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Als Obdachloser verkleidet zog Sepp Zwerger (oben 2.v.r.) durch die Straßen und Gassen Mittenwalds.

Außergewöhnliche Spendenaktion beim Bozner Markt

Bettler für eine Woche 

Mittenwald - Es war eine einzigartige Erfahrung: Der Mittenwalder Architekt Sepp Zwerger ist während des Bozner Marktes als Bettler unterwegs gewesen. Dabei erlebte er wie es sich anfühlt, ausgeschlossen zu sein. Doch viele hatten auch Mitleid und warfen Geld in seinen Stoffbeutel. Den Betrag hat Zwerger jetzt für gute Zwecke gespendet.

Sepp Zwerger wollte während des Bozner Marktes einfach eine kleine Rolle übernehmen, um für den guten Zweck zu sammeln. Als mittelalterlicher Bettler zog er so durch die Straßen und Gassen und erbat eine monetäre Gabe für das Kinderheim Mauganest und für den Mittenwalder Waldkindergarten. Dass er gleich zwei wichtige Erfahrungen fürs Leben machen würde, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht: Nämlich wie es sich anfühlt, ganz am Boden zu sein, und wie groß das Herz vieler Menschen ist.

„Eine unglaubliche Erfahrung“ sei das gewesen. Anders kann es Zwerger – im richtigen Leben Architekt in Mittenwald – nicht bezeichnen. Als er die Idee hatte, beim Bozner Markt mitzuwirken, wusste er noch nicht so genau, was da auf ihn zukommen würde. Als Bettler wollte er gehen, ließ sich einen Bart wuchern, und seine Töchter fertigten ihm ein passendes lumpiges und verfilztes Gewand. Schon bei den Einlasskontrollen schaute der ein und andere Mitarbeiter der Security skeptisch. „Haben Sie eine Genehmigung dafür?“, erinnert sich Zwerger zwei Wochen später lachend an nur eine der vielen Fragen. „Ich muss anscheinend sehr authentisch ausgesehen haben.“ Mit einem „Glasauge“, einer Faschings-Kontaktlinse, und völlig verdreckt machte er wahrlich einen verhunzten Eindruck.

So wurde er auch an manchen Ständen nicht wieder erkannt und „weiter gebeten“, wie er erzählt. In seine Rolle vertieft gab er sich allerdings nicht zu erkennen und begriff so, wie es ist, abgewiesen und ausgeschlossen zu werden, auch wenn er es heute mit Humor nimmt. „Man ist ein armer Mensch, der nicht mehr zur Gesellschaft gehört“, beschreibt er seine Gefühle. Doch viele hatten auch Mitleid mit dem vermeintlichen Obdachlosen und warfen allerlei Münzen und sogar Scheine in seinen Stoffbeutel. Den Geschäftsleuten offenbarte er sich allerdings und erklärte ihnen, er sei Teil der Mitwirkenden und sammle für den guten Zweck, weshalb dort nochmal extra viel draufgelegt wurde.

„Anfangs hoffte ich, es würden wenigstens so 200 Euro werden in der Woche.“ Diesen Betrag hatte er aber schon nach wenigen Stunden eingenommen. Insgesamt sammelte er die Woche über 600 Euro. Den Betrag übergab er nun feierlich je zur Hälfte dem Kinderheim Mauganest und dem Waldkindergarten. „Wichtig ist mir, dass damit Kinderaktivitäten finanziert werden“, so seine Bitte. Christiane Hertkorn, Heimleiterin des Mauganests, zeigte sich begeistert: „Das war eine richtig tolle Idee.“ Zwerger bekam für sein Engagement von den Mitarbeitern und den Heimkindern großen Applaus.

Josef Hornsteiner

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