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Urig und gemütlich ist es in Pfeffers Silva der Wirtsleut Ines und Stephan Pfeffer. Auch „Gurkenkönig“ Günther Beck gefällt‘s.

Eines ist überall gleich: der Wein

Schänken-Check am Bozner Markt

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Anti-Rausch-Gurken, ungarische Schmankerl oder Griebenschmalzbrot: An 18 Ständen wird am Bozner Markt für das leibliche Wohl gesorgt – darunter sind fünf neue Schänken. Jede hat ihreigenes Flair.

Mittenwald – Wer über den Bozner Markt schlendert, taucht ein in eine andere Welt. Eine, in der Gaukler, Handelsleut’ und Handwerker ihre Waren herstellen und verkaufen. Eine, in der der Zeitgeist des Mittelalters herrscht. Durch Musik und Theater zum Beispiel. Und eine, in der sich sowohl Einheimische als auch Besucher in den vielen Schänken mit Spezialitäten von früher und süffigem Wein stärken können. Fünf davon feiern bei der achten Auflage des Historienspektakels Premiere. Das Tagblatt stellt sie im Kurzporträt vor:

Romantik in der Rottschänke

Die Männer von der Rottschänke: (v. l.) Josef Zunterer, Franz Lipp, Hannes Hornsteiner, Franz Veit, Hias Weiß, Peter Plötze, Johann Hörmann und Christoph Wörnle.

Der Platz ist nicht neu: Dort, wo bisher die Danzerschänke untergebracht war, kümmern sich nun Josef Zunterer junior und seine Freunde in der Rottschänke um die Gäste. Neun Leut’ sind im Einsatz, um die Besucher zu bewirten – mit der „besten Brotzeit auf der Rottstraß’“, wie Franz Lipp verschmitzt und mit rauchiger Stimme sagt. Zum Beispiel gibt’s Radieserl-Aufstrich oder Roggenweckerl mit Speck und Kaas. Das Reich der „Ernie-und-Bert“-Truppe bietet Sitzgelegenheiten draußen neben dem Weinfassl, aber auch drinnen – in einem Hausgang, an dessen alten Gemäuern Pferdegeschirr als Deko hängt. Fast schon ein bisschen romantisch wird’s bei Kerzenschein an den Holztischen.

Ungarische Kesselhexe mit Logenplatz

Sie gehört nicht zu den Alteingesessenen in Mittenwald, bringt sich aber schon ins Ortsgeschehen ein: Erst im Dezember eröffnete Katalin Puszta das „Espetada“ an der Hochstraße. Jetzt verwöhnen die Frau mit den Haarbändern in den grün-weiß-roten Landesfarben und ihr Familie die Bozner-Markt-Besucher an dem Stand der Ungarischen Kesselhexe mit Köstlichkeiten aus ihrer Heimat. „Wir haben nicht nur Spieße und Burger“, sagt sie. Immer abwechselnd reicht einer aus dem Fünfer-Team Rindergulasch, Brot von der Mama oder Ziegenkäse und Bratwürste aus Ungarn über die Theke. Und die hat einen Logenplatz: direkt an der Hauptbühne.

Die schönsten Bilder vom Bozner Markt in Mittenwald

Zwei-Liter-Krüge in der Wolfshöhle

Einheimische wie Auswärtige stehen Schlange. Die Wolfshöhle um Rudelführer Christopher Leyrer hat sich schon in den ersten Tagen zum Besuchermagneten gemausert. Das alte Blacky’s – nicht wiederzuerkennen. Die 16 Stammtisch-Brüder trumpfen mit urigen Kellergewölben in gedimmtem Licht auf – und mit Öffnungszeiten bis Mitternacht. Solange können sich die Gäste zum Beispiel mit fester Nahrung wie dem frischen Braten aus dem Brotbackofen stärken oder mit flüssiger in Form von Bier, Schnaps und Wein. Für die ganz Durstigen werden die Getränke sogar in Ein- und Zwei-Liter-Krügen ausgeschenkt. 100 Sitz- und 80 Stehplätze gibt’s an dem gemütlichen Ort zum Versumpfen. Schon jetzt ist Leyrer voll zufrieden – trotz der Strapazen. Die Spezln und ihre Partnerinnen wechseln sich im Dienst ab – alle zehn bis zwölf Stunden. Tageslicht? Sehen sie selten. „Das hat schon was von Höhlenmenschen.“

Schützenschänke als Rückzugsort

Die Gebirgsschützen schenken reinen Wein ein: (v. l.) Simon Hornsteiner, Magdalena Okelmann und Norbert Lang.

Historisches Flair pur: Zum ersten Mal sind die Mittenwalder Gebirgsschützen im altehrwürdigen Schreyögg-Anwesen eingezogen. Früher schenkten die Mitglieder den Roten an einem Stand aus, jetzt laden sie die Gäste in den angenehm-kühlen Gewölbe-Gang des Hauses ein. Der absolute Pluspunkt: „Hier ist alles noch original“, sagt Roland Spornitz. Abgesehen vom Fußboden – sie schützten ihn mit Laminat – und dem Rundbogen, der den Schankraum vom Lager und der Küche trennt. „Wir sind glücklich, dass wir hier reindurften“, betont der Hauptmann. Zum einen wegen der Atmosphäre, zum anderen wegen der Schutzfunktion. „Bei Regen wären wir mit unserem Stand eingegangen.“ Nur einen Wermutstropfen gibt’s für die rund 40 in Schichten eingeteilten Helfer: Das Taubenstechen muss heuer aufgrund der Platznot vor dem Eingang entfallen.

Silva: Gemütlichkeit statt Massenandrang

Es ist ein absoluter Renner. Schon am ersten Markttag mussten Ines und Stephan Pfeffer für Nachschub sorgen: Ihre sauer-scharfen Essiggurken waren ausgegangen – das Anti-Rausch-Essen schlechthin. Nach ihrem Verzehr kann es mit der Trinkerei „wieder von vorne losgehen“, sagt die Wirtin und lacht. Dabei mag es das Ehepaar lieber ein bisschen gemütlicher, „kleiner und keine Masse“. Passend zu dieser Einstellung haben die beiden ihre Schänke hergerichtet. Draußen zwei Bankerl mit Tischen am Ausschank, im Innenbereich 30 lauschige Platzerl. Das Silva ist für so manchen Mittenwalder fast schon ein Geheimtipp. Denn die Pfeffers haben würzigen Speck aus Lana im Angebot. „Das ist kein Touristenspeck“, sagt der langjährige Künstlerische Leiter der Marktwoche. Um 22 Uhr macht das Ehepaar aber die Schotten dicht. Dann setzt sich die Silva-Achter-Mannschaft zusammen. „Darauf bestehe ich“, sagt die Wirtin.

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