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Sie alle haben für eine gelungene Marktwoche gesorgt.

Das große Finale 

Bozner Markt: Ein letztes Mal aus vollen Kehlen - „Jubel!“

Ein Fest wie aus einem Guss: Der Bozner Markt ist auch bei der achten Auflage ein voller Erfolg. Am Sonntag strömten noch einmal die Massen nach Mittenwald, um das Mittelalter hautnah zu erleben. Neun Tage Ausnahmezustand und Dauereinsatz in den Schänken und an den Ständen haben sich gelohnt.

Mittenwald – „Jubel!“ – unzählige Male ist dieses Wort in den vergangenen neun Tagen in Mittenwald aus weinseligen Kehlen geschmettert worden. Mehr wie jedes andere drückt es eine Stimmungslage, ein Lebensgefühl aus: Hier feiern Menschen, hier trinken Menschen, hier geht’s Menschen einfach gut. Wer den Bozner Markt in Mittenwald besucht hat, der wird dem vorbehaltlos zustimmen. Am Sonntag ist die achte Auflage des publikumsträchtigen Mittelalter-Spektakels zu Ende gegangen. Viele sind darüber traurig, doch einige auch erleichtert, um nicht zu sagen froh. Denn in den einzelnen Schänken und Ständen wurde bis zum Anschlag gearbeitet.

„Ich könnt’ schon noch weitermachen“, meint Johann Maller, Chef des Historischen Spielmannszugs. Allerdings räumt der „Zweckl“ ein: „Aber die Mannschaft leidet schon.“ Damit sind die 60 Mitglieder gemeint, die tagtäglich in drei Schichten gerackert haben – von 7.30 Uhr (Käse- und Speckschneiden) bis zur Feierabend-Halbe um 23.30 Uhr. Ja, irgendwann steht den fleißigen Helfern in der Landsknechtschänke der Sinn nach Bier und nicht mehr nach Wein.

Viel von dem roten Edelvernatsch ist geflossen – auch in der neuen Schützenschänke im Schreyögg-Haus. Peter Brandtner, Oberleutnant der gastgebenden Gebirgsschützen, spricht von durchschnittlich 120 Litern. Spitzenreiter war der Abschluss-Samstag, als 200 Liter verkauft wurden. Was draußen so lief, hat Brandtner nur zum Teil mitbekommen. „Mich haben’s in die Küche abkommandiert, weil ich mir keinen Bart hab’ wachsen lassen.“ Doch der zweite Mann in der Kompanie nimmt’s mit Humor.

Zufriedene Gesichter gibt’s auch in Pfeffers Silva. Dort haben Ines und Stephan Pfeffer in ihrem kleinen Laden am Südende des Obermarkts für ein lauschiges Ambiente unter uraltem Gewölbe gesorgt. „Das beweist, dass man auch als ehemaliger Künstlerischer Leiter im Detail etwas machen kann, was zum Bozner Markt passt“, unterstreicht der langjährige Ideengeber des Historienspektakels. Diesmal hatte er sich nicht zuletzt wegen seiner eigenen Schänken-Pläne eine Auszeit in offizieller Funktion gegönnt. Nicht wenige bedauerten das. Zumal die Marktwoche – abgesehen vom fulminanten Eröffnungsspiel – mit wenig Neuem aufwarten konnte. „Rupfen alleine ist nicht Mittelalter“, sagt Pfeffer. Mehr wollte der „Jakl“ hierzu nicht anmerken. Doch seine Botschaft ist unschwer herauszuhören: Selbst ein Bozner Markt muss weiterentwickelt werden, sonst verkommt er irgendwann zu einer Sauf- und Fressmeile.

Davon war das Historienspektakel 2017 allerdings meilenweit entfernt. Es war einmal mehr authentische Geschichte zum Anfassen mit Liebe zum Detail – „Jubel“. Auf ein Neues 2022.

Christof Schnürer

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