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Der nächste Winter kommt bestimmt in Mittenwald

Anwohner haben nicht gehandelt

„Gefahr in Verzug“ - Experte nach schlimmen Katastrophen-Winter alarmiert

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Der Katastrophen-Winter 2019 in Bayern hatte verheerende Folgen. Ein Mittenwalder Experte verlangte eine Sicherung der Dachstühle. Seine Warnung wurde ignoriert, beklagt er nun.

  • Der Katastrophen-Januar 2019 hatte in ganz Bayern verheerende Folgen
  • Experte Wolfgang Schwind warnt eindrücklich vor neuem Schnee-Chaos
  • Seine Warnungen wurden bislang mehrfach ignoriert

Mittenwald – Wolfgang Schwind ist deutschlandweit ein gefragter Mann. Erst Ende September referierte der Ingenieur-Senator aus Mittenwald bei einer Fachtagung in Friedberg über sein Lieblingsthema. „Schnee, die weiße Last“ lautete der Titel. Und knapp tausend Zuhörer in der Stadthalle lauschten dem Statik-Experten, der vor eineinhalb Jahren mit seiner viel beachteten Studie für eine grundlegende Neuordnung der Schneelastnorm gesorgt hatte.

Nach Schnee-Chaos im Winter 2019: Experte aus Bayern warnt vor Katastrophe

Schwinds wegweisende Arbeit führte dazu, dass bei Dachkonstruktionen deutlich niedrigere Traglasten als bislang zugrundegelegt werden, was Hausbauten spürbar günstiger macht. In sieben Landkreisen in Oberbayern gilt inzwischen das Regelwerk. Doch – und das bedauert der 72-jährige Mittenwalder – der Prophet zählt im eigenen Lande nichts. Von Landrat Anton Speer (Freie Wähler) etwa hätte es bis heute keinerlei Rückmeldung gegeben. Dafür von der heimischen Feuerwehr, die ihm vor kurzem beim Jahrtag eine Auszeichnung überreichte. Nicht zuletzt deshalb, weil der umsichtige Schwind während des sogenannten Katastrophenalarms heuer im Januar die Rettungskräfte bei Weitem nicht auf alle Dächer zum Schneeräumen geschickt hatte.

Im Vorfeld hatte Schwind um die 100 Dachstühle in Mittenwald unter die Lupe genommen und bei ungefähr zehn Prozent gravierende Mängel festgestellt – beispielsweise eine stark verformte Pfette, also der parallel zum Dachfirst verlaufende Balken, abgeplatzte Auflager oder Dachbinder, die sich durchgebogen haben wie ein Kuhschwanz. „Da war Gefahr in Verzug“, sagte der Statiker vor neun Monaten gegenüber dem Tagblatt. Das allerschlimmste für Schwind. „Eine große Einsicht scheint nicht da gewesen zu sein.“ Ihm zufolge hätte so gut wie keiner seinen fragwürdigen Dachstuhl in Ordnung gebracht. „Doch der nächste Winter kommt bestimmt.“

Katastrophen-Januar 2019: Experte warnt vor neuen Schnee-Massen und ihren Folgen

Schuld an den Problemen im Januar sei in diesen Fällen aber nicht der viele Schnee gewesen, der auf die Dächer drückte. Darauf weist der Experte mit Nachdruck hin. Sondern die Bauweise an sich oder der mangelnde Unterhalt durch die Eigentümer.

Im Zusammenhang mit dem „Katastrophen-Januar“ 2019 weist Schwind auf ein interessantes Faktum hin. „Die höchste Schneelast hatten wir exakt einen Monat später“ – Mitte Februar. „Denn Schneehöhe ist nicht gleich Schneelast.“ So hatten sich die nicht abgeräumten Massen auf den Dächern komprimiert und durchfeuchtet, während es in den folgenden Wochen immer weiter schneite. „Aber da hat kein Mensch geschrien, weil schönes Wetter war.“ Soll heißen: Katastrophen sind manchmal Gefühlssache, auf alle Fälle jedoch nicht selten subjektiv.

Der Winter 2018/2019 hatte vor allem im Januar verheerende Folgen für weite Teile Bayerns. Im oberbayerischen Aying im Landkreis München beispielsweise kam ein neunjähriger Bub ums Leben, w eil ein Baum dem Schnee nicht mehr standhalten konnte. Der Junge wurde von einem herabstürzenden Ast erschlagen.

Auch ein Mitarbeiter der Straßenmeisterei Lenggries (Lkr. Bad Tölz) verunglückte tödlich, als er mitsamt seinem Räumfahrzeug in die Isar stürzte. Immer wieder kam es zu verheerenden Unglücken, Sperrungen und Warnungen. Das soll sich im kommenden Winter, der gleich mit einer Warnung wegen einer Vb-Wetterlage beginnt, nicht wiederholen.

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