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Politik statt Sport: In der altehrwürdigen TSV-Halle gibt es heute den Kampf um die besseren Argumente.  

Ein heißes Eisen in Mittenwald 

Schlagabtausch in der TSV-Halle

Mittenwald  - Hallenbad ja oder nein? Diese Frage besitzt in Mittenwald enorme Sprengkraft. Auf beiden Seiten sammeln sich die Bataillone und munitionieren auf. 

„Das Thema bewegt den ganzen Ort – und darüber hinaus.“ Deshalb hat Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) eine ungefähre Vorstellung, was in heute Abend bei der Sondersitzung des Marktgemeinderats in der TSV-Halle erwartet: eine lebhafte Debatte in aufgeheizter Atmosphäre.. Zu emotional überfrachtet ist das Reizthema „Schwimmbad-Neubau – ja oder nein?“

Der Riss zwischen Befürwortern und Gegnern geht mitten durch das Kommunalparlament – Freie Wähler und SPD auf der einen, CSU und Bürgervereinigung auf der anderen Seite. Vorbei sind also die Zeiten, in denen das Gremium in zentralen Fragen mit einer Stimme sprach. Eine Kostprobe davon gab’s vor acht Tagen bei der letzten öffentlichen Sitzung im Rathaus. Da zischte etwa Kurt Stransky (CSU) zu den Freien Wählern, die vehement einen Hallenbad-Neubau fordern, hinüber: „Ich kann nicht verstehen, wie Gemeinderäte bei diesem Bürgerbegehren in der ersten Reihe stehen können.“ Zumal „der gesamte Gemeinderat damals einstimmig beschlossen hat, das Hallenbad zu schließen“. Für den CSU-Mann ist das Verhalten der SPD- und Freie-Wähler-Fraktion, die sich mit der Bürgerinitiative solidaristiert haben, nicht nachvollziehbar. „Ihr müsstet eigentlich Bescheid wissen, welche Pflichtaufgaben noch zu erledigen sind, und das es finanziell momentan nicht möglich ist.“ Für Stransky sind die kolportierten Zahlungsmodelle „unverantwortlich“.

Das sieht Armin Görlich, der Sprecher von „Karwendelbad 2020“, natürlich völlig anders. In einer Stellungnahme gegenüber dem Tagblatt führt er aus, dass man in einem Gespräch mit dem Bürgermeister am 31. Oktober eine Erhöhung des Kurbeitrags um 50 Cent vorgeschlagen habe. „Damit wäre ein Kredit von 5 Millionen Euro bei einer Laufzeit von 20 Jahren abgedeckt“, rechnet Görlich vor und kommt zu dem Schluss: „Die durch den gescheiterten Verkauf des Karwendelbad-Grundstücks entstandene Finanzierungslücke wäre damit geschlossen“ – und das betroffenen Areal weiter im Besitz der Kommune. Diese Überlegung soll vom Bürgermeister abgelehnt worden sein. Was Hornsteiner so allerdings nicht stehen lässt: „Ich habe niemals behauptet, dass eine Erhöhung des Kurbeitrags nicht in Frage kommt“, stellt der Rathauschef klar. Nur könne ein kommunales Schwimmbad nicht in solch beträchtlicher Höhe über eine auf den Tourismus ausgerichtete Abgabe wie den Kurbeitrag finanziert werden.

Wahrheiten, Halbwahrheiten, Verbalattacken – mit allem ist heute Abend zu rechnen. Fakt ist: Nach Auswertung der Bürgerbegehren-Listen sind von den 2056 Unterschriften 417 ungültig. Das heißt: Für einen sofortigen Schwimmbad-Neubau votierten insgesamt 1639 Mittenwalder. Das sind etwa 26 Prozent der Wahlberechtigten der Marktgemeinde.

Tagesordnung:

Priorisierung der Zukunftsprojekte des Marktes Mittenwald; Antrag der Fraktionen von SPD und Freie Wähler: Diskussion über den Hallenbad-Neubau; Antrag der Bürgervereinigung bezüglich Informationen über den Finanzierungsvorschlag der Bürgerinitiative; Zulässigkeit des Bürgerbegehrens mit Terminfestsetzung des Bürgerentscheids; Ratsbegehren zum Bürgerentscheid über die Zukunftsprojekte des Marktes Mittenwald; Festlegung der Stichfrage; Erlass einer Satzung über das Ausführen von Bürgerentscheiden sowie Briefabstimmung zum Thema Hallenbad. Der Marktgemeinderat tritt am heutigen Mittwoch um 19 Uhr zur Sondersitzung in der TSV-Halle zusammen.

Christof Schnürer/Josef Hornsteiner

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