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Ab nach oben: Eine Frau mit Oberschenkelfraktur wird von der Bergwacht am Rehberg gerettet. 

Bereitschaft zieht Jahresbilanz

Bergwacht Mittenwald alle zwei Tage im Einsatz

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Die Bergwacht Mittenwald leidet definitiv nicht an Unterbeschäftigung. In den zurückliegenden zwölf Monaten musste die Bereitschaft knapp 150 Mal verunglückten Menschen beistehen – viermal kam die Hilfe zu spät.

Mittenwald – Die Arbeit bei der Bergwacht Mittenwald, die 2020 ihr 100-jähriges Jubiläum feiert, geht nicht aus. „Es vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht für sie unterwegs bin“, verdeutlicht Bereitschaftsleiter Heinz Pfeffer. Seit 2001 steht der 51-Jährige bei dieser Rettungsorganisation an der Spitze. „Das ist schon eine sehr lange Zeit“, findet Pfeffer, „und die Arbeit wird immer intensiver“. Gut möglich also, dass er sich 2021 die Kandidatur zu einer weiteren vierjährigen Amtszeit gut überlegt.

In den zurückliegenden zwölf Monaten hatten die 85 Aktiven der Bergwacht – zwischen 16 und 75 Jahre alt – eine Menge zu tun. Knapp 150 Einsätze, 98 im Sommer, 50 im Winter, mussten gemeistert werden. „45-mal war der Hubschrauber dabei“, verdeutlicht Pfeffer. Soll heißen: Bei diesen Missionen agierte man in schwierigem Gelände, oder es musste schnell gehen. In vier Fällen kam jedoch jede Hilfe zu spät. Bergtote wie die am Rehberg, Wörner, Mittenwalder Höhenweg und am Lautersee-Steig (wir berichteten) sind inzwischen nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. „Mittlerweile pendelt sich das ein“, meint der Bergwachtchef, der diese Entwicklung alles andere als erfreulich findet.

„Wer mag schon gerne Tote holen.“ Noch dazu wenn diese in einem furchterregenden Zustand gefunden werden. So etwas muss auch von den älteren Kameraden erst mal verdaut werden. „Wir sitzen dann danach zusammen und reden offen und ehrlich darüber“, berichtet Pfeffer. Sozusagen als therapeutische Maßnahme. Dazu trinken die Bereitschaftsmitglieder eine „Kid-Hoibe“ – benannt nach dem Kriseninterventionsdienst.

Über Personal braucht sich die Bergwacht Mittenwald nicht beklagen – das passt. Ein Problem sieht Pfeffer dennoch: Immer mehr Mitglieder arbeiten mangels Angebote auswärts, stehen also im Ernstfall wochentags nicht zur Verfügung. „Das müssen dann die Daheimgebliebenen abfangen.“ Das wiederum funktioniert nur deshalb, weil viele Arbeitgeber „sehr kulant“ seien. Doch die 18-jährige Erfahrung als Bereitschaftsleiter zeigt Pfeffer auch: „Das wird in Zukunft schwieriger werden.“

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