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Distanziertes Verhältnis: Bürgermeister Adolf Hornsteiner (r.) und Gemeinderat Josef Schandl gehen schon lange nicht mehr in die gleiche Richtung. 

Hallenbad-Bürgerentscheid in Mittenwald 

Spaltpilz im Gemeinderat: Zwei Männer, zwei Meinungen

Mittenwald - Die aufgeheizten Debatten im Vorfeld des Mittenwalder Bürgerentscheids am 5. Februar zeigen es mit Nachdruck: Josef Schandl entwickelt sich immer mehr zum Hauptkritiker von Bürgermeister Adolf Hornsteiner. Doch auch dieser kann scharf schießen.

Es ist Wahlkampf unterm Karwendel – ein erbitterter obendrein. Beide Seiten schenken sich nichts, wenn es um das Pro und Contra eines neuen Hallenbads in Mittenwald geht. Bis zum Zahltag – am 5. Februar um 22 Uhr wird das Ergebnis des Bürgerentscheids bekanntgegeben – wird sich an der Schärfe der Debatte nichts ändern. Im Marktgemeinderat kreuzt man schon längere Zeit die Klingen. Keine Spur mehr von der einstigen Wohlfühlzone, dort wuchert jetzt der Spaltpilz – CSU und Bürgervereinigung auf der einen, SPD und Freie Wähler (FW) auf der anderen Seite.

„Solange der Adi Bürgermeister ist, wird es kein Schwimmbad geben“

Besonders deftig tritt derzeit FW-Ortsvorsitzender Josef Schandl auf. Der Freiberger-Sepp flankiert nicht nur die Bürgerinitiative „Karwendelbad 2020“ mit voller Kraft, er geht auch mit zwei Protagonisten auf der Gegenseite hart ins Gericht: Sabrina Blandau, Geschäftsführerin der Alpenwelt-Karwendel-Tourismus-GmbH, und vor allem Rathauschef Adolf Hornsteiner (CSU).

„Solange der Adi Bürgermeister ist, wird es kein Schwimmbad geben“, hatte Schandl schon bei der Herbstversammlung seiner Gruppierung konstatiert. Bringt sich da etwa ein Bürgermeisterkandidat für 2020 schon in Stellung?

Jedenfalls ist das Klima zuletzt deutlich rauer geworden – nach der Schließung des Karwendelbads (November 2016), dem Bürgerbegehren und -entscheid. In die Pro-Hallenbad-Front haben sich die Freien Wähler geschlossen eingereiht. „Wir stehen nach wie vor hinter dem Projekt“, betont Schandl. Für ihn sind die Argumente der Verwaltung, allen voran natürlich die des Bürgermeisters, nicht stichhaltig.

Reizthema Sporthalle

In seinen Augen würde Hornsteiner alles dafür tun, „um das Hallenbad schlecht dastehen zu lassen“. Auch beim Info-Abend der Bürgerinitiative versäumte es der „Freiberger“ nicht, erneut die Berechnungen seitens der Marktgemeinde und den Vortrag des Rathauschefs bei der Bürgerversammlung Ende Oktober zu kritisieren. „Plötzlich war das Bürgerhaus wieder Thema“, wundert sich Schandl. Für ihn hat ein Hallenbad aber nach wie vor die absolut höchste Priorität. Das Einbringen des Sanierungsfalls Bürgerhaus ist in seinen Augen lediglich politisches Kalkül.

Auch bei den anderen Projekten sieht er bei weitem nicht so viel Handlungsbedarf. Schließlich „haben wir einen Veranstaltungssaal“ (Anm. der Red.: Gemeint ist die TSV-Halle). Dem widerspricht Hornsteiner energisch: „Die Gemeinde hat keinen Veranstaltungsaal.“ Der gehöre dem TSV. „Wir brauchen dringend einen.“

Auch der Bau einer Mehrfach-Sporthalle auf dem Schulgelände ist für Schandl ein Reizthema. Dessen Anti-Haltung kann Hornsteiner nicht ansatzweise nachvollziehen. „Hier verschweigt man geflissentlich, dass es dabei um die Sicherung des Schulstandorts geht.“ Der Bürgermeister schießt in diesem Zusammenhang sogar noch eine volle Breitseite Richtung Oppositionsführer Schandl ab. Dieser übt in seiner Funktion als Gemeinderat seit drei Jahren das Amt des Sportreferenten aus. „In dieser Zeit hat es Herr Schandl nicht einmal für nötig gehalten, mit den Verantwortlichen des TSV zu reden.“ Dabei sei dieser Klub der mitgliederstärkste Sportverein im Ort und in puncto Turnhallen-Bau der zentrale Ansprechpartner.

Blandau trifft Bannstrahl

Schandl indes bekräftigte bei der Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative im Postkeller einmal mehr, wie wichtig für ihn ein neues Schwimmbad ist, zumal „noch nicht alle Fördermöglichkeiten“ abgeklopft worden seien.

Schandls Bannstrahl trifft aber auch Alpenwelt-Chefin Blandau. Als diese das Kooperations-Projekt mit der RVO in Krün den Gremien aller drei Gemeinden vorstellte, soll sie sich laut Schandl klar gegen ein Hallenbad ausgesprochen haben. „Sie hält es nicht für nötig.“

Blandau hat da allerdings eine andere Sichtweise. „Es ging dabei um eine Nachfrage von Gemeinderat Florian Lipp (Anm. d. Red.: Freie Wähler) um die Bedeutung des Hallenbads“, erklärt sie gegenüber dem Tagblatt. Daraufhin habe sie erläutert, dass „ein Schwimmbad zwar wünschenswert wäre, aber nicht zwingend erforderlich ist“. Gleichzeitig betont sie, dass seit der Schließung des Karwendelbads das Arrangement mit den umliegenden Bädern seit 1. Dezember „bisher gut angelaufen“ sei. Auch von Seiten der Gäste soll’s laut Bürgermeister Hornsteiner noch keinen Protest gegeben haben. „Uns liegen keine nennenswerten Beschwerden vor.“

csc/joho

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