Haarige Gesellen: Die Landsknechtgruppe, unter anderem mit Stefan Simon (2. v. l.), Stephan Pfeffer (6. v. l.) und Hermann Baier (3. v. r.), sorgte mit ihrem verwegenen Aufsehen beim Bozner Markt 2007 für Aufsehen. foto: tomaschek

Bozner Markt 2012: Stefan Simon der erste Vorbote

Mittenwald - Einen Haar-Erlass wie in Oberammergau gibt es in Mittenwald zwar nicht. Trotzdem verzichten gut acht Monate vor dem Bozner Markt schon jetzt einige freiwillig auf den Rasierer.

„Da muss ich durch.“ Dieser Satz kommt Ines Simon so überzeugend über die Lippen, dass man der Mittenwalderin ihr „Leid“ sofort abnimmt. Begonnen hat es vor gut drei Monaten. Denn Mitte August entschied Simons Ehemann Stefan, den Bart sprießen zu lassen - nicht ganz ohne Grund. Denn im August 2012 (4. bis 12.) hält der Bozner Markt die Karwendelgemeinde wieder acht Tage in Atem. Und da will der 46-Jährige vom Historischen Spielmannszug natürlich bestens vorbereitet sein. „Das zieh’ ich durch“, gab er seiner Gemahlin mit auf den Weg. „Die Marktwoche ist schließlich nur alle fünf Jahre.“ Gleichwohl räumt er ein, dass hinter jedem Mannsbild zumeist „eine Frau steht“. Und nicht jede sei wohl so tolerant wie seine Ines.

Der Hang zum Haar lässt sich generell nicht mehr weg diskutieren beim Spielmannszug, findet dessen Vorsitzender Thomas Lutz. „Aber beim Stefan ist’s am offensichtlichsten.“ Einen Haar- oder Bart-Erlass wie in Oberammergau gut ein Jahr vor den Passionsspielen gibt’s in Mittenwald zwar nicht, aber wer im August 2012 als musizierender mittelalterlicher Landsknecht durch die Straßen ziehen will, steht zumindest beim Spielmannszug vor der Frage: Vollbart oder ganz kahl im Gesicht?

Für Variante eins hatte sich beim letzten Historienspektakel 2007 der langjährige Spielmannszug-Vorsitzende Bernd Weißmann - sonst Schnauzbart-Träger - entschieden. Sein Nachfolger Lutz glaubt, dass von den „Historischen“ etwa 60 Prozent das Gestrüpp im Gesicht bevorzugen - und da ist wie gesagt Stefan Simon der absolute Vorreiter. Während die meisten der Mittenwalder Landsknechte frühestens nach Weihnachten und spätestens ab Aschermittwoch der Natur freien Lauf lassen, verzichtet er bereits ein Jahr vor dem Bozner Markt auf den Rasierer. „Ich hab’s ihm nicht ausreden können“, seufzt seine bessere Hälfte. Doch Ines Simon hält die Hoffnung aufrecht, dass der Rauschebart am 12. August 2012 wieder verschwunden sein wird. Dann nämlich werden die haarigen Gesellen auf der Bühne dem Barbier ans Messer geliefert.

Hermann Baier hat diese Proze„schur“ genauso überlebt wie der Zeremonienmeister der Marktwoche, Stephan Pfeffer. Wann Baier den - hauptsächlich blonden - Bart wieder sprießen lässt, ist noch nicht entschieden. Denn erstmals muss sich der Verwaltungsangestellte als Ordnungsamtschef im Rathaus um die öffentliche Sicherheit kümmern. Da bleibt für das Landsknecht-Dasein wohl nicht mehr so viel Zeit. cs

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