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Ein Blick zu den Zahlen: Birgit Oswald verfolgt als Mitglied im Abstimmungsausschuss die Ausführungen von Ordnungsamts-Chef Josef Stieglmeier, der das Ergebnis als Abstimmungsleiter verkündet. 

Planspiele nach dem Wahlkrimi 

Bürgerentscheid Mittenwald: Trennt sich nun Team Hallenbad?

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Die Initiative „Karwendelbad 2020“ formierte sich, brachte das Bürgerbegehren zum Hallenbad-Neubau auf den Weg. Nun hat sie die Früchte für ihre Mühen geerntet. Ob sich die Anhänger nun beim weiteren Vorgehen einklinken, bleibt noch offen.

Mittenwald – Birgit Oswald war die Erste am Sonntag. Die erste Vertreterin der Bürgerinitiative „Karwendelbad 2020“, der Adolf Hornsteiner (CSU) im Rathaus die Hand reichte und zum Wahlsieg gratulierte. Ihre Freude, natürlich riesig. „Grandios“, kommentierte die Hallenbad-Befürworterin das Ergebnis des Bürgerentscheids. „Ich bin überzeugt, dass die Gemeinde einen Weg findet und es schafft, um das alles finanzverträglich zu machen.“ Denn jetzt ist diese am Zug, das Ziel der Initiative erreicht. Und nun? Gehen die Anhänger künftig, nachdem sie sich Anfang November formiert hatten, wieder getrennte Wege? Am Sonntag versammelten sie sich im Postkeller, um dem Ergebnis entgegenzufiebern und danach anzustoßen. „Eigentlich haben wir uns da bei einem Glas Sekt zum letzten Mal getroffen“, sagt Oswald.

Das erklärte Ziel, mit einer Bürgerbefragung den Entscheid herbeizuführen, hat die Gruppe erreicht. Mehr sei nicht geplant gewesen. Die Mittenwalderin möchte aber nicht ausschließen, dass man sich noch einmal zusammensetzt und über ein mögliches weiteres Vorgehen berät. „Es wäre schon komisch, wenn jetzt alles im Sande verläuft und wir nur zuschauen.“

Ins gleiche Horn stößt Enrico Corongiu, einer der Protagonisten der Pro-Bad-Bewegung. Die Zukunft der Initiative war ihm zufolge bisher noch kein Thema. Das sollte sie aber noch werden. „Die Leut’ haben sich kennengelernt. Wir waren ein nettes, homogenes Team,“ betont er. Im Gemeinderat wird der SPD-Mann, der auch für den Einzug in den Bundestag kandidiert, dran bleiben und das Prozedere mit einem „stärkeren Mandat“ weiterverfolgen.

Schmitz bringt Förderverein ins Spiel

Die Gegenseite in persona Stefan Schmitz (Bürgervereinigung) würde es sich wünschen, dass die Initiative nun nicht in der Versenkung verschwindet. „Ich fände es schade, wenn sie sich nun verabschiedet und sich aus der Verantwortung nimmt“, sagt er ganz deutlich. „Man kann nicht dem Gemeinderat den schwarzen Peter zuschieben und sagen ,macht’s mal‘.“ Nein, Schmitz hofft auf Teilnahme bei dem kommenden schwierigen Entscheidungsfindungsprozess. Denn jetzt gehe es darum, sich Zeit zu nehmen und das Thema mit pragmatischen Ideen anzupacken. „Wir brauchen ein Bad, mit dem sich alle identifizieren.“ Deshalb hätte er zumindest den Kern des Bürgerbegehrens auch gern mit am Tisch. „Es ist meine Erwartung, dass man sich weiterbeteiligt.“ Er bringt einen Förderverein, wie er in Murnau ins Leben gerufen wurde, ins Spiel.

Ein kleines, feines „Nischen-Produkt“

Ob ein solcher gegründet wird, vermag Oswald nicht zu sagen. Ideen seitens der Bad-Befürworter sind bereits entwickelt, ein Gestaltungskonzept ausgearbeitet. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, dass es kein 08/15-Bad wird.“ Eher ein kleines, feines „Nischen-Produkt“. So etwas wie ein „Heimatbad“ mit Heu stellt sie sich vor. Ebenso sollen die handwerklich begabten Menschen im Ort mit ins Boot geholt werden. Denn wichtig sei, das Schwimmbad langfristig attraktiv und günstig zu gestalten. Vielleicht mit Kompaktbauweise, ergänzt Corongiu.

Für Gespräche mit der Gemeinde wäre die Initiative jedenfalls sofort bereit. Daran besteht kein Zweifel. Nach einer kurzen Verschnaufpause. „Wir müssen uns jetzt auch erst mal erholen.“ Die vergangenen Monate waren intensiv. Auch der Gemeinde solle man jetzt eine Zeit der Ruhe zugestehen, betont Oswald. Damit der Friede im Ort wieder einkehrt. Denn wie die Mittenwalderin erzählt, haben sich die Gemüter auch nach Sonntag nicht wirklich beruhigt. Plakate der Bürgerinitiative seien heruntergerissen worden. Noch eins der harmloseren Dinge, wie sie erzählt. Oswald sagt: „Der Hass, der rumschwirrt, muss sich jetzt verdünnen.“ Dass das passiert, davon ist sie fest überzeugt. Denn die Zeit heilt in der Regel alle Wunden.

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