+
Schutzhütten der Zukunft werden nicht nur vor Unwetter schützen. Max Schilling will sie hin zur puren Bergromantik entwickeln.

Masterarbeit von Max Schilling in München ausgezeichnet

Bergromantik in der Schutzhütte: Mittenwalder  bekommt Bayerischen Kulturpreis

  • schließen

Sie können im Notfall Leben retten. Doch der Mittenwalder Max Schilling, 28, sieht viel mehr in den Schutzhütten in den Bergen. Er will mit ihnen ein Lebensgefühl vermitteln. Für seine Masterarbeit erhielt er nun in München den Bayerischen Kulturpreis.

Hohe Auszeichnung: Max Schilling (m.) bekommt von Staatsminister Bernd Sibler (l.) und Reimund Gotzel, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, den bayerischen Kulturpreis überreicht.

Mittenwald/Nürnberg – Max Schilling steht auf der Bühne im Münchner Brauhaus am Nockherberg. Dort, wo sonst Fastenredner Politiker derblecken oder der Schauspieler Stephan Zinner den Ministerpräsidenten Markus Söder beim Singspiel mimt, blickt der 28-jährige Mittenwalder in das gleißende Licht der Scheinwerfer. Heute steht er im Mittelpunkt. Er trägt ein einfaches, weißes T-Shirt unter einem schwarzen Sakko. Er ist nervös. Der Preis, den ihm der Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, gleich überreichen wird, ist für einen angehenden Architekten unüblich. Der Minister und Reimund Gotzel, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, zeichnen Schilling mit einem bronzenen Pokal aus: Der „Gedankenblitz“, besser bekannt als Bayerischer Kulturpreis.

Mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung für Masterarbeit nach Architektur-Studium

Max Schilling erhielt die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung für die Masterarbeit seines Architektur-Studiums an der Technischen Hochschule in Nürnberg. Seine Thesis nennt sich „Alpines Refugium“ und könnte Schutzhütten in den Bergen revolutionieren. Aber kein einziger Architekt war unter der Fachjury. Das macht die Ehrung für Schilling so besonders. Es waren keine Fachleute, die seine Arbeit bewerteten, sondern Künstler, die das „positive und atmosphärische Thema“ seiner Ausführung erkannten.

Alles begann in Mittenwald. Jedes Mal, wenn Max Schilling als junger Bursche im Karwendelgebirge wanderte, blieb er an der kleinen Schutzhütte am Mittenwalder Höhenweg stehen. Sie ist aus Holzbrettern gebaut. Ein Durchfahrts-Verbotsschild für Fahrräder ist an der Eingangstür montiert. Eine eher augenzwinkernde Anweisung. Kaum ein Radfahrer dürfte sich bislang auf den anspruchsvollen Klettersteig verirrt haben. Der Notunterstand ist für jene errichtet worden, die sich vor Unwettern schützen müssen. Das Nötigste ist darin enthalten: eine Holzbank, ein Tischchen, ein Dach über dem Kopf.

Örtlich weg von den Bergen, gedanklich nicht

Als der Mittenwalder nach seinem Abitur das Architekturstudium in Nürnberg antrat, war er weg von seinen Bergen. Die Idee aber blieb haften und er machte sie letztlich zum Thema seiner Masterarbeit: Welche Rolle können die Schutzhütten in der modernen Gesellschaft spielen? Sie könnten nicht nur als Notunterkünfte dienen. Sie sollen zu Sehnsuchtsorten in den Bergen werden, zu Plätzen, an denen Wanderer abschalten und zur Ruhe finden. Luxus soll nicht von materiellen Dingen her rühren. „Der Luxus ist der Bezug zur Natur und das persönliche Erlebnis“, sagt Schilling. Davon würde die Gesellschaft immer weiter abkommen: „Mehr und mehr Schutzhütten gleichen Hotels oder Gasthäusern.“

Seine Hütten aus Holz haben lediglich Schlafplätze für zwei bis sechs Menschen, eine Kochstelle, eine kleine Auswahl an Büchern und einen Ofen, für den der Wanderer draußen Holz hacken muss. Das reicht. Ohne Strom, fließend Wasser oder gar Internet. Gewaschen wird sich mit Regenwasser, das eine Anlage filtert. Licht spendet eine Schwerkraftlampe. Eine Idee, die Schilling aus Flüchtlingscamps übernommen hat. Offenes Feuer oder Petroleumlampen seien dort zu gefährlich. Die Lampe funktioniert wie der Dynamo eines Fahrrads. Einmal am Seil gezogen, brennt die Leuchtstoffröhre für 30 Minuten. Dann muss wieder gezogen werden. Die Toilette ist ein Trockenabort. Die Hütte steht auf Stelzen. Der Eingang befindet sich an der Unterseite, damit die Hütten auch im Winter ohne Schneeschaufeln begehbar sind. Zwei bis sechs Bergsteiger könnten so mehrere Tage in den Hütten verbringen. Unterm Satteldach ist immer ein Notschlaflager vorhanden: Denn trotz aller Wohlfühlfaktoren soll die Unterkunft das bleiben, was sie ist: Eine Schutzhütte.

Schilling hat bereits Kontakt mit dem Alpenverein aufgenommen

Mit dem Alpenverein hat Schilling bereits Gespräche geführt. Ihnen könnte seine Ausarbeitung gut nützen, da sie relativ preisgünstig und in jedem Gelände einsetzbar sind. „Die Raumelemente werden der Umgebung angepasst“, sagt Schilling. Ermöglicht wird das durch das Bauklötze-Prinzip. Die verschiedenen Module können je nach Anforderung einzeln angeschafft und zusammengestöpselt werden. Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Die Höhenlage ist dabei egal, wobei sie sich für den Bereich der Baumgrenze am besten eignen. Wichtig ist Schilling aber, das sie ausschließlich zu Fuß erreichbar und nicht durch Forstwege oder Bergbahnen angebunden sind. Ob sein Konzept einmal serientauglich wird, weiß der Mittenwalder noch nicht. „Aber ich hätte schon Bock drauf.“

Das könnte Sie auch interessieren: 

Kameradschaft im Takt: Spielmannszug Gelting bekommt den Kulturpreis 2019

Falkenhütte wird saniert: Riesen-Projekt für 6,3 Millionen

Todes-Drama im Karwendel: Mann stürzt 150 Meter in die Tiefe

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Streit um Grundstück in Toplage am Staffelsee eskaliert
Der Streit um ein Uffinger Premium-Grundstück eskaliert. Nachdem der Gemeinderat eine alte Entscheidung revidiert und einen Hausbau verhindert hat, stellt die …
Streit um Grundstück in Toplage am Staffelsee eskaliert
Wegen Stau: Verkehrsteilnehmer begehen grobe Verstöße auf Autobahn 
Das schöne Wetter hat wieder zahlreiche Menschen am Samstag in den Landkreis gelockt. Die Folge: Stau. Bereits auf der Autobahn. Dem wollte so mancher Verkehrsteilnehmer …
Wegen Stau: Verkehrsteilnehmer begehen grobe Verstöße auf Autobahn 
Mann (22) verrichtet bei Faschingsball  Notdurft an unpassender Stelle - dann kommt‘s zum Gerangel
Er wollte offensichtlich nicht die Toilette aufsuchen. Weil der Murnauer seine Notdurft an anderer Stelle verrichtete, war der Faschingsball für ihn beendet.
Mann (22) verrichtet bei Faschingsball  Notdurft an unpassender Stelle - dann kommt‘s zum Gerangel
Aus alt und grauslich wird jung und schön: Altweibermühle wird reaktiviert 
Die Grainauer Altweibermühle wird an diesem Sonntag reaktiviert. Zwei Jahre hatte sie ihren Dornröschenschlaf gehalten.
Aus alt und grauslich wird jung und schön: Altweibermühle wird reaktiviert 

Kommentare