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Die beiden trennen Welten – zumindest beim Thema Hallenbad: Enrico Corongiu (l.) und Adolf Hornsteiner.  

So reagiert der Rathauschef auf das Finanzkonzept der Bürgerinitiative

Bürgerentscheid: Hornsteiner findet Zahlen „nicht seriös“

Mittenwald - Was der Mittenwalder Rathauschef vom Finanzkonzept der Bürgerinitiative Karwendelbad 2020 hält? Gelinde gesagt: gar nichts. Das Zahlenwerk, das SPD-Gemeinderat Enrico Corongiu seinem Publikum präsentiert hat, bezeichnet Adolf Hornsteiner als „verantwortungslos“.

Dass dem Mittenwalder Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) das Finanzkonzept der Bürgerinitiative „Karwendelbad 2020“ nicht schmeckt, überrascht keineswegs. Doch die deftige Wortwahl bei seiner Planspiel-Analyse fällt diesmal ungewöhnlich scharf aus. „Verantwortungslos“ oder „nicht seriös“ nimmt er beim Blick in das lange unter Verschluss gehaltene Zahlenwerk in den Mund. Punkt für Punkt filetiert er das, was am Freitagabend SPD-Gemeinderat Enrico Corongiu rund 200 Zuhörern im Postkeller präsentierte

Dort musste Zuschauer Hornsteiner zu seinem Verdruss schweigen: Information statt Diskussion lautete die Parole, die zuvor Initiativen-Sprecher Armin Görlich ausgegeben hatte, wohlwissend das einige im Saal durchaus kritische Nachfragen haben.

Etwa zu den Kosten für ein neues Hallenbad auf dem ehemaligen Nemayer-Grundstück. Die Bürgerinitiative geht von acht Millionen Euro aus und beruft sich dabei auf die sogenannte Krautloher-Studie, die vor knapp fünf Jahren von der Marktgemeinde in Auftrag gegeben wurde. Diese Zahl sei einfach „nicht seriös“, echauffiert sich Hornsteiner gegenüber dem Tagblatt, denn die Baukosten hätten sich seit Mai 2012 „markant“ nach oben entwickelt. Nach Rücksprache mit den Krautloher Architekten in Vilshofen kommt der Bürgermeister mittlerweile auf eine Investitionssumme von 9,4 Millionen Euro – und da ist der Staatszuschuss (500 000 Euro) schon weggerechnet.

In diesem Zusammenhang fährt der Bürgermeister ein weiteres Geschütz gegen Corongiu auf, der sich im Herbst bekanntlich für den Deutschen Bundestag bewirbt. „Er sprach bei der Versammlung immer von weiteren Fördermitteln, aber er hat nicht gesagt welche.“ Hornsteiner glaubt auch zu wissen warum: „Es sind zwar Anschubfinanzierungen möglich, aber der ökonomische Nutzen ist nicht gegeben.“

Diametral auseinander gehen die Berechnungen auch bei den Folgekosten eines neuen Hallenbads. Der Rathauschef bleibt dabei: Knapp 800 000 Euro (325 000 Euro Betriebskosten-Defizit-Ausgleich, der Rest Schuldenabbau) sind’s pro Jahr. In Corongius Konzept ist lediglich von 540 000 Euro die Rede. Denn der SPD-Gemeinderat sieht beispielsweise bei den Personalkosten Einsparpotenzial. „Welches?“, fragt sich Hornsteiner, der vor seinem Bürgermeister-Amt als Gemeindewerks-Chef jahrelang für den Betrieb des mittlerweile geschlossenen Karwendelbads verantwortlich zeichnete. Es gibt schlicht keines. Mit einem Drei-Personen-Schicht-Betrieb (Kasse, Aufsicht, Reinigung) kümmerte man sich bis zur Schließung im November um die Badegäste. „Damit waren wir vor dem Gesetzgeber nachweislich am alleruntersten Niveau.“ Weniger geht nicht. „Den Gedanken, Personal zurückzufahren, halte ich für verantwortungslos“ – auch aus Sicherheitsgründen. Denn wie könnten zwei Angestellte auf zwei Etagen permanent einen Blick auf die Badegäste haben.

Auch Corongius Idee eines Kassenautomaten findet der Bürgermeister wenig zielführend: „Wir müssen dem Gast eines Tourismusorts doch Qualität bieten, er hat Anspruch auf kompetente Auskunft.“ Und die könne ein Blechkasten, der nur Tickets ausspuckt, schlicht nicht geben. „Es muss doch so kalkulieren, dass das Ganze wettbewerbsfähig und sozialverträglich ist.“ Denn die Schwimmbad-Konkurrenz im benachbarten Tirol (Leutasch, Seefeld, Telfs) und im Landkreis (Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau) sei enorm. „Personaleinsparungen wären nur möglich, wenn man die Öffnungszeiten reduziert“, meint Hornsteiner. „Aber das kann nicht der Anspruch eines neuen Hallenbads sein.“

Was den Gemeindechef aber ebenso auf die Palme bringt, ist die Tatsache, dass seiner Meinung nach wichtige Faktoren in dem Finanzierungskonzept der Bürgerinitiative einfach außer Acht gelassen werden. Als Beispiel nennt Hornsteiner den aktuellen Rechtsstreit mit den Heidenheimer Investoren der Karwendelbahn. Die laufenden Kosten im unteren sechsstelligen Bereich würden von Corongiu schlicht ignoriert werden. Dabei belasten sie sowohl den Haushalt 2016 als auch 2017. „Das muss Herr Corongiu als Gemeinderat wissen, und das weiß er auch genau.“ Um denjenigen den Wind aus den Segeln zu nehmen, die behaupten, die Kommune verschwende damit Steuergelder, betontt Hornsteiner: „Die Karwendelbahn fährt nur deshalb, weil sich die Gemeinde zur Wehr setzt.“

Christof Schnürer

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