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Es geht bergauf: Bergwachtmänner unterwegs im Fels. 

Bereitschaft Mittenwald  legt Jahreszahlen vor

Bergwacht-Bilanz: Wieder zwei Tote zu beklagen

Kein Jahr ohne Tragödien: Die Bergwacht Mittenwald hat in den zurückliegenden zwölf Monaten insgesamt 130 Einsätze bewältigt. In zwei dramatischen Fällenkam jede Hilfe zu spät.

Mittenwald – Es ist für einen Bergretter immer der schrecklichste Einsatz, wenn aus einer Rettungsaktion eine Totenbergung wird. „Ich kann mich an kein Jahr mehr erinnern, in dem keine Toten zu beklagen waren“, bedauert Mittenwalds Bereitschaftsleiter Heinz Pfeffer bei der Präsentation der Jahresbilanz der Bergwacht Mittenwald.

Oftmals sind es kleine Fehler, die zum Tod führen – oder eine unglückliche Fügung. Wie Ende Juli, als ein 35-jähriger Münchner Arzt an einer im Grunde ungefährlichen Stelle am Mittenwalder Höhenweg in einen Steinschlag geraten war. Oder im Winter, als ein älterer Skifahrer auf der Dammkar-Route einen Herzinfarkt erlitt. Momente, in denen auch erfahrene Bergretter schlucken müssen.

Doch dann gibt es auch jene Tage, an denen so manch kurioser Einsatz für Kopfschütteln sorgt. Wie bei einer Alarmierung an einer Toilette am Lautersee. Eine Familie würde an Übelkeit leiden, hieß es. „Als wir ins Herrenklo gingen und den Mann beim Übergeben fanden, schickte er uns auch gleichzeitig in die Damentoilette“, erzählt Pfeffer. Dort durchlebte die Ehegattin die Hölle. Später sollte sich herausstellen, dass beide auf gut Glück frische Schwammerl aus dem Wald gegessen haben und dann an einer Pilzvergiftung erkrankten. „Ihr Kind war am gescheitesten und aß einfach keine.“ Der Kleine durfte auch auf seine leichtsinnigen Eltern aufmerksam gemacht und so die Alarmierungskette gestartet haben.

Der Hubschrauber hob in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt 38 Mal ab. Die Probleme bleiben jährlich die gleichen. „Falscheinschätzung gepaart mit Unwissenheit“ würde laut Pfeffer für die meisten Einsätze sorgen. „Kondition wird überschätzt und Berg-Routen unterschätzt“, legt der Bergwachtchef das übliche Dilemma dar.

Zu der Bilanz der 130 Einsätze hat er sämtliche Veranstaltungen wie den Skicross am Kranzberg oder den Zugspitz-Ultratrail gar nicht mehr eingerechnet. „Fast jedes Wochenende waren den Winter über Skirennen am Kranzberg oder im Sommer Wander-Events.“ Für die 86 aktiven Mitglieder und 17 Anwärter eine enorme Herausforderung.

Ärgerlich wird es dann, wenn Fehlalarme die Einsatzkräfte zusätzlich belasten. So wurde mit rund 30 Kameraden beim Zugspitz-Ultratrail nach einem vermissten Teilnehmer gesucht. Er sei zum verabredeten Zeitpunkt nicht am Zielort erschienen, soll dessen Lebensgefährtin dem Bereitschaftsleiter erklärt haben. Nach rund drei Stunden Suche dann ein Lebenszeichen. „Seine Freundin ortete ihn mit einer Handy-App.“ Dieser war allerdings nicht in Bergnot, sondern hatte sich kurzerhand in Grainau in sein Auto zum Schlafen gelegt und niemanden über seinen Ausstieg informiert.

Noch ärgerlicher wird es aber für den Bergwacht-Chef, wenn sich der vermeintlich Gerettete „noch aufregt, wenn wir ihm dann eine Rechnung stellen müssen“. Das sei aber glücklicherweise die Ausnahme. In der Regel würde die Arbeit der Bergretter sehr geschätzt werden. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren haben in jüngster Zeit besonders bei den Skifahrern die Kreuzbandverletzungen zugenommen. Auch Wanderer sind 2017 mehr unterwegs gewesen als sonst. Nicht wenige machten bei ihren Ausflügen schmerzhafte Erfahrungen – sei es ein Wespenstich, Kreislaufzusammenbruch oder eine allergische Reaktion.

Josef Hornsteiner

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