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Lauge marsch: Braumeister Markus Hirthammer präpariert die alten Holzfässer. 

Historien-Spektakel in Mittenwald 

Bozner Markt: Willkommen im Raritäten-Depot

Über 40 hölzerne Weinfässer werden momentan in der Brauerei Mittenwald für ihren Einsatz in genau einem Monat beim Bozner Markt vorbereitet. Eine großeHerausforderung, schließlich sind die Ältesten über 115 Jahre alt.

MittenwaldIm Vorfeld des Bozner Markts (5. bis 13. August) geht es nun auch in der Brauerei Mittenwald rund. Dort werden aktuell die historischen Weinfässer für das farbenprächtige Spektakel präpariert. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich ein Blick in die Historie.

Neben Wasser gab es nur noch wenige Getränke im Mittelalter, die von der damaligen Bevölkerung regelmäßig getrunken wurden. Oft kam es vor, dass sie sich eine Vergiftung durch verseuchtes Wasser holte. Dadurch nahm Alkohol einen erheblichen Platz neben dem Wasser ein. Zwar wussten die Menschen seinerzeit noch nichts von Bakterien und wie diese abgetötet werden können. Allerdings merkten sie durch Probieren, dass der Genuss von Wein keine negativen Folgen hatte.

Somit wurde auch in Mittenwald der Rebensaft noch lange vor dem Bier verköstigt. Die Kaufleute aus Italien, wo seit Römerzeiten der Weinbau heimisch ist, transportierten hektarweise das edle Getränk nach Media Silva. Logistisch war dies eine beispiellose Herausforderung. „Das wichtigste Transportmittel für Flüssigkeiten damals war das Holzfass“, weiß Mittenwalds Braumeister Markus Hirthammer. „Bis in die 1960er Jahre waren sie im Einsatz.“ Auch in der Brauerei Mittenwald standen bis zu jener Zeit eigens Fassbinder in Arbeit und Brot, welche die wichtigen Barriques anfertigten.

„Das sind unsere eigenen“, erzählt Hirthammer, als er auf ein 22-Liter-Fass deutet, auf dem in gut lesbaren Lettern „J. Neuner“ steht. Eines der ältesten ist auf die Jahreszahl 1902 datiert. Doch wie hat man es geschafft, ein solch sensibles Naturprodukt wie Holz über ein ganzes Jahrhundert zu erhalten? Denn aussortiert müssen alle fünf Jahre „nur ganz wenige Fässer“ werden.

Das A und O ist die richtige Pflege. „Wir haben sie nach der Fasnacht vom Dachboden geholt“, sagt der Braumeister. Dort warten sie mit Planen zugedeckt alle fünf Jahre auf ihren Einsatz. Denn bis auf wenige interne Törggelen-Abende werden sie nur für den Bozner Markt verwendet. „Zuerst müssen sie gewässert werden.“ Dadurch quillt das Holz auf und verschließt die Haarrisse und macht das Fass dicht. Bei gröberen Lücken ab etwa einem Millimeter muss das Behältnis gleich ganz „im Wasser gebadet werden“.

Dieser Prozess dauerte von der Faschingszeit bis jetzt. An diesem Montag begann die Reinigung. Hirthammer nimmt eines der wuchtigen Fässer und leert es. Mit einem Wasserschlauch spült er das Fass mit einer leichten Lauge aus. „Das muss ganz schnell gehen, sonst würde sich die Lauge im Holz ansetzen.“ Nach dem Spülen wird das Fass mit einem natürlichen Desinfektionsmittel befüllt.

Ende Juli darf dann endlich der Wein rein. Über 40 Fässer müssen die Brauerei-Angestellten bearbeiten, ehe das Mittelalter-Spektakel am 5. August beginnt. Die Größen sind dabei komplett unterschiedlich. Die Schänken werden mit Fässern zwischen 20 und 100 Litern beliefert. Vergriffen sind bereits alle. „Wir holen auch noch einige von den Südtiroler Keltereien“, teilt Hirthammer mit. Denn sonst könnten sie der enormen Nachfrage nicht nachkommen.

Josef Hornsteiner

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