Zwei Männer, eine Mission: Thomas Schwarz (l.) sucht ein Buch zum Verlegen, Rene Urbasik sucht einen Verleger fürs Buch. So haben sich die beiden in Mittenwald gesucht und gefunden.
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Zwei Männer, eine Mission: Thomas Schwarz (l.) sucht ein Buch zum Verlegen, Rene Urbasik sucht einen Verleger fürs Buch. So haben sich die beiden in Mittenwald gesucht und gefunden.

Neues Buch über „Brennpunkt Gastronomie“

Ein Mittenwalder Kellner schlägt Alarm

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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„Ich könnt’ ein Buch drüber schreiben.“ Diesen Satz hat der Mittenwalder Kellner Rene Urbasik schon oft von seinen Kollegen gehört. Nun hat er sich getraut und eins geschrieben. Ein satirisches Werk über seinen Alltag, das eines aufzeigt: Wo es brennt in der Gastronomie. Ganz bewusst verzichtet er dabei auf das Thema Corona – und auf Tabus.

Mittenwald – „Ich will Eis!“ Die Worte aus dem Kindermund klingen wie ein Befehl. „Nein, Eis gibt es erst später. Was möchtest du jetzt essen? Magst du Pizza?“ „Pizza!“, entfährt es dem kleinen Caspar-Aurelio. Seit gefühlt fünf Minuten steht Rene Urbasik mit Stift und Block an dem Tisch. Die Hand des Kellners schläft langsam ein. Es ist ein Sonntag, brütend heiß, die Sonnenterrasse ist gerammelt voll mit Gästen. Urbasik versucht, mit zusammengebissenen Zähnen die zahlreichen Hände, die nach ihm von den anderen Tischen winken, und die teils unflätigen Zurufe zu ignorieren. Schließlich sitzt vor ihm ein kleiner König, dessen Mutter es ihm überlassen hat, beim Ober selbst zu bestellen.

„Ähem“, räuspert Urbasik höflich. „Wir sind kein italienisches Restaurant. Wir haben keine Pizza.“ Als er anbietet, noch einmal über die Essenswünsche nachzudenken und einen Blick in die Kinderkarte zu werfen, explodiert die Mutter regelrecht. „Bis in die Küche wurde ich von der Furie verfolgt und in einem fort angeschrien, ihr Kind mit dem exotischen Namen gefälligst höflich zu behandeln.“

Humorvolle Hilfestellung

Es ist nur eine von unzähligen Erlebnissen, die Urbasik und seine Zunft der Restaurantfachkräfte tagtäglich miterleben, oder eher erleiden müssen. Über seine Erfahrungen aus 30 Jahren Gastronomie hat der in Mittenwald arbeitende Norddeutsche nun ein Buch geschrieben. „Brennpunkt Gastronomie – ein Kellner schlägt Alarm.“ Doch anders als der Titel vielleicht vermuten lässt, versteht sich sein Werk nicht als Anklageschrift gegen all die Gäste, die den Gastronomen tagtäglich den letzten Nerv rauben. „Es ist mehr eine Hilfestellung.“ Satire, humorvoll und überspitzt, aber wahr bis in den Kern. Welche Stolpersteine erwarten Gäste, die mit ihren Hunden das Lokal betreten? Oder Eltern, die ihren Nachwuchs in die Welt des Restaurants einführen? Urbasik schreibt aus der Sicht einer Servicekraft. Aus dem Leben in der Gastronomie. Frech und kritisch, aber nie unverschämt.

Jetzt während der coronabedingten Zwangspause hatte er endlich die Zeit, einen Verleger für sein Buch zu suchen. Mit Thomas Schwarz aus Mittenwald hat er ihn gefunden. Kürzlich ging die satirische Lektüre in den Verkauf. Und mit ihr die schonungslose Wahrheit. Wie sich der Gast im Gegensatz zu früher gewandelt hat. Und wie ein Kellner sich an exzentrischen Stammgästen rächen würde, flattere ein Lottogewinn ins Haus.

Ursprünglich hätte das Werk den Namen „Knigge für Restaurantbesucher“ heißen sollen, als er es im Februar 2020 fertigstellte – also bevor Corona die Gastronomie in die Knie gezwungen hat. Dennoch wollte Urbasik das Thema nicht aufnehmen. War sogar am überlegen, genau daraus einen Marketing-Gag zu zaubern. Einen „Garantiert Corona-frei“ Aufkleber auf das Cover zu kleben.

Werk mit 316 Seiten

Doch brauchte es dafür erst einmal ein gedrucktes Buch. Der Kellner tat sich schwer, seine 316 Seiten zu publizieren. Die großen Verlage lehnten ab. Sie nehmen nur mehr jene Autoren, die bereits erfolgreich Bücher veröffentlichen. Urbasik, geborener Mecklenburger, hat zwar schon zwei Bücher geschrieben und bei einem Hamburger Selfpublisher veröffentlicht. Doch zu den ganz Großen zählt er – noch – nicht. Schreiben liebt er seit er zehn Jahre alt ist. Am liebsten Western. Als er nach seiner Lehre als Restaurantfachmann in Bremen zuerst nach England reiste, um in einem Jagdhotel zu arbeiten, zog es ihn von einer Bettenburg in Pasing und einem gut besuchten Ausflugslokal am Starnberger See letztlich vor einem Jahr nach Mittenwald.

Dort traf er über Umwege Schwarz. Auch er hat die Pandemie-Zeit genutzt, um einen lang gehegten Traum zu erfüllen: Bücher zu verlegen. Letztlich dürfte wohl beide also das Schicksal zusammengebracht haben: Urbasik hatte ein Buch, brauchte aber einen Verleger. Schwarz war Verleger, brauchte aber ein Buch. Eine Win-win-Situation, wie man auf Neudeutsch sagt.

Also trafen sich beide. Schwarz füllt mit seinem Familienbetrieb SchwarzWeisses-Verlag eine interessante Marktlücke. Jeder, der ein Manuskript oder auch einfach nur eine Idee hat, kann sich bei ihm melden. Er bearbeitet gemeinsam mit seiner Ehefrau und größeren Töchtern das Layout und lektoriert das Werk – alles aus einer Hand. Derzeit bringt eine württembergische Druckerei das Buch letztlich auf Papier. Da sie stückweise drucken, spart sich Schwarz die Lagerkosten und kann auch sehr kleine Auflagen produzieren. Der Autor zahlt dafür nichts, bekommt im Gegenzug aber eine Beteiligung pro verkauftem Exemplar.

Auf die Verlagsidee brachte Schwarz der Wirt des Mittenwalder Klammkiosks, Christian Fichtl. Ihm machte die Familie auf Wunsch den Wanderführer „Die Leutaschklamm“. Seither verlegt sie Bildbände, E-Books, Sach- und Kinderbücher, Romane sowie Hörbücher. Für Thomas Schwarz ist Urbasik ein Glücksgriff. Auch wenn die Corona-Maßnahmen die Gastronomie lahmgelegt haben, wird das Buch „nach der Krise aktueller denn je sein“.

NEUERSCHEINUNG

Rene Urbasiks satirische Lektüre „Brennpunkt Gastronomie – ein Kellner schlägt Alarm“ ist am 1. April 2021 im SchwarzWeiss Verlag erschienen und kostet 14,99 Euro. Die ISBN-Nummer lautet 978-3-9822019-4-8. Es ist in Buchhandlungen, online oder direkt beim Verlag unter www.schwarz weisses.de erhältlich.

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