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Himmelfahrtskommando: Münchner verzetteln sich im Karwendel – einer trägt Leggings und kurze Hose

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Von: Josef Hornsteiner

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Bergwachteinsatz im November 2022 im Karwendel bei Mittenwald
Glück im Unglück: Kurz vor dem Abgrund kommt der Bergsteiger zum Liegen und kann gerettet werden. © Bergwacht Mittenwald

So ziemlich alles falsch gemacht haben am Wochenende drei Münchner bei ihrer Karwendeltour. Die Bergwacht Mittenwald rettete dank eines Helikopters ihr Leben.

Mittenwald – Keine Steigeisen, kein Eispickel, keine richtige winterliche Kleidung und nicht einmal Stirnlampen: Drei junge Männer aus München haben sich am Samstag mit ihrer Bergtour so richtig verzettelt – nicht nur bei der schlechten Ausrüstung. Ihr Ziel war die Westliche Karwendelspitze, die sie aber nicht mehr erreichen sollten an diesem Tag. Denn auf Höhe des zweiten Mastens der Karwendelbahn ist einer von ihnen auf Schnee und Eis abgerutscht.

Karwendelspitze: Bergsteiger aus München verzetteln sich – und haben Glück im Unglück

Nach 30 Metern blieb er kurz vor einem 100 Meter tiefen Abgrund mit Schürfwunden und einigen Prellungen liegen, hatte also gehörig Glück im Unglück. Ein weiterer des Trios hat sich auf einer Eisplatte verstiegen und kam weder vor noch zurück. Und zu guter Letzt ist noch ein vierter Mann, ebenfalls aus München, zu dem Trio gestoßen, wollte nicht mehr weiter gehen und ist ebenfalls mit dem Hubschrauber geholt worden.

Die Münchner haben bei ihrer Tourplanung am Samstag so ziemlich alles falsch gemacht, was es falsch zu machen gibt. Die Ausrüstung war in keiner Weise für eine solche winterliche Route geeignet. Sie gingen auch erst um 10.15 Uhr im Tal los, was bei den kurzen Tagen im Winter viel zu spät ist. Sie glaubten, die Karwendelbahn würde fahren – die hat jedoch wegen Revisionsarbeiten geschlossen. „Es wäre sicher schon dunkel gewesen, wenn sie oben angekommen wären und wieder absteigen hätten müssen“, sagt Benni Wollesen, Einsatzleiter der Bergwacht Mittenwald. Ohne Stirnlampen ein Himmelfahrtskommando.

Hubschrauber-Einsatz bei einer Bergrettung im Karwendel bei Mittenwald im November 2022
Mit dem Hubschrauber ins Tal müssen die vier Münchner gebracht werden. © Bergwacht Mittenwald

Um 11.45 Uhr ging der Alarm bei Wollesen und seinen Kameraden los. Mit dem Hubschrauber Christoph Murnau sind vier von ihnen mit Seilen, Bohrern und weiterer winterlicher Ausrüstung nach oben geflogen worden. Da sich die drei in der Nähe des Mastens und damit den Seilen der Bergbahn befanden, mussten sie zuerst an einen anderen Standort gebracht werden. Mit Seilgeländer sind die drei geholt und sicher in den Hubschrauber gewincht worden. Der vierte ging unabhängig von der Gruppe noch später im Tal los und hatte das gleiche Ziel. Als er jedoch die Schwierigkeiten sah, mit denen seine drei Vorgänger zu kämpfen hatten, traute er sich auch nicht mehr weiter.

Wetter-Entwicklung erleichtert Hubschrauberrettung

Bergwacht-Bereitschaftsleiter Heinz Pfeffer wiederholt gebetsmühlenartig, dass zur Zeit Winter auf dem Karwendel herrscht. „Nur ganz erfahrene Alpinisten, die rechtzeitig los gehen und die passende Ausrüstung haben, sollten so eine Tour zur Zeit machen.“ Die drei Münchner seien unerfahren gewesen, einer habe sogar nur eine Leggings mit kurzer Hose darüber angehabt. Pfeffer bittet, sich gut zu überlegen, wie weit hinauf man gerade steigt. Denn wenn der Schnee kommt, wirds schwierig.

Dass die Männer zügig gerettet werden konnten und um 16 Uhr im Tal waren, war lediglich dem guten Wetter zu verdanken. Denn als der Hubschrauber die letzten zwei Bergwacht-Kameraden wieder nach Mittenwald brachte, zog Nebel auf - und das hätte die Rettung wesentlich erschwert.

Ihre Tour zur Westlichen Karwendelspitze werden auch zwei Urlauber nicht so schnell vergessen. In felsigem und ausgesetztem Gelände war im Juni 2019 für sie plötzlich Endstation.

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