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Totengedenken: Am Hohen Brendten gibt Dr. Peter Tauber nicht für alle eine gute Figur ab.

CDU-Politiker wird mangelnde Zivilcourage vorgeworfen

Nach Brendtenfeier in Mittenwald: Staatssekretär Peter Tauber weiter in der Kritik

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Im Kreuzfeuer der Kritik sieht sich CDU-Staatssekretär Peter Tauber nach der Brendtenfeier in Mittenwald. Für seine Rede wird ihm mangelnde Zivilcourage vorgeworfen.

Mittenwald/Berlin – Dr. Peter Tauber (CDU) hat nach seiner Rede auf dem Hohen Brendten Post aus Niedersachsen erhalten. Der Absender: Hermann Fricke (70) aus Hannoversch Münden. Der frühere Prokurist einer Krankenversicherung und jetzige Rentner hat sich der Aufarbeitung deutscher Kriegsverbrechen verschrieben – „ohne mich dabei einer Partei zuzuordnen, ich trete ein für Recht und Freiheit“.

In seinem Schreiben an den Parlamentarischen Staatssekretär der Verteidigung erinnert Fricke, der selbst nicht beim Pfingsttreffen in Mittenwald war, die Rede Taubers aber nachgelesen hat, an die bestialischen Verbrechen der Gebirgsjäger 1943 und 1944 beispielsweise in Griechenland. „Sie sprachen von der ,Kraft zur Differenzierung‘“, wendet Fricke sich an den prominenten Politiker und Merkel-Vertrauten. „Warum aber hatten Sie nicht die Zivilcourage, in Mittenwald Orte wie Kefalonia, Kommeno und Korfu zu nennen?“ Allesamt kleine Dörfer beziehungsweise Inseln, wo die Zivilbevölkerung von Wehrmachtseinheiten regelrecht abgeschlachtet wurde.

Tauber sagt in Mittenwald: „Diese Taten beschämen uns heute“

Mit diesem Einwurf zielt Fricke auf eine bestimmte Passage in Taubers Ausführungen zur Traditionspflege. „Tradition bedeutet, das zu bewahren, was uns heute Vorbild sein kann“, sagte der Staatssekretär am Ehrenmal. „Geschichte hingegen bedeutet, zu benennen was war. Und ja: Angehörige der Gebirgstruppe der Wehrmacht haben Kriegsverbrechen begangen. Niemand bestreitet das. Diese Taten beschämen uns heute.“

Das war offenbar nicht nur den Vertretern des linksgerichteten Arbeitskreises Angreifbare Traditionspflege zu dürftig, die mit Gästen aus Griechenland angereist waren und ein Wort der Entschuldigung erwartet hatten. Auch Geschichtsforscher Fricke fehlt es an Empathie gegenüber den Opfern. In seinem Schlusswort an Tauber empfiehlt er ihm die Lektüre von Hermann Frank Meyers Standardwerk „Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg“.

Die Antwort aus Berlin folgte prompt. Tauber äußert sich kurz und knapp mit dem Hinweis, „dass ich in meiner Rede am Tag der Gebirgssoldaten 2019 mehrmals deutlich auf die Kriegsverbrechen der Gebirgstruppe der Wehrmacht hingewiesen habe“. Im Mittelpunkt sei aber „der ehrenhafte und tapfere Dienst der Gebirgstruppe der Bundeswehr“ gestanden, „die für die Werte unseres Landes“ einstehen.

Kritik an Tauber nach Mittenwald-Reaktion: „Meister darin, Geschichte zu glätten und zu plätten“

Seite an Seite: (v. l.) Hermann Fricke und Jakob Knab verfolgen das gleiche Ziel.

Ist Fricke mit diesem Echo zufrieden? „Nein, natürlich nicht. So kann ich nicht argumentieren.“ Jakob Knab aus Kaufbeuren, der Fricke mit seinen Recherchen über deutsche Kriegsverbrechen vor einigen Jahren inspiriert hatte, hat vom Parlamentarischen Staatsekretär nichts anderes erwartet. „Herr Tauber ist ein Meister darin, Geschichte zu glätten und zu plätten. Am Schluss bleibt eine glänzende Fassade.“

Knab ist in Mittenwald kein Unbekannter. Nicht zuletzt seiner schonungslosen Aufarbeitung ist es zu verdanken, dass der Name des belasteten Generals Ludwig Kübler (1889 bis 1947) in der Gebirgs- und Winterkampfschule 1995 verschwand. Heute heißt sie schlicht und einfach Karwendelkaserne. Eine durch und durch unverfängliche Bezeichnung.

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