350 Zuschauer beim Eröffnungsspiel in der Hochstraßen-Arena.
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350 Zuschauer beim Eröffnungsspiel in der Hochstraßen-Arena.
Mit dem Stück „Wein, Pest und Hexenjagd – Schicksale während des Bozner Marktes“ wurde am Freitag das historische Spektakel in Mittenwald fulminant eröffnet.
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Mit dem Stück „Wein, Pest und Hexenjagd – Schicksale während des Bozner Marktes“ wurde am Freitag das historische Spektakel in Mittenwald fulminant eröffnet.
Betrunkener Erzähler: Mönch Bacchus (Andreas Sailer).
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Betrunkener Erzähler: Mönch Bacchus (Andreas Sailer).
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Der Hexerei bezichtigt: Zu Fabrizios (Gerhard Schöner) Entsetzen wird Margarethe (Burgi Benedetti) abgeführt.
Mit dem Stück „Wein, Pest und Hexenjagd – Schicksale während des Bozner Marktes“ wurde am Freitag das historische Spektakel in Mittenwald fulminant eröffnet.
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Mit dem Stück „Wein, Pest und Hexenjagd – Schicksale während des Bozner Marktes“ wurde am Freitag das historische Spektakel in Mittenwald fulminant eröffnet.
Mit dem Stück „Wein, Pest und Hexenjagd – Schicksale während des Bozner Marktes“ wurde am Freitag das historische Spektakel in Mittenwald fulminant eröffnet.
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Mit dem Stück „Wein, Pest und Hexenjagd – Schicksale während des Bozner Marktes“ wurde am Freitag das historische Spektakel in Mittenwald fulminant eröffnet.
Mit dem Stück „Wein, Pest und Hexenjagd – Schicksale während des Bozner Marktes“ wurde am Freitag das historische Spektakel in Mittenwald fulminant eröffnet.
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Mit dem Stück „Wein, Pest und Hexenjagd – Schicksale während des Bozner Marktes“ wurde am Freitag das historische Spektakel in Mittenwald fulminant eröffnet.
Mit dem Stück „Wein, Pest und Hexenjagd – Schicksale während des Bozner Marktes“ wurde am Freitag das historische Spektakel in Mittenwald fulminant eröffnet.
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Mit dem Stück „Wein, Pest und Hexenjagd – Schicksale während des Bozner Marktes“ wurde am Freitag das historische Spektakel in Mittenwald fulminant eröffnet.

Bozner Markt eröffnet

Hexenjagd in Media Silva

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Fulminante Eröffnung des Bozner Markts: Mit einem packenden Drama um Liebe, Neid und Hass haben die Theaterer um Spielleiter Georg Sailer das begeisterte Publikum zurück ins Mittelalter katapultiert.

Mittenwald – Er hat es sich in den Kopf gesetzt: Er will sie, die hübsche Margarethe (Andrea Stieglmeier). Zumindest für einen G’Spaß. Bartholomäus (Georg Maller junior) interessiert’s nicht, dass sie längst mit Fabrizio (Andreas Schöner) anbandelt. Ausgerechnet mit einem Venezianer. Mit seiner ganzen Arroganz fordert er die Tochter des Totengrabers zum Tanz auf, muss sie doch froh sein, dass er, der tolle Hecht, um jemanden wie sie buhlt. Sie spurt aber nicht, gibt ihm einen Korb. Mit so einem „niederträchtigen, ekelhaftem Wurm“ würd’ sie sich nicht einlassen, schreit sie ihn an und verkündet die Verlobung mit ihrem Liebsten. Die Abfuhr sitzt. Tief. So lässt sich Bartholomäus nicht abspeisen. Er schwört Rache. „Das wird ein Nachspiel haben.“ Da nimmt seine Drohung aber noch niemand ernst.

Es ist eine Schlüsselstelle im Stück „Wein, Pest und Hexenjagd – Schicksale während des Bozner Marktes“, mit dem am Freitag das historische Spektakel in Mittenwald fulminant eröffnet wurde. 350 Zuschauer, darunter zahlreiche Ehrengäste wie die Landtagsabgeordneten Harald Kühn und Martin Bachhuber, der Chef des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Robert Kopp, und des Landeskriminalamts, Robert Heimberger, oder Ehrenbürgerin Martina Beck. Sie alle waren zur Bühne auf der Hochstraße gekommen, um dieses Unikat mitzuerleben, den besonderen Geist zu fühlen und etwas über die Geschichte Mittenwalds zu erfahren. Sie sollten nicht enttäuscht werden.

Zum zweiten Mal stellten Vater Georg Sailer als Regisseur und Sohn Andreas als Autor sowie ihre zahlreichen Helfer und insgesamt 110 Laiendarsteller – allesamt aus Mittenwald – ein authentisches Werk auf die Beine, das einen in das Media Silva des 16. Jahrhunderts zurückversetzte. In eine Zeit, als die venezianischen Handelsleut’ aufgrund des Kriegs von Herzog Sigismund von Tirol für ihre Geschäfte einen Ort der Sicherheit suchten und im Oberen Isartal fanden. Als der süffige Wein in das Dorf nördlich der Grenze kam, und die Italiener so manch einem Einheimischen den Wohlstand brachten. Einheimischen wie Bartholomäus und seinem Vater, die die „dreckigen Zigeuner“ dennoch verabscheuten.

Dreifachbesetzung

Autor Sailer hat drei Zeitebenen kreiert. Rollen wie die von Fabrizio oder der Margarethe gibt es in Dreifachbesetzung. Als Kinder, als junge Erwachsene, als älteres Ehepaar. Die Sprünge wurden geschickt gelöst, beispielsweise mit Musik von Tre Silvana. Er selbst mimt Bacchus – den weinseligen Mönch, der als Erzähler durch die Inszenierung führte und viele Lacher erntete. Hicksend, lallend, schwankend. Aber mit der notwendigen Ernsthaftigkeit. Gemeinsam mit allen Mitwirkenden schickt er das Publikum auf eine Reise in die Vergangenheit. Eine, die unter die Haut ging.

„B‘suffenes Wogscheitl“

Das „b’suffene Wogscheitl“, wie ihn die Wirtin (Hanna Veit) bezeichnet, sitzt in der Taverne, sinniert über den Schwarzen Tod. Darüber, dass die Mittenwalder die Waren aus Augsburg in ihre Ballenhäuser neig’stopft haben, weil sie nicht mehr nach Innsbruck wollten. Aus dieser Richtung, vermutete man, verbreitete sich die heimtückische Krankheit, die viele Menschen dahinraffte. 50 fielen ihr in Mittenwald zum Opfer. Als Bacchus davon redet, betreten düstere Gestalten zu tiefen Trommelklängen die Bühne, Fackeln erleuchten die Dunkelheit. Oben auf der Empore der Tavernen-Kulisse schreitet eine unheimliche Figur mit Pestmaske hin und her. Es sind Szenen wie diese, die den Zuschauer bei den Emotionen packen, sie erschaudern lassen, weil sie einen wahren Kern haben.

Stimmiges Stück

Den Darstellern gelang es, Ängste zu transportieren. Aber auch Neid, Klassenunterschiede und Feierfreude der Markt-Zeiten zu übermitteln. Dazu diente ihnen ihre ausdrucksstarke Mimik und Gestik, aber auch die Kulisse und originalgetreuen Kostüme. Das perfekte Gesamtpaket.

Alles war stimmig bei dem Stück. Nur einer blieb verstimmt: Bartholomäus. Mittlerweile ist er Wirt der Taverne. Aber die Zurückweisung von Magarethe, die hat er noch immer nicht verkraftet. Er will sie sterben sehen. Wieder ertönen die Trommeln. Der Hexenfinder Christoph von Biberach (Matthias Wurmer) samt Gefolge und zwei gefangenen Frauen marschieren auf die Bühne.

Meister mit Peitsche

„Fromme Weiber flieht über alle Berg“, brüllt eine der beiden verzweifelt dem Publikum entgegen. Sie werden der Hexerei beschuldigt, als Bartholomäus (Matthias Höller) Margarethe (Burgi Benedetti) der gleichen Tat bezichtigt. Oben auf der Taverne steigt der Rauch auf, die „Hexe“ Zott wird verbrannt. Sieben Mittenwalder „Weiber“ ereilte dieses Schicksal. Dann fällt das Urteil für Margarethe. Die Zuschauer starren gebannt auf Meister Christoph in seinem schwarzen Gewand mit Peitsche. Nichts war mehr zu hören, nur das Knistern der ausgeteilten Regenponchos – pünktlich zu Beginn des Stücks begann es zu tröpfeln – durchbrach die Stille. Unschuldig.

Perfider Plan scheitert

Bartholomäus perfider Plan ging nicht auf. Sein Untergang in Mittenwald. Er zog davon – und Fabrizio und Margarethe als Wirte in der Taverne ein. Mit einem ballo  grande mit Musik, Feuershow- und spuckern und jeder Menge gute Laune entließen die Theaterer das applaudierende Publikum in die Nacht. Um in den nächsten Tagen das zu tun, was Bürgermeister Adolf Hornsteiner ihnen bei seiner Ansprache geraten hat: Den Bozner Markt zu Mittenwald zu feiern.

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