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Die Ehrenbürgerin meldet sich im Internet zu Wort.

Bürgerentscheid in Mittenwald erreicht soziale Medien

Der Kampf im Netz

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Sie vertreten unterschiedliche Ansichten: der Mittenwalder CSU-Ortsverband und die Bürgerinitiative „Karwendelbad 2020“. Doch sie verbindet auch etwas. Um auf Wählerfang für den Bürgerentscheid am 5. Februar zu gehen, schlagen sowohl die Befürworter als auch die Gegner eines Hallenbad-Neubaus den gleichen Weg ein. Sie setzen auf die sozialen Medien.

Mittenwald - Der Mittenwalder Bürgerentscheid geht in die heiße Phase. Der Ton wird schärfer, die Anspannung größer. Befürworter und Gegner eines Neubaus des Hallenbades leisten Überzeugungsarbeit, versuchen sich mit ihren Argumenten gegenseitig zu übertrumpfen. Auf fairer Ebene. Vor allem auf sachlicher – zumindest weitgehend. Mittenwald steckt mitten im Wahlkampf. Und der läuft auf verschiedenen Kanälen ab.

Die beiden Seiten ziehen alle Register, um Aufmerksamkeit zu erregen. Flyer flattern in die Briefkästen, Veranstaltungen und Stammtische sollen den Bürgern als Entscheidungshilfe dienen – eben die traditionellen Informationswege. Damit nicht genug. Man setzt auf die neuen Medien – auf Facebook, YouTube und Co.. Das Ziel: Bürger zum Wählen zu mobilisieren. In einer so wegweisenden Entscheidung für die Marktgemeinde zählt eben jede Stimme.

Während sich die Gemeinde-Verwaltung auf ihre üblichen Internet-Domains konzentriert und dort nun ihre Sichtweise zum Finanzkonzept der Bürgerinitiative verlautbaren wird (www.markt-mittenwald.de und www.mit tenwald.de, Rubrik Bürgerservice), bespielen der CSU-Ortsverband und die Bürgerinitiative „Karwendelbad 2020“ diese modernen Plattformen am intensivsten. „Wir wollen die Informationen auf allen Wegen an den Bürger bringen“, sagt CSU-Vorsitzender Rudi Haller. Drei junge Mitglieder kümmern sich zum Beispiel um den Facebook-Auftritt. Mehrmals am Tag erscheint ein Beitrag, in dem die Werbetrommel für den Bürgerentscheid 2, also gegen den Neubau, gerührt wird. Ein Klick, viele Statements, alle mit einer Meinung. Auf der Seite ploppen nicht nur eine Art von Mottokarten mit Slogans wie „Kein Finanz-Oberammergau Nr. 2“ – eine Anspielung auf den defizitären Wellenberg – auf, sondern auch YouTube-Videos. Neben Andreas Jais, Vorsitzender der Musikkapelle, der den Bau eines Veranstaltungssaals bevorzugt, haben die Christsozialen zudem eine Prominente für ihre Zwecke gewonnen: Ex-Biathletin Martina Beck. Rund eine Minute dauert das Plädoyer der Ehrenbürgerin für eine neue Turnhalle, weil die alte ihr zufolge „nicht mehr zeitgemäß“ sei. „Vor allem die Vereine würden extrem davon profitieren“, sagt die Sportlerin. TSV-Vorsitzender Georg Hornsteiner positioniert sich ebenfalls deutlich. Die momentane sei eine „Zwitter-Halle“ – weder optimal für Veranstaltungen noch für den Sportbetrieb“. Er appelliert mit entschiedener Stimme an die Bürger, sich gegen ein Hallenbad auszusprechen: „Stimmen Sie gegen den Bau.“ Der TSV geht selbst in die Offensive, informierte seine Mitglieder in einem Brief über die prekäre Hallen-Situation und mögliche Auswirkungen, wenn diese das Kreuz an der vermeintlich falschen Stelle setzen. In das gleiche Horn stößt der Theaterverein in einer Stellungnahme – alles zu lesen auf der CSU-Facebook-Seite. Einiges davon auch auf der Homepage.

Die neuen Medien sind die Waffen im Kampf um Stimmen. Dessen ist sich die Bürgerinitiative bewusst. Sie nutzt seit Mitte November das soziale Netzwerk als eine Art Sprachrohr. Auch sie veröffentlicht Flyer mit Argumenten, Zeitungsberichten und Nachrichten von Einheimischen wie Gästen, die den Vertretern ihr Unverständnis zur ersatzlosen Schließung des Karwendelbads kundtun. Darunter Kurt König. Der Berglauf-Bundestrainer, abgebildet mit Foto, gibt etwas zu bedenken: „Nachdem im November in Mittenwald das Hallenbad inklusive Sauna aus den bekannten Gründen seine Pforten schließen musste und in absehbarer Zeit ein Neubau nicht vorgesehen ist, frage ich mich, warum ambitionierte Sportler oder auch Touristen ihre Zelte überhaupt noch in Mittenwald aufschlagen sollten?“ Für ihn ist ein Hallenbad ein wichtiger Baustein, um das Freizeit- und Sportangebot sowohl für Bürger als auch für Gäste zu komplettieren, heißt es.

So unterschiedlich die Meinungen zwischen dem CSU-Ortsverband und den Bad-Befürwortern sind, so ähnlich ist ihr Vorgehen, um den Bürger auf die eigene Seite zu ziehen. Der Wahlkampf nimmt an Fahrt auf, das bemerkt auch Armin Görlich, Sprecher der Initiative, der Facebook selbst nicht nutzt. „Da ist viel Spannung drin.“ Das weiß er aus Gesprächen. Aber es ist die neue Methode, um viele, allen voran junge Menschen zu erreichen und gleichzeitig eine hohe Wahlbeteiligung herbeizuführen. Denn Haller bringt es auf den Punkt: Egal, ob für oder gegen den Neubau gestimmt wird, „die Suppe, die wir uns jetzt einbrocken, die müssen wir gemeinsam auslöffeln“.

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