Überlebenschancen wahren. Wolfgang Kunz

In Schwaigen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen liegt die Corona-Inzidenz derzeit bei 2100. Die 605-Seelen-Gemeinde ist quasi ein Hotspot - mit grade mal 13 Infizierten. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen GAP-Newsletter.

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