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Mittenwald taucht wieder ein ins Spätmittelalter.

Mittenwald rüstet sich für Historienspektakel 

Wein, Pest und Hexenjagd beim Bozner Markt

Seine Feuertaufe hat Andreas Sailer 2012 bravourös bestanden. Damals feierte der Dramaturg mit seinem Bühnenstück „1487 – Wie die Venezianer nach Mittenwald kamen“ Premiere. Heuer zeigt er bei der Eröffnung des Bozner Markts, was aus den italienischen Kaufleuten in Mittenwald geworden ist.

Mittenwald – Der Sitzungssaal im Rathaus ist gut gefüllt, die meisten Anwesenden zieren bereits ein fülliger Bart und lange Haare. Viele bekannte Gesichter sind darunter, sei es Matthias Wurmer (Schmitzer), der vor fünf Jahren den lispelnden Schergengehilfen spielte, Andreas Schöner, einst ein unglückseliger venezianischer Kaufmann, oder Andrea Knilling, die fesche Gräfin mit großem Herz. Allesamt zeigten 2012 bei der großen Bozner-Markt-Eröffnung auf der Hochstraße eine Glanzleistung der Laienschauspiel-Kunst.

Doch keiner überraschte und prägte das restliche Markttreiben so wie er: Johann Graf von Gaudenz, gespielt von Matthias Höller. Die damals noch bühnenunerfahrene EDV-Fachkraft der Marktgemeinde Mittenwald brillierte förmlich in der Rolle als hinterlistiger Schurke. In allen Schenken war noch Tage nach der Aufführung zu hören: „Schafft Wein herbei, Graf Gaudenz ist bei Laune“, dem Handgeklapper und Jubel-Rufe folgten.

An diesem Dienstagabend sitzt Höller abseits in einer der letzten Reihen und verfolgt aufmerksam, wie Georg Sailer die diesjährigen Sprechrollen unter den anwesenden Mittenwaldern verteilt. „Bartholomäus ist ein bösartiger Charakter“, erläutert Sailer. Für ihn kommt nur einer in Frage: „Höller Hias“, verliest er. „Du hast letztes Mal Deine Rolle so überzeugend gespielt, da könn’ ma jetzt keinen Liebhaber aus Dir machen“, sagt Sailer mit einem Schmunzeln.

In den zwölf Akten des Stücks werden drei Generationen auf der Bühne stehen. Die meisten Rollen sind dreimal besetzt – als Kinder, als junge Erwachsene und im betuchteren Alter. Einzig Andreas Sailer selbst wird als Bettelmönch Bachus als Erzähler die gesamte Aufführung über zu sehen sein. Den roten Faden durch die Inszenierung werden „ein Liebespaar und ein Bösewicht“ ziehen. Wer was spielt, wollen die beiden Sailers noch nicht verraten. „Die meisten standen 2012 schon auf der Bühne.“

Nur so viel vorab: Das Liebespaar Margarete und Fabrizio entspringt zwar der Fantasie von Andreas Sailer, „könnte aber durchaus zur damaligen Zeit so gewesen sein“. Fabrizio wird dabei als junger Erwachsener von Andreas Schöner verkörpert, im fortgeschrittenen Alter von seinem Vater Gerhard.

Das Stück spielt einige Jahre nachdem der Bozner Markt nach Media Silva verlegt wurde. „Ich dachte mir, da müssen doch sicher viele interessante Geschichten passiert sein in den 200 Jahren, in denen der Markt hier stattfand“, verrät Andreas Sailer. Spielen wird die Aufführung zwischen 1511 und 1589. Auch wenn wieder „einige heitere Aspekte“ die Zuschauer zum Lachen bringen, ist die Thematik dramatischer als noch vor fünf Jahren. „Das Stück endet mit dem Beginn der Hexenprozesse im Werdenfels.“ Hiervon waren auch Frauen aus Mittenwald betroffen.

Bürgermeister Adolf Hornsteiner, der auch heuer wieder eine kleine Rolle übernehmen will, lobte im Zuge dieses ersten Zusammentreffens im Rathaus „das Engagement, dass die Mittenwalder hier wieder an den Tag legen“. Trotz „eines strikten Alkoholverbots im Rathaus“ wurde an diesem Abend eine Ausnahme gemacht und mit Wein auf ein gutes Gelingen angestoßen.

Josef Hornsteiner

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