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Haarige Angelegenheit: Die Mannsbilder vom Spielmannszug lassen es wachsen.

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Bozner Markt: Wenn’s sprießt und juckt

Einen Haar- und Bart-Erlass wie beim Oberammergauer Passionspiel gibt es in Mittenwald nicht. Dennoch wuchert es gut vier Monate vor dem Bozner Markt wieder in den Gesichtern vieler Mannsbilder. Ganz besondere Prachtexemplare findet man beispielsweise beim Historischen Spielmannszug.

Mittenwald – Der Bozner Markt ist erwachsen geworden. Bei einem Mitwirkenden sticht das regelrecht ins Auge: Schorsch Maller (28). Vor zehn Jahren marschierte er noch mit leichtem Flaum im recht jugendlichen Gesicht als Landsknecht durch Mittenwald. Heute sieht das bei dem Landschaftsgärtner völlig anders aus. Sein Bart hat inzwischen eine stattliche Länge erreicht. Was nicht weiter verwundert. Schließlich lässt er ihn seit Kirchweih 2016 wachsen. „Wenn schon, dann g’scheit“, lautet sein Motto.

Ja, steht das Historien-Spektakel in der Marktgemeinde alle fünf Jahre auf dem Programm, dann sprießt’s und juckt’s bei den Mannsbildern unterm Karwendel. Eine wirklich haarige Angelegenheit.

„Manche sträuben sich bis zum Schluss“, erzählt Hermann Baier (44) vom Organisationskomitee. Doch der Amtsleiter im Rathaus geht wie immer mit gutem Beispiel voran. Und was sagt seine Frau Bernadette dazu? „Ihr gefällt’s, solange der Bart nicht schneeweiß ist.“

Dieser biologische Faktor ist bei Zweitem Bürgermeister Gerhard Schöner (57) längst eingetreten. Schon bei der letzten Auflage des Bozner Markts im August 2012 schimmerte es überwiegend grau bei ihm durch. Marke Almöhi, würden Spötter sagen. Ihn selbst erinnert’s mehr an den Nikolaus, wenn er morgens in den Spiegel blickt. „Aber das hat schon was“, findet Schöner auch irgendwie Gefallen an dem Gewächs. Nur beim Essen wird’s haarig. „Auf Spaghetti Bolognese verzichte ich momentan lieber.“ Denn trotz aller Sorgfalt bleibt meistens doch der eine oder andere Speiserest im Gesichts-Dschungel hängen.

Davon kann auch Hans Maller (37) vom Historischen Spielmannszug ein Lied singen. Wie sein Cousin Schorsch lässt’s der „Zweckl“ nicht nur im Gesicht, sondern auch auf dem Kopf wachsen. Man könnte fast meinen, er bewirbt sich um eine Hauptrolle bei der Oberammergauer Passion. Andere wiederum finden, er hätte etwas rockstar-mäßiges mit seiner langen Mähne. „Jedenfalls bekomme ich mitunter sogar Komplimente.“ Sein Bart, den er jeden Tag wäscht und pflegt, hat mittlerweile sogar einen gewissen Kuschelfaktor. „Der ist ganz weich und geschmeidig.“ Vorbei die Zeit, als Maller die Juckerei ordentlich fuchste.

Richtig schlimm sei’s nur in den ersten Wochen gewesen, klärt hierzu sein Cousin auf. Für Schorsch Maller nimmt die tägliche Bartpflege inzwischen einen wichtigen Stellenwert ein: Bartöl, Bart-Shampoo, kämmen. Ansonsten lässt er der Natur freien Lauf. Gestutzt oder geschnitten wird nichts. „So wie’s wächst, wächst es eben.“ Seine Freundin Steffi Reindl hat sich wohl oder übel an ihren stacheligen Schorsch gewöhnt. „Begeistert ist sie nicht“ räumt ihr Herzblatt ein. Im Gegenteil: „Sie ist froh, wenn der Bart wieder weg ist.“

Doch da wird sich Mallers bessere Hälfte noch in Geduld üben müssen. Denn die üppige Pracht wird erst am Schlusstag der Marktwoche, am 13. August, bei der traditionellen, öffentlichen Schur im Obermarkt verschwinden – eine Fetzengaudi für die Beteiligten und das weinselige Publikum.

Die Mittenwalder Bart-Empfehlung – natürlich basiert alles auf Freiwilligkeit – soll laut Hermann Baier auf einen der geistigen Väter des Bozner Markts zurückgehen: auf den bekannten Bildhauermeister Sebastian Pfeffer. Der äußerte die Bitte, dass gerade das niedere Fußvolk, Kaufleute und Landsknechte auf den Rasierapparat verzichten sollten. Schließlich will man ein authentisches Historien-Spektakel bieten. Und im ausgehenden 15. Jahrhundert hatten vornehmlich die edlen Leut’ und der hohe Klerus das Privileg und vor allem die Zeit, zur ausgiebigen Körperpflege.

Christof Schnürer

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