+
Erwecken die Kultdisco wieder zum Leben: (v.l.) Christopher Leyrer, Florian Tanzer und Siggi Baumann vom „Wolfsrudel Bayern“-Verein montieren gerade ihr Wappen im Eingangsbereich.

Das Wolfsrudel zieht ein

Bozner Markt: Das Blacky‘s öffnet wieder

Es ist eine kleine Sensation: Während des Bozner Markts eröffnet das ehemalige „Blacky’s“ wieder seine Pforten. 16 Stammtisch-Brüder verwandeln die ehemalige Kultdisco in eine mittelalterliche „Wolfshöhle“. Ein Besuch in dem wohl berüchtigsten Keller Mittenwalds.

Mittenwald – Sie sitzen beinander, in der Werkstatt von Florian Tanzer, gönnen sich ihr Feierabendbierchen. Da beschließen die Männer des „Wolfsrudel Bayern“-Verein, dass sie ihren Teil zum Bozner Markt beitragen wollen. Schnell fällt bei „Wolf“ Christopher Leyrer der Groschen, wohin das Rudel ziehen kann: an einen Ort mit Kultstatus.

In Leyrers Familienbesitz befindet sich das ehemalige „Blacky’s“, welches vom April 1976 bis Januar 2010 das Nachtleben in der Marktgemeinde bereicherte. Es war die Kultdisco schlechthin für die jungen und junggebliebenen Mittenwalder. Dort wurde 34 Jahre lang gefeiert, getrunken und sich ineinander verliebt. Während des Mittelalterspektakels vom 5. bis 13. August sollen dort wieder Gäste einkehren können.

Bei der ersten Sichtung der seit sieben Jahren verwaisten Räumlichkeit kam die Ernüchterung. „Es war alles komplett entkernt“, erinnert sich Baumann. Keine Bar, keine Sitze und eine renovierungsbedürftige Decke. Schnell war klar: „Das wird a zache Arbeit“. Doch wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Bei einer fast schon „historischen Sitzung“ des Stammtisch-Vereins beschlossen letztlich alle 16 Wölfe: „Des pack ma!“

Also schnell die Kasse geplündert, die eigentlich den jährlichen Ausflug finanziert. „Privat hat jeder noch gut was dazu gegeben“, sagt Baumann. Schließlich musste der Keller wieder in eine gesellige Schenke verwandelt werden. Zum Glück gehören dem Stammtisch fähige Handwerker an. „Wir haben Elektriker, Schreiner, Mechaniker“, zählt das Rudelmitglied auf. Fast autark konnten sie somit mit der Arbeit im November 2016 beginnen. Einzig Karl Schandl von der gleichnamigen Bausanierungsfirma half bei den Decken-Arbeiten mit.

Nur die Deko fehlt noch

Der Zeitplan war straff, jede Stunde zählte. Schließlich mussten die Mittenwalder das Blacky’s neben ihrem regulären Beruf wieder zu neuem Leben erwecken. Vier bis fünf Mal die Woche kamen die Männern in den Gemäuern am Obermarkt zusammen. Wände wurden eingezogen, Decken neu gemacht, urige Holztische gefertigt, die komplette Elektrik und Technik verlegt und installiert. Die sanitären Anlagen waren soweit noch vorhanden, mussten allerdings wieder auf Vordermann gebracht werden. Es wurde geschliffen, geweißelt und geschraubt. Die Arbeit schien kein Ende zu nehmen. Doch wieder zeigte sich, was erreicht werden kann, wenn sich eine Gruppe von Spezln zusammenrauft. Bereits im Frühjahr nahm der Keller Gestalt an.

Jetzt ist er fast fertig. „Nur mehr die Dekoration fehlt“, sagt Florian Tanzer, als er durch die Gemäuer schlendert. Die hellen Wände erstrahlen im warmen Licht der künstlichen Fackeln. Es riecht nach frischer Farbe und Holz. Leyrer hatte „scho ein wenig gezachert“, als er nach einem mehrmonatigen beruflichen Auslandsaufenthalt wieder in das gänzlich verwandelte Blacky’s kam.

Zuviel will das „Wolfsrudel Bayern“ aber noch nicht verraten. Bilder dürfen noch keine nach außen dringen. „Wir wollen das Interesse wecken“, sagt Tanzer. Doch für alle Feierfreudigen gleich ein Wermutstropfen vorab: Nach dem letzten Bozner-Markt-Tag ist wieder Schluss. Denn die Auflagen, um die Wolfshöhle auch danach für die Allgemeinheit zu öffnen, seien nicht umzusetzen, schildert Leyrer die Situation.

Wer sich selbst ein Bild machen will, hat ab Samstag, 5. August, die Möglichkeit dazu. Witterungsbedingt öffnet spätestens ab 15 Uhr die „Wolfshöhle“. Ausgeschenkt wird maximal bis Mitternacht. „Wir müssen schließlich alle wieder am nächsten Tag hier sein und herrichten.“ Fast täglich gibt es mittelalterliche Live-Musik, ausgeschenkt wird neben Wein auch Bier und Hochprozentiges in Tongefäßen. „Deshalb haben wir einen eigenen Sicherheitsdienst engagiert.“ Unter 18-Jährige müssen draußen bleiben. Die Männer hätten gar nicht das Personal, um sich um den Einlass zu kümmern. Denn nur acht der 16 Wölfe bekommen Urlaub. Doch sie haben es ja schon einmal bewiesen: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Josef Hornsteiner

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neue Boulderanlage am Werdenfels-Gymnasium eingeweiht
Sportliche Schule: Im Außenbereich des Werdenfels-Gymnasiums können Schüler nun an der neuen Boulderanlage klettern. Diese wurde vom Landkreis finanziert.
Neue Boulderanlage am Werdenfels-Gymnasium eingeweiht
Bühne frei fürs Heimatsound-Festival: das Programm
Party, Musik und gute Laune: Das Heimatsound-Festival geht los. Hier erfahren Sie, welche Band zu welcher Uhrzeit auf der Bühne steht.
Bühne frei fürs Heimatsound-Festival: das Programm
Freiwillige Feuerwehr Murnau: Dem neuen Gerätehaus ein Stück näher
Wieviel Feuerwehr braucht Murnau? Antworten auf diese Frage liefert ein Bedarfsplan, den der Gemeinderat kürzlich beschloss. Die Studie ist zugleich Grundlage für den …
Freiwillige Feuerwehr Murnau: Dem neuen Gerätehaus ein Stück näher
Schlechte Aussichten für Karwendelbahn
Bei „Schwarzbauten“ kennen Behörden kein Pardon – vor allem dann, wenn diese sich im Naturschutzgebiet befinden. Doch Baueinstellung und Androhung von Zwangsgeld finden …
Schlechte Aussichten für Karwendelbahn

Kommentare