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Deutsche Bahn zahlt zu wenig: DB-Info-Stand in Mittenwald geschlossen

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Konsequenzen gezogen: Anja Döring gibt Bahnkunden in ihrem Reisebüro keine Informationen mehr.
Konsequenzen gezogen: Anja Döring gibt Bahnkunden in ihrem Reisebüro keine Informationen mehr. © Wolfgang Kunz

Die Deutsche Bahn stellt in rund 2700 Reisebüros mit DB-Lizenz den Fahrkartenverkauf in Städten und kleineren Gemeinden sicher. Allerdings nicht mehr in Mittenwald. Denn der im Bahnhof beim Reisebüro Döring eingerichtete DB-Info-Stand wurde am vergangenen Montag geschlossen.

Mittenwald - Seit dieser Woche gibt es im Mittenwalder Bahnhof keinen DB-Info-Stand mehr. Das hat primär handfeste monetäre Gründe. „Die DB hat in jüngster Zeit nur noch minimale Provisionen für unsere Arbeit gezahlt“, begründet Reisebüro-Leiterin Anja Döring ihren Schritt. Dabei soll ihr zufolge die Arbeit immer mehr und vor allem zeitaufwendiger geworden sein. „Schließlich beraten wir ja auch DB-Kunden aus Tirol und dem Oberen Isartal.“

Nachdem die DB nicht bereit war, die seit Jahren stagnierende Vergütungspauschale moderat anzuheben, war für die Mittenwalderin die Entscheidung gefallen. Den stetig wachsenden Arbeitsaufwand beschreibt Döring mit einem Beispiel. Viele ältere Fahrgäste reisen mit einem mit Hilfe ihrer Kinder oder Enkel im Internet ausgedruckten Online-Ticket an. „Wenn dann durch den Lokführerstreit wie im September 2021 Ersatzverbindungen nötig sind, werden wir kontaktiert und müssen zeitaufwendige Ersatzverbindungen heraussuchen.“

Trotz der Corona-Pandemie hätte ihr Reisebüro stets im Sinne der DB mitgezogen. „Die vergangenen zwei Jahre war unser DB-Stand immer offen, denn wir haben uns als erste Anlaufstelle für DB-Reisende in Mittenwald gesehen. Dies wurde nicht honoriert.“ Schlimmer noch: „Zum Schluss haben wir sogar draufgezahlt.“

Bürgermeister schaltet sich ein

Auch das Einschalten der Marktgemeinde und der Tourismus-GmbH Alpenwelt Karwendel hat nichts genutzt. Bei einem Treffen von Döring mit Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) und Alpenwelt-Geschäftsführerin Sabrina Blandau soll ein Vertreter der DB verdeutlicht haben, dass sein Unternehmen nicht bereit sei, die Pauschalvergütung zu erhöhen. Stattdessen wolle man lieber mit Verweis auf den Ticket-Automaten auf einen DB-Info-Schalter in Mittenwald verzichten.

Eine Stellungnahme, die im Rathaus doch Verwunderung ausgelöst hat. Auf jeden Fall sah man sich in der Gemeindeverwaltung zu einer Reaktion genötigt. So ließ Rathauschef Corongiu im Verbund mit der Tourist-Information einen Servicestand im Bahnhof aufstellen. Zudem schaltete der Bürgermeister den Bayerischen Gemeindetag ein und bat um eine rechtliche Einschätzung bezüglich einer finanziellen Unterstützung des Reisebüros Döring. „Da eine solche Förderung eines Betriebs rechtlich nicht zulässig ist“, teilt Corongiu mit, „haben wir darüber nachgedacht, das Reisebüro Döring als erste Anlaufstelle der Tourist-Info zu werten“ – verbunden mit einer 450-Euro-Monatspauschale.

Bevor dieser möglichen Variante aber am kommenden Montag durch den Aufsichtsrat der Alpenwelt Karwendel und der Gesellschafter-Versammlung zugestimmt werden konnte, hat Döring beschlossen, den DB-Stand ganz zu schließen. Und das aus nachvollziehbarem Grund: „Umgerechnet hätten wir – und das auch noch ganz im Sinne der Deutschen Bahn – für einen effektiven Stundenlohn von gerade einmal zwei Euro gearbeitet.“

Eine bittere Pille für alle Zugreisenden und Urlaubsgäste. „Für meine treuen Bahnkunden tut mir dieser Schritt unendlich leid“, bedauert Döring. Ihr Reisebüro bleibt aber Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils von 9 bis 12 Uhr und nach Terminabsprache geöffnet. Wolfgang Kunz

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